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Aus den Schriften Shoghi Effendis - Weltstaatenbund

Aus den Schriften Shoghi Effendis


Ein Weltstaatenbund
Auf die allgemeine Wesensart, die Folgerungen und Merkmale dieses Weltstaatenbundes, der früher oder später aus dem Blutbad, dem Todeskampf und der Verwüstung dieser großen Welterschütterung aufzusteigen bestimmt ist, habe ich schon in den vorhergehenden Ausführungen hin gewiesen. Es genügt zu sagen, dass diese Vollendung, entsprechend ihrer Wesensart, einen schrittweisen Verlauf nehmen wird, und, wie Bahá'u'lláh selbst vorausgesehen hat, zuerst zur Gründung jenes »Kleineren Friedens« führen muss, den die Nationen der Erde von sich aus errichten werden, noch ohne Seiner Offenbarung bewusst zu sein und noch ohne Wissen darüber, dass sie die allgemeinen Grundsätze durchsetzen, die Er verkündet hat. Dieser bedeutungsvolle und historische Schritt, der die Wiederherstellung der Menschheit als Ergebnis allgemeiner Erkenntnis ihrer Einheit und Ganzheit enthält, wird die Vergeistigung der Massen unmittelbar mit sich bringen, die auf die Erkenntnis der Wesensart und die Anerkennung der Ansprüche des Glaubens Bahá'u'lláhs folgt. Sie sind die wesentlichen Vorbedingungen zu jener endlichen Verschmelzung aller Rassen, Glaubensbekenntnisse, Klassen und Nationen, welche das Aufsteigen Seiner Neuen Weltordnung kennzeichnen wird.
Dann wird die Zeit der Reife des ganzen Menschengeschlechtes von allen Völkern und Nationen der Erde verkündet und gefeiert werden. Dann wird das Banner des »Größten Friedens« gehisst werden. Dann wird die weltweite Herrschaft Bahá'u'lláhs, des Begründers des Reiches vom Vater, wie sie vom Sohne geweissagt und von den Offenbarern Gottes vor und nach Ihm vorausgeschaut ist, anerkannt, mit Freude begrüßt und fest errichtet werden. Dann wird eine Weltzivilisation geboren werden, blühen und für immer fortdauern, eine Zivilisation mit einer Lebensfülle, wie sie die Welt weder gesehen hat noch bis jetzt begreifen kann. Dann wird der Ewige Bund voll erfüllt werden. Dann wird die in allen Büchern Gottes eingeschlossene Verheißung eingelöst werden, alle durch die Propheten alter Zeiten ausgesprochenen Weissagungen werden eintreffen, und die Gesichte der Seher und Dichter werden sich verwirklichen. Dann wird der Planet, vergoldet durch den allumfassenden Glauben seiner Bewohner an einen Gott und ihre Ergebenheit in eine allgemeine Offenbarung, in den ihm gesetzten Grenzen den strahlenden Ruhm der Herrschaft Bahá'u'lláhs widerspiegeln, der in der Fülle seines Glanzes im Abhá-Paradiese leuchtet. Er wird zum Schemel Seines Thrones in der Höhe gemacht und als der Himmel auf Erden bejubelt werden, der fähig ist, das unaussprechliche Schicksal zu erfüllen, das ihm seit undenklichen Zeiten durch die Liebe und Weisheit seines Schöpfers bestimmt war.
Es ist nicht an uns, die wir winzige Sterbliche sind, in einem so kritischen Abschnitt der langen, bunt bewegten Menschheitsgeschichte zu versuchen, zu einem genauen und befriedigenden Verständnis der Schritte zu gelangen, welche eine blutende Menschheit, die ihren Gott erbärmlich vergessen und Bahá'u'lláh nicht beachtet hat, nach und nach von ihrem Golgatha zu ihrer endlichen Auferstehung führen müssen. Es ist nicht an uns, den lebenden Zeugen der allbezwingenden Macht Seines Glaubens, auch nur für einen Augenblick, wie finster das Elend, das die Welt umhüllt, sein mag, die Fähigkeit Bahá'u'lláhs in Frage zu stellen, diese zerstreuten und einander zerstörenden Bruchstücke, in die eine verderbte Welt zerfallen ist, mit dem Hammer Seines Willens und durch das Feuer der Trübsal auf dem Amboss dieses in Wehen kreißenden Zeitalters in die besondere Form zu schmieden, die Sein Geist erschaut hat - zu einer einzigen, festen und unteilbaren Einheit, die fähig ist, Seinen Plan für die Menschenkinder auszuführen.
Wie verwirrt der Schauplatz, wie trübe der gegenwärtige Ausblick, wie eng begrenzt die uns verfügbaren Hilfsmittel auch seien, unser ist die Pflicht, heiter, vertrauensvoll und unaufhörlich zu arbeiten und, auf welche Weise auch immer die Umstände uns dazu befähigen mögen, unseren Anteil zu geben für das Wirken der Kräfte, die, von Bahá'u'lláh geleitet und gelenkt, die Menschheit aus dem Tal des Elends und der Schmach auf die erhabensten Höhen der Macht und der Herrlichkeit führen.

Shoghi Effendi
Haifa, Palästina, 28. März 1941


Ggv (I)
2:14 (über das Werk des Persischen Bayán)
... es erfüllt die Verheißung Muhammads, dass »ein Jüngling aus den Bani-Háshim ... ein neues Buch offenbaren und ein neues Gesetz verkünden« werde.

2:15 (II)
In diesem Zusammenhang sei noch erwähnt, dass sich im dritten Váhid des Buches eine Stelle findet, die wegen ihres deutlichen Hinweises auf den Namen des Verheißenen und ihrer Vorausschau auf die Ordnung, die eine spätere Zeit als Seine Offenbarung erkennen wird, als eine der bedeutsamsten Aussagen im gesamten Schrifttum des Báb gewertet zu werden verdient. »Wohl dem«, so verkündet Er voraus, »der seinen Blick auf die Ordnung Bahá'u'lláhs richtet und seinem Herrn dankbar ist. Denn Er wird gewiss erscheinen. So hat es Gott fürwahr unwiderruflich im Bayán verheißen.« Mit dieser Ordnung setzte zwanzig Jahre später der Stifter der angekündigten Offenbarung, indem Er im Kitáb-i-Aqdas den selben Begriff verwendete, das hier vorgesehene System gleich, wobei Er darauf hinwies, dass »diese größte Ordnung« die Welt aus dem Gleichgewicht geworfen und das geregelte Leben der Menschheit aufgewühlt habe.

2:23 (II)
»Im Jahre neun«, schrieb Er im Hinblick auf das Datum des Eintreffens der verheißenen Offenbarung ausdrücklich, »werdet ihr alles Gute erlangen«. »Im Jahre neun werdet ihr in die Gegenwart Gottes gelangen.« Und wiederum: »Nach Hín (= 68) wird euch eine Sache gegeben, die ihr erkennen sollt«. »Ehe nicht neun seit der Empfängnis dieser Sache vergangen«, erklärt Er im Einzelnen, »werden die Wirklichkeiten der erschaffenen Dinge nicht offenbar werden. Alles, was du bis jetzt gesehen, befindet sich im Zustand des feuchten Keims, den Wir noch nicht mit Fleisch umhüllten. Sei geduldig, bis du eine neue Schöpfung schauest. Sprich: `Gepriesen sei darum Gott, der Herrlichste der Schöpfer!`« (Vgl. 6:21) »Warte«, lautet Seine Erklärung an Azím, »bis neun seit der Zeit des Bayán verstrichen sind. Dann rufe: `Gepriesen sei darum Gott, der Herrlichste der Schöpfer!`« »Habt acht«, mahnt Er in einer bemerkenswerten Stelle über das Jahr neunzehn, »auf die Zahl Váhid (= 19) seit Empfängnis der Offenbarung«, und noch deutlicher legte Er fest: »Der Herr des Tages des Gerichts wird am Ende von Váhid und zu Beginn von achtzig (= 1280 n. d. H.) kund werden.«.

4:12 (über den Báb) (III)
So endete ein Leben, von dem die Nachwelt erkennen wird, dass es die Schnittstelle zweier universaler prophetischer Zyklen bildet, des Adamischen Zyklus, der bis zur ersten Morgenfrühe schriftlich überlieferter religiöser Geschichte der Welt zurück reicht, und des Bahá'í-Zyklus, dem es bestimmt ist sich über eine noch im Zeitenschoß ruhende Zukunft von fünftausend Jahrhunderten zu erstrecken.

