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Das Leben in Bahji; Begegnung E. G. Browns mit Baha'u'llah

Das Leben in Bahjí

Hatte Er in den früheren Jahren Seiner Leiden gezeigt, wie man Gott in einem Zustande der Armut und Schmach verherrlichen kann, so zeigte Bahá'u'lláh in Seinen späteren Jahren in Bahjí, wie Gott in Zeiten der Ehre und des Wohlstandes zu verherrlichen ist. Die Gaben von Hunderttausenden Seiner ergebenen Anhänger stellten große Beträge zu Seiner Verfügung, um deren Verwaltung Er gebeten wurde. Obgleich Sein Leben in Bahjí als wirklich königlich im höchsten Sinne des Wortes beschrieben worden ist, darf man doch darunter nicht verstehen, daß Sein Leben durch äußerlichen Prunk oder durch Verschwendung gekennzeichnet war. Die Gesegnete Vollkommenheit und Seine Familie lebten auf sehr einfache und bescheidene Art, und Ausgaben für eigenen Luxus waren etwas, was man in Seinem Haushalt nicht kannte. Nahe bei Seinem Haus legten die Gläubigen einen schönen Garten mit Namen Ridván an, in welchem Er oft mehrere Tage und selbst Wochen zubrachte, wobei Er des Nachts in einem Landhäuschen inmitten des Gartens schlief. Gelegentlich ging Er auch über Land. Er besuchte öfters 'Akká und Haifa, und mehr denn einmal hat Er Sein Zelt auf dem Berge Karmel errichtet, wie Er vorausgesagt hatte, als Er noch in der Kaserne von 'Akká eingekerkert war. Bahá'u'lláh verbrachte die meiste Zeit in Gebet und Andacht, mit der Niederschrift der heiligen Bücher, mit Offenbaren von Tablets und mit der geistigen Erziehung der Freunde. Um Ihm vollständige Freiheit für Sein großes Werk zu geben, übernahm 'Abdu'l-Bahá alle andern Geschäfte selbst, sogar den Besuch der Mullás, der Dichter und der Mitglieder der Regierung. Alle diese Leute waren entzückt und beglückt vom Zusammensein mit 'Abdu'l-Bahá, und waren völlig zufriedengestellt durch Seine Erklärungen und die Unterhaltung mit Ihm, und obgleich sie Bahá'u'lláh selbst nicht gesehen hatten, waren sie voll freudiger Gefühle für Ihn durch die Begegnung mit Seinem Sohn, da die Haltung von 'Abdu'l-Bahá ihnen ebenfalls volles Verständnis für die Stufe Seines Vaters übermittelte.

Der hervorragende Orientalist, Professor Edward G. Browne von der Universität in Cambridge, besuchte Bahá'u'lláh im Jahre 1890 in Bahjí und schrieb seine Eindrücke wie folgt nieder:

»Mein Führer stand einen Augenblick stille, während ich meine Schuhe ablegte. Mit einem raschen Griff zog er den Vorhang zurück, und ich betrat ein großes Zimmer, an dessen oberem Ende ein Diwan und der Türe gegenüber zwei oder drei Stühle standen. Obschon ich dunkel ahnte, wohin ich jetzt ging, und wen ich sehen sollte (eine bestimmte Andeutung war mir nicht gemacht worden), stand ich doch einige Sekunden mit Herzklopfen und voll Ehrfurcht da, bevor ich mir endlich bewußt wurde, daß der Raum nicht leer war. In der Ecke, wo der Diwan an die Wand stieß, saß eine hoheitsvolle, ehrwürdige Gestalt mit jener Kopfbedeckung, wie sie bei den Derwischen Táj genannt wird (aber von ungewöhnlicher Höhe und Form), und um deren unteren Teil ein kleiner weißer Turban gewunden war. Das Antlitz, in das ich nun blickte, kann ich nie vergessen, obgleich ich nicht imstande bin, es zu beschreiben. Diese durchdringenden Augen schienen auf dem Grunde der Seele zu lesen. Macht und Würde lagen über diesen breiten Augenbrauen; die tiefen Falten auf Seiner Stirne und Seinem Gesicht verrieten ein Alter, das Sein tiefschwarzes Haar und der in üppiger Fülle bis zur Leibesmitte herabwallende Bart Lügen zu strafen schienen. Unnötig zu fragen, in wessen Gegenwart ich stand, als ich mich vor Dem verneigte, Der das Ziel einer Verehrung und Liebe ist, um die Ihn Könige beneiden könnten und nach der sich Kaiser vergeblich sehnen.«

»Eine milde, würdevolle Stimme bat mich, Platz zu nehmen, und sprach sodann:«

»`Gelobt sei Gott, daß du es erreicht hast! ... Du bist gekommen, um einen Gefangenen und Verbannten zu sehen ... Wir wünschen nur das Wohl der Welt und das Glück der Völker; dennoch hält man Uns für Anstifter von Streit und Aufruhr, die Gefangenschaft und Verbannung verdienen ... Wir wünschen, daß alle Völker in einem Glauben vereint und alle Menschen Brüder werden; daß das Band der Liebe und Einigkeit zwischen den Menschenkindern gestärkt werde; daß Religionsverschiedenheit aufhöre und die Unterschiede, welche zwischen den Rassen gemacht werden, aufhören - was ist nun Schlimmes hieran? ... Aber trotz all dem wird es dahin kommen; diese fruchtlosen Kämpfe, diese zerstörenden Kriege werden aufhören und der 'Größte Friede' wird kommen ... Habt ihr dies in Europa nicht auch nötig? Ist dies nicht das, was Christus verhieß? ... Aber dennoch sehen Wir eure Könige und Regenten die Schätze ihrer Länder mehr auf die Zerstörung der menschlichen Rasse verschwenden als darauf, was zum Glück der Menschheit führen würde ... Diese Kämpfe, dieses Blutvergießen und diese Zwietracht müssen aufhören, alle Menschen müssen sein, also ob sie einem Geschlecht und einer Familie angehörten. Es rühme sich kein Mensch dessen, daß er sein Land liebt, sondern eher dessen, daß er das ganze Menschengeschlecht liebt ...`«

»Solcher Art waren, soweit ich sie aus dem Gedächtnis wiedergeben kann, die Worte, die ich, neben vielen anderen, von Bahá hörte. Mögen die, die sie lesen, sie gut daraufhin ansehen, ob solche Lehren Tod und Ketten verdienen, und ob die Welt von ihrer Verbreitung nicht vielleicht mehr gewinnen als verlieren würde.«
¹

¹ A Traveller's Narrative, Einleitung, S. XXXIX
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Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden Verfasst am: 24.11.2007, 12:03
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