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Das Verhör in Tabriz

Das Verhör in Tabriz

Das denkwürdige Verhör in Tabriz war Resultat der "unheilvollen, bedrohlichen Situation", die der Báb nach Ansicht der Geistlichkeit in der Stadt hervorrief.

Hájí Mírzá Áqásí, der persische Premierminister und einer der erbittertsten Gegner des Báb, gab Befehl für eine sofortige Versammlung aller geistlichen Würdenträger der Stadt, um den Báb vor Gericht zu stellen und wirksame Maßnahmen gegen ihn zu ergreifen, die auch Seinen großen Einfluss unterbinden sollten. Viele von ihnen waren bekannte und hervorragende Doktoren der islamischen Theologie.

Der Eingang zum Saal, in dem der Báb verhört werden sollte, war unterdessen von einer großen Menschenmenge belagert.
Als der Báb hereinkam, sah Er, dass alle Sitze in dem Saal belegt waren bis auf einen, der einem der Würdentrager vorbehalten war. Er begrüßte die Versammlung und nahm, ohne im geringsten zu zögern, diesen freien Sitz ein. Seine majestätische Haltung, seine überwältigende Zuversicht, vor allem aber die geistige Macht, die Sein ganzes Wesen ausstrahlte, schien den Empfängern Seines Grußes für einen Augenblick die Seele aus dem Leib getrieben zu haben. Keiner in der Versammlung wagte auch nur ein einziges Wort zu sagen. Schließlich brach einer der Verhörenden das auf alle lastende Schweigen. "Wer behauptest du zu sein?", fragte er den Báb und, "welche Botschaft bringst du?"

"Ich bin", rief der Báb dreimal, "Ich bin, Ich bin der Verheißene! Ich bin Der, Dessen Namen ihr seit tausend Jahren anrufet, bei Dessen Erwähnung ihr euch erhebt, Dessen Kommen erleben ihr ersehnt und um Dessen Offenbarung ihr Gott bittet, dass Er ihre Stunde beschleunige. Wahrlich, Ich sage, es obliegt den Völkern des Ostens wie des Westens, Meinem Wort zu gehorchen und Mir Treue zu geloben."

Keiner wagte zu antworten bis auf Mullá Muhammad, ein Führer der Shaykhi-Gemeinde.
"Du elender, unreifer Bursche aus Shiráz! Du hast schon den Iráq erschüttert und unterwühlt, willst du jetzt in Adhirbáyján denselben Aufruhr stiften?"
"Euer Ehrwürden", erwiderte der Báb, "Ich bin nicht freiwillig hierher gekommen. Ich bin hierher befohlen worden."
"Halt den Mund!" fuhr ihn Mullá Muhammad wütend an, "du falscher, gemeiner Anhänger des Satans!"
"Euer Ehrwürden", antwortete der Báb wiederum, "Ich halte aufrecht, was Ich erklärt habe."

Ein anderer hielt es für das beste, die Sendung des Báb öffentlich in Frage zu stellen. "Der Anspruch, den du geltend machst", sagte er, "ist erstaunlich; er muss unbedingt durch unwiderlegliche Beweise gestützt werden."
Der Báb antwortete: "Der mächtigste, der überzeugendste Beweis für die Wahrheit der Sendung des Prohpeten Gottes ist anerkanntermaßen Sein eigenes Wort. Er selbst bezeugt diese Wahrheit: "Genügt ihnen nicht, dass Wir Dir das Buch herabgesandt haben?" (Qur'án 29:51)
"Gott gab Mir die Macht, diesen Beweis zu erbringen. Ich erkläre Mich imstande, binnen zwei Tagen und zwei Nächten Verse zu offenbaren, deren Zahl dem Umfang des ganzen Qur'án entspricht."

Die Versammlung nahm das Angebot an. "Wenn du die Wahrheit sprichst, dann schildere mündlich, in einer Sprache, die in ihrem Stil den Versen des Qur'áns gleicht, das Verfahren dieser Versammlung."

Der Báb ging bereitwillig auf diesen Wunsch ein. Doch kaum die Worte gesprochen: "Im Namen Gottes, des Barmherzigen, des Mitleidigen, Preis sei Ihm, der Himmel und Erde erschaffen hat!", unterbrach Ihn einer und wies Ihn auf die Verletzung einer grammatikalischen Regel hin.
"Dieser unser selbsternannter Qá'im", schrie er dünkelhaft und höhnisch, "hat gleich zu Beginn seiner Rede seine Unkenntnis der grammatikalischen Grundregeln bewiesen!"
"Der Qur'án selbst", machte der Báb geltend, "hält sich keineswegs an die dem Menschen geläufigen Regeln und Gepflogenheiten. Das Wort Gottes kann niemals den Begrenzungen Seiner Geschöpfe unterworfen sein. Nein, die Regeln und Vorschriften, welche sich die Menschen zu eigen gemacht haben, sind von dem Text der Worte Gottes abgeleitet und beruhen auf Ihm. Die Menschen haben gerade in den Texten dieses heiligen Buches nicht weniger als dreihundert grammatikalische Fehler entdeckt, deren du einen jetzt kritisierst. Da es aber das Wort Gottes ist, haben sie keine andere Wahl, als sich Seinem Willen zu fügen."
Dann wiederholte Er dieselben Worte, die Er gesprochen hatte, worauf Mullá Muhammad wiederum dieselben Einwände erhob. Bald darauf wagte ein anderer, dem Báb folgende Frage zu stellen: "Zu welcher Zeitform gehört das Wort Ishartanná?" Als Antwort zitierte ihm der Báb folgenden Qur'án Vers: "Fern sei der Herrlichkeit deines Herrn, des Herrn aller Größe, was sie ihm zuschreiben, und Friede sei auf Seinen Gesandten! Und Preis sei Gott dem Herrn aller Welten!" Darauf erhob Er sich und verließ die Versammlung.


zitiert aus Nabils Bericht (2), S. 343 ff.

Zu beachten ist auch, dass dies muslimische Berichte sind. Tatsächlich könnte das Verhör auch anders verlaufen sein.
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Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden Verfasst am: 22.11.2007, 13:52
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