4:17 (I/II/III)
Der Báb, den Bahá'u'lláh als das »Wesen der Wesen« anruft, das »Meer der Meere«, den »Punkt, den die Wirklichkeiten der Propheten und Boten umkreisen«, »von dem Gott die Erkenntnis ausgehen ließ von allem, was war und was sein wird«, der im »Rang alle Propheten überragt« und dessen »Offenbarung all ihrer Erwählten Fassungskraft und Verständnis übersteigt«, hat Seine Botschaft ausgerichtet und Seinen Auftrag erfüllt. Der nach den Worten Abdu'l-Bahás »der Morgen der Wahrheit« war, der »Vorbote des Größten Lichtes«, dessen Advent zugleich das Ende des »prophetischen Zyklus« und den Beginn des »Zyklus der Erfüllung« bezeichnet, hat mit einem Schlag durch Seine Offenbarung die auf Seinem Land ruhenden Schatten der Nacht gebannt und den bevor-stehenden Aufstieg jenes unvergleichlichen Gestirns angekündigt, in dessen Glanz sich die ganze Menschheit sonnen werde. »Der erste Punkt«, wie Er sich selbst bezeichnet, »aus dem alles Erschaffene erzeugt ward«, »ein Tragpfeiler des ersten Wortes Gottes«, der »mystische Tempel«, die »große Verkündigung«, die »Flamme himmlischen Lichtes, das auf dem Sinai leuchtete«, das »Gedenken Gottes«, dessenthalben »ein besonderer Bund mit allen Propheten geschlossen ward«, hatte mit Seinem Advent plötzlich die Verheißung aller Zeiten erfüllt und die Vollendung aller Offenbarungen angekündigt. Der den Schiiten verheißene »Qá'im« (‚der Sich erhebt’), der von den Sunniten erwartete »Mihdí« (= 12. Imám), die von den Christen ersehnte »Wiederkehr Johannes des Täufers«, der in zoroastrischen Schriften genannte »Úshídar-Máh«, die von den Juden vorausgesagte »Wiederkehr des Elias«, dessen Offenbarung »die Zeichen und Merkmale aller Propheten« aufweisen solle, der »die Vollkommenheit Mose, den Strahlenglanz Jesu und die Geduld Hiobs« offenbaren werde, war erschienen, hatte Seine Sache verkündet, war erbarmungslos verfolgt worden und ruhmvoll gestorben. Das »zweite Wehe«, von dem in der Apokalypse des Sehers Johannes die Rede ist, war endlich erschienen, und der erste der beiden »Boten«, deren Erscheinen der Qur'án prophezeit hatte, war aufgetreten. Der erste »Posaunenstoß«, bestimmt, die Erde mit Vernichtung zu schlagen, wie es im genannten Buch angesagt ist, war erschallt. »Die Unausweichliche«, »die Katastrophe«, »die Auferstehung«, »das Erdbeben der letzten Stunde«, vom selben Buch vorausgesagt, all dies ist eingetreten. Die »klaren Zeichen» waren «herab gesandt«, der »Geist« hatte »geweht«, die »Seelen« waren »erwacht« und »der Himmel« war »gespalten«, die »Engel« hatten sich » in Reihen aufgestellt« und die »Sterne« waren »verloschen«, »die Erde hatte ihre Bürde abgeworfen« und »das Paradies« war »nahe herbei gekommen«, »die Hölle« war »entfacht« und das »Buch aufgeschlagen«, die »Brücke« war »ausgelegt«, die »Waage aufgestellt«, und die »Berge wurden zu Staub zermalmt«. Die von Daniel prophezeite und durch Jesus Christus in Seinem Hinweis auf »die Gräuel der Verwüstung« bestätigte »Säuberung des Tempels« war vollbracht. Der vom Apostel Gottes in Seinem Buch vorausgesagte »Tag, der tausend Jahre währen soll«, war zu Ende. Die »zweiundvierzig Monate«, derweilen die »Heilige Stadt mit Füßen getreten« würde, wie es der Seher Johannes voraussah, waren vorbei. Die »Zeit des Endes« brach an, und der erste der »beiden Zeugen«, in die »nach drei Tagen und einem halben der Geist des Lebens aus Gott« eintreten werde, hatte sich erhoben und war »in einer Wolke zum Himmel aufgestiegen«. Von den »siebenundzwanzig Buchstaben«, aus denen nach islámischer Überlieferung Wissen besteht, sind die »restlichen fünfundzwanzig Buchstaben, die noch zu offenbaren sind«, enthüllt worden. Das im Buch der Offenbarung erwähnte »Menschenkind«, das »über alle Nationen mit eiserner Rute herrschen wird«, hat mit Seinem Kommen die schöpferische Energie ausgelöst, die, verstärkt durch die Ströme einer rasch folgenden, unendlich mächtigeren Offenbarung, der ganzen Gattung Mensch die Fähigkeit verleihen wird, seine organische Vereinigung zu vollbringen, zur Reife zu gelangen und damit die ihm von einer jahrtausendelangen Evolution bestimmte Stufe zu erreichen.

6:7 (I)
Johannes, der Gottesmann, hat mit Bezug auf die beiden aufeinander folgenden Offenbarungen klar prophezeit: »Das zweite Wehe ist dahin; siehe, das dritte Wehe kommt schnell.«¹ Abdu'l-Bahá spricht über diesen Vers und erläutert: »Das dritte Wehe ist der Tag der Manifestation Bahá'u'lláhs, der Tag Gottes, er folgt kurz auf den Tag der Erscheinung des Báb«.² Ferner: »Alle Völker auf Erden erwarten zwei Manifestationen, die gleichzeitig erscheinen müssen; alles wartet darauf, dass sich diese Verheißung erfüllt.« Und wiederum: »Das Wesentliche ist, dass zwei Manifestationen verheißen sind, die nacheinander auftreten werden.«. Shaykh Ahmad-i-Ahsá'í, dieser leuchtende Stern göttlicher Führung, der vor dem Jahr sechzig so klar die herauf ziehende Herrlichkeit Bahá'u'lláhs erkannt und nachdrücklich auf »die beiden rasch aufeinander folgenden Offenbarungen« hingewiesen hatte, traf in einem Brief, den er mit eigener Hand an Siyyid Kázim schrieb, die bedeutsame Feststellung über die nahe Stunde dieser höchsten Offenbarung: »Das Mysterium dieser Sache muss kundig und das Geheimnis dieser Botschaft notwendig enthüllt werden. Mehr kann ich nicht sagen. Ich kann keine Zeit angeben. Seine Sache wird bekannt werden nach Hín.³« (Vgl. 6:19)
¹ Offb. 11/14 ² vgl. BF 11/41 ³ 68 - vgl. BAB, SEL 1/5/5

6:9 (II/III)
An dieser Stelle mögen wir uns wohl fragen, was war und bedeutete diese Offenbarung, die sich so bald nach der Erklärung des Báb kund tat und mit einem Schlag die Sendung abschloss, die jene Religion erst vor Kurzem verkündet hatte, und mit solcher Emphase und Kraft die göttliche Autorität ihres Stifters bestätigte? Was, halten wir nachdenklich inne, war der Anspruch Dessen, der selbst ein Jünger des Báb, sich so früh schon für ermächtigt hielt, das von Seinem geliebten Herrn stammende Gesetz aufzuheben? Welche Beziehungen, mögen wir weiter überlegen, könnte es zwischen den bisher bestehenden religiösen Systemen und Seiner eigenen Offenbarung geben - einer Offenbarung, die sich in äußerst gefahrvoller Zeit Seiner kreißenden Seele entrang, das Dunkel jenes verpesteten Loches durchdrang und die Mauern sprengend, sich bis in alle Welt verbreitete, um dem Körper der Menschheit insgesamt ihre grenzenlosen Möglichkeiten zu erschließen, und die nun vor unseren Augen der menschlichen Gesellschaft die Bahn weist?
6:10 (III)
Der unter derart dramatischen Umständen die überwältigende Macht einer so herrlichen Sendung zu tragen hatte, war Derjenige, dem die Nachwelt einmal zujubeln wird, den unzählige Anhänger jetzt schon anerkennen als den Richter, Gesetzgeber und Erlöser der ganzen Menschheit, den Organisator des ganzen Planeten, den Einiger der Menschenkinder, den Eröffner des lang erwarteten tausendjährigen Reichs, den Begründer eines neuen »Universalen Zyklus«, den Stifter des Größten Friedens, den Quell der Größten Gerechtigkeit, den Verkünder des künftigen Zeitalters des ganzen Menschengeschlechts, den Schöpfer einer neuen Weltordnung, den Gründer und beseelenden Geist einer Weltkultur.
6:11 (I)
Er war Israel die Verkörperung des »ewigen Vaters«, des »Herrn der Heerscharen«, herab gestiegen mit »zehntausend Heiligen«, dem Christentum Christus, wieder gekommen »in der Herrlichkeit des Vaters«, dem schiitischen Islám die Wiederkehr des Imám Husayn, dem sunnitischen Islám die Herabkunft des »Geistes Gottes« (Jesu Christi), den Zoroastriern der verheißene Sháh Bahrám, den Hindus die Reinkarnation Krischnas, den Buddhisten der fünfte Buddha.
6:12 (I)
In dem Namen, den Er trug, vereinigte Er den des Imám Husayn, des berühmtesten Nachfolgers des Gesandten Gottes - der hellste »Stern«, der nach Johannis Offenbarung in der dort erwähnten »Krone« leuchtet - und des Imám Alí, des Gebieters der Gläubigen, des zweiten der im gleichen Buch erwähnten beiden »Zeugen«. Er wurde formell mit Bahá’u’lláh angesprochen, ein Name, der besonders im Persischen Bayán genannt wird und zugleich die Herrlichkeit, das Licht und den Glanz Gottes bedeutet, Er wurde bezeichnet als der »Herr der Herren«, der »Größte Name«, die »Altehrwürdige Schönheit«, die »Feder des Höchsten«, der »Verborgene Name«, der »Verwahrte Schatz«, »Den Gott offenbaren wird«, das »Größte Licht«, der »Allhöchste Horizont«, das »Größte Meer«, der »Erhabene Himmel«, die »Urewige Wurzel«, der »Selbstbestehende«, das »Tagesgestirn des Universums«, die »Große Verkündigung«, der »Sprecher vom Sinai«, der die Spreu vom Weizen trennende »Weizensieber«, »der Unterdrückte der Welt«, die »Sehnsucht der Völker«, der »Herr des Bundes«, der »der Baum, über den hinaus niemand gehen kann«. Seine Abstammung reicht einerseits auf Abraham, den Stammvater der Gläubigen und sein Weib Ketura zurück und andererseits auf Zarathustra so wie auf Jesdegerd, den letzten König der Sassaniden-Dynastie. Über dies war Er ein Nachfahre Jesses und gehörte durch Seinen Vater Mírzá Abbás, besser bekannt als Mírzá Buzurg – ein Edelmann aus den engeren Ministerkreisen am Hofe Fath-Alí Sháhs - zu einer der ältesten und angesehensten Familien von Mázindarán.
6:13 (I/III)
Auf Ihn hatte Jesaja¹, der größte jüdische Prophet, hingewiesen, wenn er von der »Herrlichkeit Gottes« sprach, dem «Ewigen Vater«, dem »Friedefürsten«, dem »Wunderbaren«, dem »Rat«, dem »Reis aus dem Stamm Jesse« und dem »Zweig aus Seinen Wurzeln«, »der auf den Thron Davids gesetzt werden soll«, »der kommen wird mit starker Hand«, »der die Nationen richten wird«, »der die Erde schlagen wird mit der Rute Seines Mundes und mit dem Odem Seiner Lippen erschlagen wird die Gottlosen« und «der die Verjagten von Israel sammeln und die Zerstreuten aus Juda zu Hauf führen wird aus allen vier Enden der Erde«. Von Ihm sang David in seinen Psalmen und rief Ihn an als den »Herrn der Heerscharen« und »König der Herrlichkeit«. Auf Ihn wies Haggai als das »Verlangen aller Nationen« und Sacharja² als den »Spross, der sprossen wird aus Seinem Ort« und »des Herrn Tempel bauen wird«. Hesekiel pries Ihn als den »Herrn, der König sein wird über alle Welt«, während Joel³ und Zephanja4 von Seinem Tag sprachen als dem »Tag des Herrn«, wobei der letzte ihn beschrieb als einen »Tag des Grimms, ein Tag der Trübsal und der Angst, ein Tag des Wetters und Ungestüms, ein Tag der Finsternis und des Dunkels, ein Tag der Wolken und des Nebels, ein Tag der Posaune und des Kriegsgeschreis gegen die festen Städte und die hohen Zinnen«. Ferner sprachen auch Hesekiel und Daniel von Seinem Tag als dem »Tag des Herrn« und Maleachi5 beschrieb ihn als »den großen und schrecklichen Tag des Herrn«, an dem »soll aufgehen die Sonne der Gerechtigkeit und Heil unter ihren Flügeln«, indes Daniel verhieß, dass Seine Ankunft das Ende der »Gräuel der Verwüstung« ankündigen werde.
¹Jes.9:5f ²Sach.6:12 ³ Joel 1:15; 3:4 4Zeph.1:7, 15f 5Mal.3:19f
6:14 (I)
Von Seiner Sendung heißt es in den heiligen Büchern der Anhänger Zarathustras, dass in ihr die Sonne einen ganzen Monat lang still stehen werde. Ihn muss Zarathustra gemeint haben, wenn Er, wie es in einer Tradition heißt, vorhersagte, dass eine Periode von dreitausend Jahren des Streites und Kampfes vergehen muss vor der Ankunft des Welterlösers Sháh-Bahrám, der über Ahriman triumphieren und ein Zeitalter des Segens und des Friedens bringen werde.
6:15 (I)
Nur Ihn meint die Gautama Buddha zugeschriebenen Prophezeiung, in der Fülle der Zeit werde sich »ein Buddha namens Maitreya, der Buddha universaler Gemeinschaft« erheben und »Seine grenzenlose Herrlichkeit« offenbaren. Auf Ihn weist die Bhagavadgita der Hindus hin als den »Größten Geist«, den »Zehnten Avatar«, die »Makellose Manifestation Krischnas«.
6:16 (I/II/III)
Von Ihm spricht Jesus Christus als dem »Fürsten dieser Welt«, dem »Tröster«, der »die Welt der Sünde tadeln und von Recht und Gerechtigkeit sprechen wird«, dem »Geist der Wahrheit«, der »euch in alle Wahrheit leiten wird«, der »nicht von sich selber reden wird, sondern was Er hören wird, das wird Er reden«, dem »Herrn des Weinbergs«, und dem »Menschensohn, der in der Herrlichkeit Seines Vaters kommen wird in den Wolken des Himmels mit Macht und großer Herrlichkeit«, mit »allen heiligen Engeln« und »alle Völker vor Seinem Thron versammelt.« Auf Ihn spielt der Verfasser der Apokalypse an als die »Herrlichkeit Gottes«, das »Alpha und Omega«, »den Anfang und das Ende«, »den Ersten und den Letzten«. Seine Offenbarung mit dem »dritten Wehe« gleichsetzend, schilderte er überdies Sein Gesetz als »einen neuen Himmel und eine neue Erde«, das »Allerheiligste Gottes«, die »Heilige Stadt«, das »Neue Jerusalem, herab gefahren von Gott aus dem Himmel, bereitet als eine geschmückte Braut ihrem Mann«. Von Seinem Tag sprach Jesus Christus als der »Wiedergeburt, wenn des Menschen Sohn sitzen wird auf dem Thron Seiner Herrlichkeit«. Auf die Stunde Seiner Ankunft spielte Paulus an als die Stunde der »letzten Posaune«, der »Posaune Gottes«, während Petrus von ihr als dem »Tag Gottes« sprach, »an welchem die Himmel mit großem Krachen vergehen, die Elemente aber vor Hitze schmelzen«. Seinen Tag beschrieb er ferner als »die Zeiten der Erquickung«, »die Zeiten der Wiederherstellung aller Dinge, von denen Gott sprach durch den Mund aller Seiner heiligen Propheten seit Anbeginn der Welt«.
6:17 (I/II/III)
Von Ihm spricht Muhammad, der Gesandte Gottes, in Seinem Buch als der »Großen Verkündigung«, und erklärt Seinen Tag als den Tag, an dem »Gott herab kommen«[/] wird, [i]»von Wolken überschattet«, den Tag, an dem »dein Herr kommen wird und die Engel Reihe um Reihe«, an dem »der Geist sich erheben wird und die Engel in Reihen geordnet sind«. In einer Sure dieses Buches, von der es heißt, Er habe sie als »das Herz des Qur'án« bezeichnet, deutet Er Seinen Advent an mit dem Jenigen des »dritten Boten«, der herabgesandt wird, um die beiden Ihm vorangegangenen »zu stärken«. Seinem Tag zollt Er auf den Seiten desselben Buchs einen glühenden Tribut, indem er Ihn verherrlicht als den »Großen Tag«, den »Letzten Tag«, den »Tag Gottes«, den »Tag des Gerichts«, den »Tag der Abrechnung« den »Tag der gegenseitigen Täuschung«, den »Tag der Scheidung«, den »Tag des Seufzens«, den »Tag der Sammlung«, den Tag, an dem »der Ratschluss erfüllt wird«, den Tag, an dem die zweite »Posaune erschallen wird«, den Tag, »da die Menschheit vor dem Herrn der Welt stehen wird« und »alle in Demut zu Ihm kommen werden«, den Tag, an dem »die Berge, die du für so fest erachtest, vergehen werden wie eine Wolke vergeht«, den Tag, an dem »Abrechnung gehalten wird«, »den nahenden Tag, an dem der Menschen Herzen sich erheben und ihnen der Atem in der Brust stockt«, den Tag, an dem »Alle, die in den Himmeln und auf Erden wohnen, in Schrecken versetzt werden, nur der nicht, den Gott zur Errettung auserwählt«, den Tag, an dem »jede stillende Frau ihren Säugling verlässt, und jede Frau, die eine Last in ihrem Schoß trägt, ihre Last abwirft«, den Tag, da »die Erde leuchten wird im Licht ihres Herrn, da das Buch aufgeschlagen wird, die Propheten und die Zeugen aufgerufen werden; und sie werden gerichtet nach Billigkeit, und niemand wird Unrecht leiden.«
6:18
Ferner vergleicht der Gesandte Gottes, wie Bahá'u'lláh bekundet, die Fülle Seiner Herrlichkeit mit dem »Vollmond in der vierzehnten Nacht«. Seine Stufe betrachtet nach demselben Zeugnis der Imám Alí, der Gebieter der Gläubigen, als identisch mit derjenigen Dessen, »der am Sinai aus dem Brennenden Busch mit Mose sprach«. Vom überragenden Charakter Seiner Sendung legte der Imám Husayn, ebenfalls nach Bahá'u'lláhs Worten, Zeugnis ab als einer »Offenbarung, deren Offenbarer Derjenige« ist, der den Gesandten Gottes »offenbarte«.
6:19 (I)
Über Ihn schrieb Shaykh Ahmad-i-Ahsá'í, der Herold der Bábí-Sendung, der »die seltsamen Ereignisse zwischen den Jahren sechzig und siebenundsechzig« voraus geahnt und bestimmt auf das unausweichliche Kommen Seiner Offenbarung hingewiesen hatte, wie schon erwähnt: »Das Mysterium dieser Sache muss kundig und das Geheimnis dieser Botschaft notwendig enthüllt werden. Mehr kann ich nicht sagen. Ich kann keine Zeit angeben. Seine Sache wird bekannt werden nach Hín¹« (vgl. 6:7).
¹ 68, d.h. nach einer Weile; vgl. BABSEL 1/5/5
6:20 (I)
Siyyid Kázim-i-Rashtí, Shaykh Ahmads Jünger und Nachfolger, schrieb gleichfalls: »Der Qá'im muss zwangsläufig getötet werden. Nachdem Er erschlagen ist, wird die Welt das Alter von achtzehn erreichen.« In seinem Buch Sharh-i-Oasídiy-i-Lámíyyih wies er sogar auf den Namen »Bahá« hin. Ferner erklärte er gegen Ende seines Lebens seinen Jüngern sehr bezeichnend: »Wahrlich, ich sage, nach dem Qá'im wird der Qayyúm offenbart werden. Denn wenn der Stern des Qá'im untergegangen ist, wird die Sonne der Schönheit Husayns aufgehen und die ganze Welt erleuchten. Dann wird in all seiner Herrlichkeit das `Mysterium` und das `Geheimnis`, von dem Shaykh Ahmad sprach, enthüllt ... Diesen Tag der Tage zu erleben, bedeutet, zum Gipfel der Herrlichkeit vergangener Geschlechter zu gelangen und eine gute Tat, in dieser Zeit vollbracht, ist gleichbedeutend mit der frommen Andacht zahlloser Jahrhunderte.«
6:21 (I/II/III)
Der Báb pries Ihn nicht minder eindringlich als den »Inbegriff des Seins«, die »Spur Gottes«, den »allmächtigen Meister«, das »karminrote, alles umfassende Licht«, den »Herrn des Sichtbaren und des Unsichtbaren«, »den einzigen Zweck aller früheren Offenbarungen, einschließlich der des Qá'im«. Er bezeichnete Ihn in aller Form als Den, »den Gott offenbaren wird«, sprach von Ihm als dem »Abhá-Horizont«, unter dem Er selbst lebte und wohnte, zählte besonders Seine Titel auf und pries in Seinem bestbekannten Werk, dem Persischen Bayán, Seine »Ordnung«, enthüllte Seinen Namen durch die Anspielung auf den »Sohn Alís (Anm.: = Husayn), ein wahrer und unzweifelhafter Führer der Menschen«, legte wiederholt mündlich und schriftlich in einer Weise, die auch nicht den Schatten eines Zweifels zulässt, den Zeitpunkt Seiner Offenbarung fest und ermahnte Seine Anhänger, sich nicht durch »den Bayán und alles, was darin offenbart worden ist, von Ihm wie durch einen Schleier trennen« zu lassen. Er erklärte überdies, Er sei »der erste Diener, der an Ihn glaubt«, Er sei Ihm schon ergeben gewesen, »ehe alle Dinge erschaffen wurden«, »keine Anspielung« auf Ihn »könne Ihn deuten«, »der Jahre alte Keim, der alle Möglichkeiten der bevorstehenden Offenbarung in sich trägt«, sei »mit einer Kraft ausgestattet, die alle Kräfte des ganzen Bayán übersteigt«. Ferner machte Er geltend, Er habe [/i]»einen Bund mit allen erschaffenen Dingen geschlossen«[/i] bezüglich Dessen, den Gott offenbaren werde, noch ehe der Bund bezüglich Seiner eigenen Sendung errichtet war. Ohne Weiteres räumte Er ein, dass Er nur ein »Buchstabe« sei in diesem »Mächtigsten Buch«, ein »Tautropfen« aus dem »Grenzenlosen Meer«, Seine Offenbarung »nur ein Blatt unter den Blättern Seines Paradieses«, dass »alles, was im Bayán erhöht ward«, nur »ein Ring« an Seiner Hand und Er selbst i]»ein Ring«[/i] sei »an der Hand Dessen, den Gott offenbaren wird«, der »ihn wendet, wie Er will, wozu Er will und wodurch Er will«¹. Unmissverständlich erklärte Er, dass Er sich »ganz für Ihn geopfert«, »willig um Seinetwillen Flüche auf sich genommen«² habe, und »nichts ersehne als den Märtyrertod« auf dem Pfade Seiner Liebe. Schließlich prophezeite Er eindeutig: »Heute befindet sich der Bayán im Stadium der Aussaat; am Beginn der Manifestation Dessen, den Gott offenbaren wird, tritt seine höchste Vollkommenheit in Erscheinung«. »Ehe neun verstrichen seit dem Beginn dieser Sache, werden die Wirklichkeiten der erschaffenen Dinge nicht kund. Alles, was du bis jetzt siehst, ist erst das Stadium des feuchten Keims, ehe Wir ihn mit Fleisch umhüllten. Hab Geduld, bis du eine neue Schöpfung schaust. Sprich: `Selig sei darum Gott, der Trefflichste Schöpfer!`« (Vgl. 2:23)
¹ BABSEL 6:16:3 ² a.a.O. 2:29:1

Kapitel 11: Bahá'u'lláhs Gefangenschaft in Akká - Erster Teil
11:2 (I)
»Durch die Zunge der Propheten vor zwei- oder dreitausend Jahren« ist diese Erfüllung, so versichert Er, wirklich vorhergesagt. »Getreu Seiner Verheißung« hat Gott »einigen Propheten die frohe Botschaft offenbart, `der Herr der Heerscharen werde im Heiligen Land erscheinen`«. Jesaja verheißt in diesem Zusammenhang in seinem Buch: »Steige hinauf auf den hohen Berg, o Zion, dass du frohe Kunde bringest. Erhebe deine Stimme mit Macht, o Jerusalem, dass du frohe Kunde bringest. Erhebe sie und fürchte dich nicht; sage den Städten Judas: Schauet euren Gott! Schauet den Herrn Gott kommen mit starker Hand, und Sein Arm wird herrschen für Ihn.« David sagt in seinen Psalmen voraus: »Erhebet eure Häupter, o ihr Tore; ja erhebet sie, ihr ewigen Pforten; und der König der Herrlichkeit wird kommen! Wer ist der König der Herrlichkeit? Der Herr der Heerscharen, der ist der König der Herrlichkeit.« »Aus Zion, der vollkommenen Schönheit, scheint Gott. Unser Gott wird kommen und nicht schweigen.« Auch Amos sagt Sein Kommen voraus: »Der Herr wird brüllen aus Zion und wird Seine Stimme erschallen lassen aus Jerusalem; und die Wohnstätten der Hirten werden trauern, der Gipfel des Karmel wird welken.«
11:3 (I)
Akká selbst, flankiert von der »Herrlichkeit des Libanon«, ausgebreitet vor dem »Strahlenglanz des Karmel«, zu Füßen der Hügel, die Christi Heimat umschließen, wird von David als »die feste Stadt« beschrieben; Hosea schildert sie als »ein Tor der Hoffnung«, während Hesekiel auf sie als »das Tor« anspielt, »das gen Osten schaut«, zu dem »die Herrlichkeit des Gottes Israels auf dem Weg aus dem Osten kam«, Er, dessen Stimme »wie ein Tosen von vielen Wassern« ist. Der arabische Prophet spricht von ihr als »einer Stadt in Syrien, der Gott besondere Gnade erweist« und die »zwischen zwei Bergen .. inmitten einer Matte« liegt, «am Ufer des Meeres,... unter dem Throne schwebend«, »weiß, deren Weiße Gott wohl gefällt«. »Gesegnet der Mensch«, erklärt Er des Weiteren, wie Bahá'u'lláh bestätigt, »der Akká besucht, und gesegnet der, der den Besucher von Akká besucht.« Und weiter: »Wer darin den Ruf zum Gebet erhebt, dessen Stimme wird bis ins Paradies empor getragen.« Und ferner: »Die Armen von Akká sind die Könige des Paradieses und seine Fürsten. Ein Monat in Akká ist besser als tausend Jahre an einem anderen Ort.«¹ In einer bemerkenswerten Überlieferung, die als authentische Äußerung Muhammads gilt, enthalten im Werk des Shaykh Ibnu'l-Arabí mit dem Titel Futúhát-i-Makkíyyih und auch von Mírzá Abu'l-Fadl in seinem Fará'id erwähnt, findet sich folgende bedeutsame Vorhersage: »Sie (die Gefährten des Qá'im) werden alle erschlagen außer dem Einen, der die Ebene von Akká, die Festhalle Gottes, erreichen wird.«
¹ WOLF 262f
11:4 (II/III)
Bahá'u'lláh selbst hatte, wie Nabíl in seinem Bericht bestätigt, schon lange zuvor, während der ersten Jahre Seines Exils in Adrianopel, in Seinem Lawh-i-Sayyáh auf diese Stadt angespielt und sie als das »Tal von Nabíl« bezeichnet, wobei der Zahlenwert des Wortes Nabíl dem des Wortes Akká gleich ist. »Bei Unserer Ankunft«, hatte die Schrift vorhergesagt, »wurden wir durch Lichtbanner willkommen geheißen, und laut rief die Stimme des Geistes: `Bald werden alle Erdenbewohner unter diesem Banner vereinigt sein.`«
11:5 (II/III)
Das vierundzwanzig Jahre währende Exil, das zwei orientalische Despoten in ihrem unversöhnlichen Hass und ihrer Kurzsichtigkeit über Bahá'u'lláh verhängten, wird in die Geschichte als ein Zeitabschnitt eingehen, in dem sich ein wundersamer und wahrhaft umwälzender Wandel in den Lebens- und Wirkensumständen des Verbannten vollzog. Sie wird aber vor allem der Verfolgungen wegen gedacht werden, die in Seinem Heimatland zwar mit Unterbrechungen, aber ungewöhnlich grausam wieder aufflammten, und ob des gleichzeitigen Wachstums der Zahl Seiner Anhänger, und schließlich auch wegen der an Tragweite und Umfang gewaltigen Zunahme Seines Schrifttums.

16:4f. (vgl. auch 25:50) (II/III)
»Der Tag ist nahe«, betont Er, »da ihr erleben werdet, wie durch den Glanz der Religion Bahá'u'lláhs der Westen an die Stelle des Ostens tritt und das Licht der göttlichen Führung ausstrahlt.« Und abermals: »Der Westen empfing sein Licht vom Osten; doch in mancher Hinsicht war die Widerspiegelung des Lichtes im Abendland stärker.« Und: »Der Osten ward wahrlich vom Licht des Gottesreichs erleuchtet. Binnen Kurzem wird das selbe Licht den Westen noch viel stärker erleuchten.«
... »Der amerikanische Kontinent«, schrieb Abdu'l-Bahá, »ist in den Augen des einen wahren Gottes das Land, in dem der Glanz Seines Lichtes offenbart und die Geheimnisse Seiner Religion enthüllt werden, wo die Gerechten wohnen und die Freien sich versammeln.« »Der amerikanische Kontinent«, schreibt Er ferner, »zeigt Beweise großer Fortschrittlichkeit. Seine Zukunft ist viel versprechend, denn sein Einfluss und sein Glanz reichen weit. Er wird alle Nationen geistig anführen.«

19:7 (über Reisen Abdu’l-Bahás 1910-13; II/III)
Die Darstellung dieser Leben spendenden Wahrheiten des Glaubens Bahá'u'lláhs, den Er als »den Geist des Zeitalters« bezeichnete, ergänzte Er wiederholt durch eindringliche Warnungen vor einem drohenden Weltbrand, der, wenn die Staatsmänner ihn nicht abwendeten, den ganzen europäischen Kontinent in Flammen setzen werde. Auch sagte Er im Verlauf dieser Reisen die radikalen Veränderungen voraus, die auf diesem Kontinent stattfinden werden, sprach die unvermeidlich einsetzende Bewegung zur Dezentralisation der politischen Macht an, wies auf die Wirren hin, die in der Türkei ausbrechen werden, sprach von der auf dem europäischen Kontinent einsetzenden Judenverfolgung und verkündete entschieden, dass »das Banner der Einheit der Menschheit gehisst werde, dass das Heiligtum des Weltfriedens errichtet und diese Welt in eine andere verwandelt werde.«

21:18 (II/III)
Der Überblick über die hervor ragenden Züge einer so gesegneten und fruchtbaren Amtszeit darf nicht die Prophezeiungen übergehen, welche die nie irrende Feder des erwählten Mittelpunkts des Bundes Bahá'u'lláhs nieder schrieb. Diese sagen die heftigen Angriffe voraus, die der unaufhaltsame Vormarsch des Glaubens im Westen, in Indien und im Fernen Osten hervorrufen muss, wenn er auf die altehrwürdigen geistlichen Systeme der christlichen, der buddhistischen und der Hindu-Religion stößt. Sie sagen den Aufruhr voraus, den seine Emanzipation von den Fesseln der religiösen Orthodoxie auf dem amerikanischen, europäischen, asiatischen und afrikanischen Kontinent verursachen wird. Sie künden die Sammlung der Kinder Israels in ihrem alten Heimatland an, ferner die Entfaltung des Banners Bahá'u'lláhs im ägyptischen Bollwerk des sunnitischen Isláms, das Erlöschen des machtvollen Einflusses der schiitischen Geistlichkeit in Persien, das drückende Elend, das unausweichlich über den kläglichen Rest der Feinde des Bundes Bahá'u'lláhs im Weltzentrum Seines Glaubens kommen muss. Abdu'l-Bahá sagt ferner die glanzvollen Einrichtungen voraus, die der sieghafte Glaube an den Hängen des Berges zu gründen hat und die so mit der Stadt Akká verbunden sein werden, dass eine einzige große Metropole entsteht, die den geistigen wie den Verwaltungssitz der künftigen Bahá'í-Weltgemeinde umschließen wird; Er spricht von der besonderen Ehre, die die Bewohner des Geburtslandes Bahá'u'lláhs allgemein und seine Regierung im besonderen in ferner Zukunft genießen werden, weist auf die einzigartige und beneidenswerte Stellung hin, die die Gemeinde des Größten Namens auf dem nordamerikanischen Kontinent in unmittelbarer Folge der Durchführung der ihr anvertrauten Weltmission einnehmen wird, und sieht schließlich als Ergebnis und Krönung all dessen voraus, dass das »Banner Gottes unter allen Nationen gehisst« werden und es zur Vereinigung des ganzen Menschengeschlechts kommen wird, wenn einmal »alle Menschen einer Religion angehören, ... zu einer Rasse verschmolzen und ein einziges Volk sein werden«.


Jetzt ist die Zeit des Aufbaus. Die Bestimmung der deutschen Bahá'í-Gemeinde, Hofheim-Langenhain 1998
31 (II/III)
Warum sollten Sie sich ängstigen und sorgen? Haben wir nicht das deutliche Versprechen des Meisters, das Er nach Beendigung des großen Krieges äußerte, dass Deutschland, nun gedemütigt und geschwächt, zweifellos aus den Fesseln befreit werde und sich materiell und geistig entwickeln wird, bis es eines Tages stark, geeint und blühend aus diesem traurigen Aufruhr hervor geht, bereit seinen Platz in der großen Familie der entwickelten Nationen der Welt einzunehmen. (Aus Brief Shoghi Effendis v. 16.02.1923)

36 (III)
... Es ist eine solche Freude ... Korrespondenz mit den ... Vertretern einer Gemeinde wieder aufnehmen zu können, ... die Abdu'l-Bahá so sehr liebte und die dazu ausersehen ist, wie Er voraus sagte, das Licht Gottes heiliger Offenbarung nicht nur im Herzen Europas, sondern über den ganzen dunklen, durch Krieg verwüsteten und geistig ausgehungerten Kontinent zu verbreiten. (Aus Br. Shoghi Effendis v. 22.11.1946)

37 (III)
... Ihre Zukunft ist herrlich, wie Abdu'l-Bahá prophezeite. ... (Aus Br. Shoghi Effendis v. 04.06.1947)

49 (III)
... Die deutsche Bahá'í-Gemeinde, die führende Festung des Glaubens auf dem europäischen Festland, darf nicht, ja kann nicht scheitern. ... (Aus Br. Shoghi Effendis v. 14.08.1957)

51 (II/III)
... ABDUL-BAHA PRÜFT SEINE HELDENHAFTEN GESCHÄTZTEN DIENER IN JENEM LAND: JENE VON IHM VORHER GESAGTEN PRÜFUNGEN ZU IHREM BESTEN KOMMEN JETZT AUF SIE ZU. MÖGE DEUTSCHLAND SICH SIEGREICH ERHEBEN UND LICHT ÜBER GANZ EUROPA VERSTRÖMEN WIE VON ABDUL-BAHA VORAUS GESAGT. (Telegramm Shoghi Effendis v. 31.01.1930)

55 (III)
BETE UM REICHLICHE SEGNUNGEN ... FORTSCHRITT GEMEINDE DAZU BESTIMMT WIE VON ABDUL-BAHA PROPHEZEIT ZUM HÖCHST MÄCHTIGEN ZENTRUM GEISTIGER ERLEUCHTUNG GANZEN EUROPÄISCHEN KONTINENTS ZU ENTWICKELN. (Telegr. Shoghi Effendis v. 24.04.1946)

57 (III)
... Für den Fall, dass eine weitere Unruhe in Europa stattfindet, werden es die großen Städte sein, die die gefährdeten Punkte darstellen. Warum klammern sich die Bahá'í dann so hartnäckig an sie, wenn sie so viel sicherer wären und es den Belangen des Glaubens diente, wenn sie in kleinere Orte zögen? (Aus Brief im Auftrag des Hüters v. 14.08.1957)

58 (III)
... Wie Abdu'l-Bahá so oft bemerkte, wird es Deutschland eines Tages bestimmt sein alle Völker und Nationen Europas geistig zu leiten, aus seinem Herzen werden sich die Bahá'í über den ganzen europäischen Kontinent ausbreiten und mit einer Stimme die frohen Botschaften dieses neuen Tages verkünden.
Der Hüter hofft, dass die deutschen Freunde ihr Bestes tun werden um die Verwirklichung dieser wundervollen Prophezeiung zu beschleunigen.
(Aus Br. i. A. des Hüters v. 15.03.1934)

60 (III)
... Denn diese Drangsale, unter denen die deutsche Bahá'í-Gemeinde so schmerzlich leidet, stellen nur eine Übergangsphase in der Geschichte der Sache in jenem Land dar und werden ganz sicher mehr als aufgewogen durch die unaussprechlich herrlichen geistigen Siege, die, wie von Abdu'l-Bahá versprochen, jene Gemeinde künftig zu erringen bestimmt ist. Die Zusicherung eines solchen wiederholt versprochenen Aufstieges ist zweifellos eine Quelle tiefster Beruhigung, aus der die deutschen Freunde die göttliche Kraft ziehen, die sie nun inmitten ihrer gegenwärtigen Prüfungen und Leiden so machtvoll aufrecht erhält.
(Aus Br. i. A. des Hüters v. 02.05.1939)

66 (II/III)
Die Freunde sollten nicht unnötigerweise beunruhigt sein, sondern ein unerschütterliches Vertrauen in die Zukunft haben, die, wie wir fest überzeugt sind, herrlich strahlend ist. Ebenso wie in der Vergangenheit wird die deutsche Bahá'í-Gemeinde letztlich die Kräfte des Widerstands überwinden und zunichte machen und wird sich aus dem Sturm und der Unruhe der gegenwärtigen Leiden erheben um stärker, reiner und noch bestimmter die ihr vorgeschriebene Aufgabe in der Errichtung der neuen Weltordnung zu erfüllen. Versichern Sie den Gläubigen, dass es keinen Grund zur Besorgnis gibt. Diese Sache ist Gottes und somit in sicheren Händen. (Aus Br. i. A. des Hüters v. 10.12.1937)


BB, S. 899 (übersetzt aus CF; von Shoghi Effendi am 28.07.1954 verfasster Text) (II/III)
... Die Menschheit tritt in die Randbezirke einer höchst gefahrvollen Stufe ihres Daseins. Die Möglichkeiten dieser Stunde sind unerdenklich kostbar ...
Der selbe Materialismus ist von Bahá'u'lláh in Seinen Schriften mit eindeutigen und leidenschaftlichen Worten angeprangert worden. Er verglich ihn mit einer alles verzehrenden Flamme und sah in ihm die Hauptursache der Beschleunigung der schrecklichen Prüfungen und welterschütternden Krisen, die zwangsläufig die Vernichtung von Städten, die Ausbreitung von Terror und Bestürzung in den Herzen der Menschen nach sich ziehen müssen … (vgl. UP, S. 521)
... mit Hilfe einer umwälzenden Änderung der Anschauungen des weißen Durchschnitts-Amerikaners gegenüber seinen schwarzen Mitbürgern eine Situation, so lange es noch Zeit ist, zu bessern, die, wenn man sie weiter treiben lässt, nach den Worten von .Abdu'l-Bahá die Ursache dafür sein wird, dass in den Straßen der amerikanischen Städte Blut fließen wird. Dadurch wird sich die Verwüstung noch steigern, die durch furchtbare, von oben abgeworfenen Vernichtungswaffen, angehäuft von einem erbarmungslosen, wachsamen, mächtigen und hartnäckigen Feinde, über diese Städte gebracht wird ...


UP
S. 299-304 (über Shoghi Effendi; III)
Bis an sein Lebensende machte er ständig die selbe Bemerkung, die auf Worten Bahá'u'lláhs beruht und die er vor dem Krieg so oft angeführt hatte: "Die ferne Zukunft ist sehr strahlend, aber die unmittelbare Zukunft ist sehr dunkel." ...
1947 ... sprach er von der Zukunft: "Da sich die internationale Lage verschlechtert, da es immer trauriger um das Schicksal der Menschheit steht ..."
Weit entfernt davon über den Berg zu sein und unseren Rücken für immer unserer unglücklichen Vergangenheit zukehren zu können, gab es "eine ständig sich vertiefende Krise". Im März 1948 ging er in einer Unterhaltung, die ich in meinem Tagebuch aufgezeichnet habe, noch weiter: "Heute Abend sagte mir Shoghi Effendi einige sehr interessante Dinge: In etwa meinte er, zu behaupten, dass es nicht noch einmal Krieg geben könne, sei im Licht der heutigen Zustände dumm, und zu behaupten, wenn es Krieg gäbe, würde die Atombombe nicht eingesetzt, sei ebenfalls dumm. Deshalb müssen wir annehmen, dass wahrscheinlich ein Krieg kommen und die Atombombe eingesetzt werden wird und es wird eine grauenvolle Zerstörung geben. Aber die Bahá'í werden seiner Ansicht nach daraus hervorgehen und den Kern der zukünftigen Weltzivilisation bilden. Er sagte, es sei nicht richtig zu sagen, die Guten werden mit den Schlechten umkommen ... Er erklärte weiter, es sei falsch zu denken, wie einige Bahá'í es tun, dass die Guten mit den Bösen untergehen ... Er sagte, wir können nur hoffen, dass trotz der schrecklichen Zerstörungen auf geheimnisvolle Weise genug übrig bleiben werden um die Zukunft aufbauen."
Im November des gleichen Jahres munterte er wieder die amerikanischen Gläubigen auf an ihrem Plan festzuhalten: "Da die Drohung noch heftigerer Erschütterungen, die ein sich in Wehen befindendes Zeitalter heimsuchen, wächst und die einer schwierigen weiteren Auseinandersetzung, die dazu bestimmt ist einen entscheidenden und vielleicht Ausschlag gebenden Anteil zur Geburt der neuen Ordnung beizutragen, die das Kommen des Geringeren Friedens ankündigen muss, den internationalen Horizont verdunkeln ... Das Grollen von noch schrecklicheren Katastrophen beunruhigt immer häufiger eine unter schwerem Druck stehende chaotische Welt ..." Im gleichen Moment wies er auf "die sich verschärfende Krise" hin, "die unheilschwanger droht das Gleichgewicht einer politisch erschütterten, wirtschaftlich gespaltenen, sozial verderbten, moralisch verfallenen und geistig dem Tod geweihten Gesellschaft zu stören." Er fuhr fort von dem "warnenden Grollen einer dritten schweren Prüfung" zu sprechen, "welche die östliche und westliche Hemisphäre zu verschlingen droht" und sagte, "die Aussichten für die Welt werden ständig finsterer". Er drängte die Bahá'í, "in die Zukunft zu streben, voll heiteren Vertrauens, dass die Stunde ihrer äußersten Anstrengungen und die beste Gelegenheit für ihre größten Heldentaten mit der apokalyptischen Umwälzung zusammenfallen müssen, die den tiefsten Stand im Geschick der Menschheit kennzeichnet, dem diese sich rasch nähert".
... Er verbindet den heute in der Welt vorherrschenden "krassen" und "krebsartigen Materialismus" mit den Warnungen Bahá'u'lláhs und führt aus, dass Er ihn "mit einer verzehrenden Flamme" verglichen hatte und ihn "als die Hauptursache" ansah "für die Beschleunigung der fürchterlichen Prüfungen und welterschütternden Krisen, die zwangsläufig das Niederbrennen von Städten und die Verbreitung von Terror und die Bestürzung im Herzen der Menschen nach sich ziehen". Shoghi Effendi fährt fort: "Einen Vorgeschmack der Verwüstungen, die dieses verzehrende Feuer über die Welt bringen wird und durch welche die Städte der Nationen eingeäschert werden, die an dieser tragischen, die Welt verschlingenden Auseinandersetzung teilnehmen, hat der letzte Weltkrieg gegeben, der den zweiten Abschnitt der weltumfassenden Verheerungen darstellt, welche die Menschheit, ihres Gottes vergessend und der klaren Warnungen nicht achtend, die von Seinem ernannten Boten für diesen Tag ausgesprochen wurden, leider unausweichlich erleben musste."
Der Brief, in dem diese erschreckenden Voraussagen zum Ausdruck gebracht werden, war an die amerikanischen Bahá'í gerichtet und in ihm weist der Hüter darauf hin, dass die allgemeine Verschlechterung der Lage einer "verwirrten Welt" und die Vermehrung von immer gefährlicheren Waffen, zu der die beiden mit einem Weltwettrüsten befassten Seiten beitragen – "gefangen in einem Wirbel von Furcht, Argwohn und Hass" -, in steigendem Maße ihr eigenes Land in Mitleidenschaft ziehen und zwangsweise dazu führen werden, wenn keine Abhilfe geschaffen wird, "die amerikanische Nation in eine Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes und ungeahnter Folgen für die soziale Struktur, den Standard und die Weltanschauung des amerikanischen Volkes und seiner Regierung hinein zu ziehen ... Die amerikanische Nation befindet sich in der Tat, von welcher Seite man ihr unmittelbares Schicksal auch betrachtet, in ernster Gefahr. Die Sorgen und Nöte, die sie bedrohen, sind teilweise vermeidbar, aber zum größten Teil unausweichlich und von Gott gesandt ..." Er fuhr weiter fort, auf die Veränderungen hin zu weisen, die diese unvermeidbaren Leiden in der "veralteten Lehre absoluter Herrschaft" herbei führen müssen, an die sich seine Regierung und sein Volk noch immer klammern und die so offenbar "im Gegensatz zu den Bedürfnissen einer Welt steht, die bereits zu einer Nachbarschaft zusammengeschrumpft ist und nach Einheit schreit" und durch die diese Nation sich von ihren anachronistischen Auffassungen geläutert und bereit finden wird die große Rolle zu spielen, die Abdu'l-Bahá ihr bei der Errichtung des Geringeren Friedens voraus gesagt hat. Die "brennenden Leiden" der Zukunft werden nicht nur "die amerikanische Nation mit ihren Schwesternationen in beiden Hemisphären verschmelzen", sondern werden sie von "den angesammelten Schlacken reinigen, zu deren Entstehung eingewurzelte rassische Vorurteile, üppig wuchernder Materialismus, weit verbreitete Gottlosigkeit und moralische Laxheit im Verlauf der auf einander folgenden Generationen zusammen wirkten und die sie bis jetzt daran hinderten die Rolle der geistigen Führung der Welt zu übernehmen, die von Abdu'l-Bahás nie irrender Feder voraus gesagt wurde - eine Rolle, die sie durch Kraftanstrengung und Leiden erfüllen muss."
Während des letzten Winters seines Lebens sprach der Hüter, als ob er bereits seines langen Kampfes mit unseren Schwächen und der langen Jahre unaufhörlicher Arbeit und vollkommener Hingabe müde wäre, eindringlicher über dieses Thema als ich es je zuvor gehört hatte. Seine Worte waren nicht nur eine Warnung vor dem, was die Zukunft bringen werde, sondern eine unerbittliche Feststellung des Versagens der Bahá'í - aller im Osten und Westen -, sich in einer ihrer Aufgabe angemessenen Zahl aufzumachen und die Sache Gottes nah und fern in den erschlossenen Gebieten und auf den Inseln des Erdballs zu lehren, so lange noch Zeit ist es zu tun und so durch eine beträchtliche Vermehrung der Anhänger des Glaubens jene geistigen Ansatzpunkte zu bilden, die den am Werk befindlichen Kräften der Zerstörung in der heutigen Gesellschaft Einhalt gebieten und den Nährboden für die künftige Weltordnung darstellen können, von der wir so fest glauben, dass sie aus dem heutigen Chaos hervor gehen kann und muss.
Wir sollten betroffen sein, aber nicht gelähmt. In einem seiner letzten Briefe an einen europäische Nationalen Rat vom August 1957 schrieb sein Sekretär in seinem Auftrag: "Er wünscht nicht, dass die Freunde ängstlich sind oder bei den unangenehmen Möglichkeiten der Zukunft verweilen. Sie müssen die Haltung einnehmen, dass sie, wenn sie ihr Teil tun, ... sich darauf verlassen können, dass Gott das Seine tun und über sie wachen wird." Die Handlungsweise der Bahá'í in dieser Zeit der Weltkrise wurde in einem anderen seiner Briefe zum Ausdruck gebracht, der einen Monat früher durch seinen Sekretär in seinem Auftrag an einen der afrikanischen Nationalen Räte geschrieben wurde: "Da sich die Lage in der Welt wie auch in ihrem Teil ständig verschlechtert, darf von den Freunden keine Zeit verloren werden sich auf höhere Ebenen der Hingabe und des Dienstes und besonders des geistigen Bewusstseins aufzuschwingen. Es ist unsere Pflicht, so viele unserer Mitmenschen wie nur möglich, deren Herzen erleuchtet sind, zu erlösen, bevor eine Katastrophe sie überfällt, von der sie entweder hoffnungslos verschlungen oder aus der sie geläutert und gestärkt und bereit zum Dienen hervorgehen werden. Je mehr Gläubige es gibt, die als Leuchttürme in der Dunkelheit dastehen, wann immer diese Zeit kommt, desto besser; daher die höchste Wichtigkeit der Lehrarbeit in der heutigen Zeit."

S. 518-521 (II/III)
1934 spricht er in einem allgemeinen Brief an die Bahá'í im Westen von "den Zeichen einer unmittelbar bevorstehenden Katastrophe, die stark an den Fall des Römischen Reiches im Westen erinnert und die das ganze Gebäude der Zivilisation zu verschlingen droht." ...
Gegen Ende seines Lebens verweilte Shoghi Effendi noch offener und häufiger bei diesem Thema, wobei er darauf hin wies, dass, obwohl Europa die Wiege einer "gottlosen", "einer hoch gepriesenen, jedoch beklagenswert mangelhaften Kultur" ist, nun die Vereinigten Staaten führend diese Kultur verkörpern und dass ihre Erscheinungsformen in diesem Lande gerade jetzt zu einem zügellosen Materialismus geführt haben, der nun eine Gefahr für die ganze Welt ist. In einem Brief an die Bahá'í der Vereinigten Staaten vom Jahre 1954, der Ausdrücke verwendet, die er nie zuvor benutzt hatte, ... Er betont in diesem Brief, dass das Land, dem die amerikanischen Bahá'í angehören, "eine Krise durchmacht, die in geistiger, moralischer, sozialer und politischer Hinsicht äußerst ernst ist - so ernst, dass sie von einem oberflächlichen Betrachter gefährlich leicht unterschätzt werden kann. ... Es ist der selbe krebsartige Materialismus, der ursprünglich in Europa geboren, dann auf dem amerikanischen Kontinent bis ins Übermaß gesteigert wurde, der die asiatischen Völker angesteckt, seine Unheil verkündenden Fühler nach den Grenzen Afrikas ausgestreckt hat und ihm nun mitten ins Herz dringt, der von Bahá'u'lláh in Seinen Schriften mit eindeutigen und leidenschaftlichen Worten angeprangert worden ist. Er verglich ihn mit einer verzehrenden Flamme und sah in ihm die Hauptursache für die Beschleunigung der schrecklichen Prüfungen und welterschütternden Krisen, die zwangsläufig das Niederbrennen von Städten, die Ausbreitung von Terror und die Bestürzung der Menschenherzen nach sich ziehen müssen." (Vgl. BB, S. 899)

S. 560 (II/III)
"Die jetzige Unruhe der Welt, Symptom einer weltweiten Krankheit, ... muss notwendiger Weise in die Weltkatastrophe einmünden, aus der das Bewusstsein eines Weltbürgertums geboren werden wird, ein Bewusstsein, das allein eine angemessene Grundlage für den Aufbau der Welteinheit bieten kann, von der ein dauernder Weltfriede zwangsläufig abhängen muss, wobei der Friede seinerseits die Weltkultur einleitet, die das Erwachsenen-Stadium der gesamten Menschheit kennzeichnet."

S. 593 (II/III)
"... Materialismus, der das Gefüge der menschlichen Gesellschaft im Osten wie im Westen untergräbt und sich in das Mark der miteinander streitenden Völker und Rassen frisst ... und der leider den größeren Teil der Menschheit in einer allgemeinen katastrophalen Erschütterung zu verschlingen droht".


Handschriftliche Randbemerkung in Shoghi Effendis persischer Handschrift zu einem Brief v. 02.01.1930 (III)

Russland wird in der Zukunft ein erfreuliches (delectable) Paradies werden und die Lehrarbeit wird in diesem Land in beispiellosem Maße (unprecedent scale) durchgeführt (carried out) werden. Das Haus der Andacht - errichtet in seinem innersten Herzen - wird hinaus leuchten mit blendendem Glanz und der Ruf des Größten Namens wird widerhallen in seinen Tempeln, seinen Kirchen und seinen Andachtsstätten. Wir müssen weiter Geduld und Nachsicht (patience and forbearance) zeigen. In diesen momentanen Krämpfen (convulsions) liegen beschlossen mächtige und vollendete (consummate) Mysterien, welche den Augen der Menschen in kommenden Tagen offenbart werden.
(Es folgt das Original-Zitat:)
Russia will in the future become a delectable paradise, and the teaching work in that land will be carried out on an unprecedented scale. The House of Worship established in its very heart will shine forth with dazzling splendour, and the call of the Most Great Name will reverberate in its temples, its churches, and its places of worship. We need to show forth patience and forbearance. In these momentous convulsions there lie concealed mighty and consummate mysteries, which will be revealed to men’s eyes in the days to come.


Das Jahrhundert des Lichts, hrsg. v. UHG, Hofheim-Langenhain 2003

S. 157 (Zitat übersetzt aus Bahá'í News, Nr. 73, Wilmette, Mai 1933, p. 7) (II)
Mit der Herausbildung einer internationalen Jugendkultur in den späten sechziger und den siebziger Jahren konnten Gläubige, die in den Bereichen Musik, Theater und Kunst begabt waren, zeigen, was Shoghi Effendi gemeint hatte, als er sagte: "An jenem Tag wird die Sache Gottes sich wie ein Lauffeuer verbreiten, wenn ihr Geist und ihre Lehren auf der Bühne oder in der Kunst und Literatur dargestellt werden."

S. 205 (II)
Das Internet - das in Sekunden den Inhalt ganzer Bibliotheken übertragen kann, die zusammenzustellen es Jahrhunderte gebraucht hatte - bereichert das intellektuelle Leben eines jeden, der es zu benutzen weiß, ganz beträchtlich und bietet außerdem die Möglichkeit gut fundierter Ausbildung in einer breiten Palette von Berufen. Dieses System, das Shoghi Effendi sechzig Jahre zuvor so prophetisch voraus gesehen hatte, schafft unter seinen Nutzern ein Gefühl von Gemeinschaft, das keinen Raum mehr lässt für geografische Entfernungen oder kulturellen Abstand.

S. 207 (II/III)
Allein schon die wirtschaftlichen Statistiken zeigen ein Bild der auf der Welt herrschenden Bedingungen, das zutiefst beunruhigt. Die immer breiter werdende Kluft zwischen dem Fünftel der Weltbevölkerung, das in den Ländern mit dem höchsten Einkommen lebt, und dem Fünftel, das in den Ländern mit dem niedrigsten Einkommen lebt, illustriert das schonungslos. ... Das Problem ist noch lange nicht unter Kontrolle, sondern spitzt sich eindeutig zu. Was das für die Zukunft der Menschheit bedeutet - Not und Verzweiflung, die über zwei Drittel der Erdbevölkerung erfassen -, lässt das Desinteresse am Milleniumsgipfel und der dort gefeierten Errungenschaften verstehen, obwohl sie eigentlich unter jedem vernünftigen Gesichtspunkt als historisch anzusehen sind.

S. 213f. (II/III)
Shoghi Effendi beschreibt diesen Prozess der Einigung der Welt als den "Größeren Plan" Gottes, der sich weiter entfalten und an Stärke und Schubkraft zunehmen wird, bis die Menschheit in einer globalen Gesellschaft vereint ist, die den Krieg geächtet und die Verantwortung für ihr gemeinsames Schicksal übernommen hat. Die Kämpfe des zwanzigsten Jahrhunderts haben den für die göttliche Absicht notwendigen grundlegenden Richtungswandel bewirkt. Dieser Richtungswandel ist unumkehrbar. Es gibt keinen Weg zurück zum früheren Stand der Dinge, so sehr Einige von Zeit zu Zeit auch versucht sein mögen, einen solchen zu suchen.
Die Bedeutung dieses historischen Durchbruchs wird keineswegs dadurch geschmälert, dass der Prozess gerade erst begonnen hat. Zu gegebener Zeit, so erklärte Shoghi Effendi, muss er zur Vergeistigung des menschlichen Bewusstseins führen und zur Entstehung einer Weltkultur, die den Willen Gottes verkörpert. Allein schon, indem man das Ziel nennt, räumt man ein, dass der Weg, den die Menschheit bis dorthin noch zurücklegen muss, weit ist. Der Wandel im Denken sowie die politischen und sozialen Veränderungen der letzten hundert Jahre wurden gegen den erbitterten Widerstand aller Gesellschaftsgruppen, Herrscher und Beherrschte gleichermaßen, erreicht. Im Grunde waren unermessliche Leiden der dafür zu zahlende Preis. Man muss davon ausgehen, dass die kommenden Herausforderungen einen noch höheren Preis von einer Menschheit fordern, die sich mit aller Macht gegen den geistigen Gehalt der Erfahrung, die sie durchlebt, verschließt. Shoghi Effendis Worte über die Folgen solcher Verstocktheit von Herz und Verstand lesen sich ernüchternd:
(Es folgt an dieser Stelle das Zitat aus WOB, S. 281; s. o.)
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Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden Verfasst am: 28.11.2007, 13:01
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