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Erklärung eines Verses aus dem Buch Aqdas

ERKLÄRUNG DES VERSES AUS DEM BUCHE AQDAS:

"KEINER KOMMT DEM AUFGANGSPUNKT DES BEFEHLS IN DER HÖCHSTEN REINHEIT GLEICH"

In dem heiligen Vers heißt es: "Keiner kommt dem Aufgangspunkt des Befehls¹ in der höchsten Reinheit gleich. Er ist in Wahrheit der Offenbarer der Worte `Er tut, was Er will` im Reiche der Schöpfung. Gott hat fürwahr diese Stufe für Sich Selbst vorbehalten und hat niemandem einen Anteil an dieser heiligen Seinsweise gelassen."²

¹ Das heißt: dem Offenbarer des göttlichen Befehls.

² Das Buch Aqdas ist das "Heiligste Buch", das Hauptwerk Bahá'u'lláhs, das den Hauptteil der Gesetze enthält. Es ist die Grundlage der Bahá'í-Prinzipien.

Wisse, daß es zwei Arten von Reinheit gibt, angeborene und erworbene Reinheit. Ebenso gibt es angeborenes und erworbenes Wissen; so ist es auch mit anderen Bezeichnungen und Eigenschaften. Angeborene Reinheit ist ausschließlich dem allumfassenden Offenbarer eigen, denn sie ist seine Wesensbedingung, und eine Wesensbedingung kann nicht von der Sache selbst getrennt werden. Die Strahlen sind die Wesensnotwendigkeit der Sonne und können nicht von ihr getrennt werden. Wissen ist eine Wesensnotwendigkeit Gottes und ist untrennbar von Ihm. Macht ist eine Wesensnotwendigkeit Gottes und ist untrennbar von Ihm. Wenn sie von Ihm geschieden werden könnte, wäre Er nicht Gott. Könnten die Strahlen von der Sonne gelöst werden, wäre sie nicht die Sonne. Wenn man sich daher die Trennung der höchsten Reinheit von dem allumfassenden Offenbarer vorstellte, wäre Er nicht die universale Manifestation, und es fehlten Ihm die wesensnotwendigen Vollkommenheiten.

Erworbene Reinheit aber ist keine Naturnotwendigkeit, sie ist vielmehr ein Strahl aus der Fülle der Reinheit, die von der Sonne der Wahrheit auf die Herzen scheint und den Menschenseelen einen Teil dieser Fülle gewährt. Obwohl diese Seelen nicht die angeborene Reinheit besitzen, so stehen sie doch unter dem Schutz Gottes, das heißt, Gott bewahrt sie vor Sünde. So wurden viele heilige Menschen, die nicht Aufgangspunkte der höchsten Reinheit waren, unter dem Schirm des Schutzes und der Obhut Gottes vor der Sünde bewahrt und behütet; denn sie waren die Mittler der Gnade zwischen Gott und den Menschen. Hätte Gott sie nicht vor Irrtum bewahrt, so hätte ihr Irren bewirkt, daß andere Gläubige auch dem Irrtum verfallen wären; so würde die Grundlage der Religion Gottes umgestürzt, was Gottes weder würdig noch angemessen wäre.

#171

Zusammengefaßt: Die angeborene Reinheit ist nur den allumfassenden Offenbarern zu eigen, die erworbene Reinheit wird jeder heiligen Seele verliehen. Wenn zum Beispiel das Universale Haus der Gerechtigkeit¹ unter den notwendigen Voraussetzungen - mit Mitgliedern, die von allen Völkern gewählt sind - gebildet wird, dann wird es unter dem Schutz und der Obhut Gottes stehen. Wenn dieses Haus der Gerechtigkeit einstimmig oder durch Stimmenmehrheit über eine Frage entscheidet, die nicht im Buch² erwähnt ist, wird diese Entscheidung, sein Beschluß, vom Irrtum bewahrt sein. Die einzelnen Mitglieder des Hauses der Gerechtigkeit besitzen nun keine angeborene Fehlerlosigkeit, aber die Körperschaft des Hauses der Gerechtigkeit steht unter dem Schutz Gottes. Das wird verliehene Unfehlbarkeit genannt.

¹ Baitu'l-'Adl ist das "Haus der Gerechtigkeit", eine Einrichtung, die von Bahá'u'lláh für die Verwaltung der zukünftigen Städte vorgesehen ist. Das Nationale Haus der Gerechtigkeit wird die Gesetze für die Nation geben, und das Universale Haus der Gerechtigkeit ist für die ganze Welt da.

² Kitáb-i-Aqdas, das "Heiligste Buch" der Gesetze Bahá'u'lláhs

Nun ist gesagt, daß der "Aufgangspunkt des Befehls" die Offenbarung der Worte "Er tut, was Er will" ist; diese Eigenschaft ist ausschließlich jenem heiligen Wesen zu eigen, und andere haben keinen Anteil an dieser angeborenen Vollkommenheit. Das heißt, weil die allumfassenden Offenbarer zweifellos die angeborene Reinheit besitzen, darum ist, was immer von ihnen ausgeht, die reine Wahrheit und stimmt mit den Tatsachen überein. Sie stehen nicht unter den früheren Gesetzen. Was immer sie sagen, ist Gottes Wort, und was sie tun, ist richtig vollbracht. Kein Gläubiger hat das Recht, Kritik zu üben; Seine Stufe muß eine Lebensform der reinen Ergebenheit sein; denn der Offenbarer erscheint mit vollendeter Weisheit.

#172

Was immer die universale Manifestation sagt und tut, ist reine Weisheit und in Übereinstimmung mit der Wirklichkeit. Wenn manche Leute das verborgene Geheimnis einer Ihrer Anordnungen und Handlungen nicht verstehen, so sollten sie sich nicht dagegen auflehnen, denn der allumfassende Offenbarer tut, was Er will. Wie oft geschah es, daß von einem weisen, vollkommenen und klugen Menschen etwas getan wurde, dessen Weisheit die anderen nicht erkennen konnten; sie erhoben deshalb Einspruch und wunderten sich, daß dieser weise Mann so etwas sagen oder tun konnte. Dieser Widerstand kommt von ihrer Unwissenheit, die Klugkeit des Weisen aber ist rein und frei von Sünde. Auch der erfahrene Arzt "tut, was er will" bei der Behandlung des Kranken, und dieser hat kein Recht, Einspruch zu erheben, denn was immer der Arzt sagt und tut, ist recht; alle sollten ihn als die Offenbarung der Worte "Er tut, was Er will, und befiehlt, was Er wünscht" ansehen, zweifellos wird der Arzt im Gegensatz zur Meinung anderer Leute Arznei verwenden; Widerspruch aber ist denjenigen, die nicht den Vorteil der Wissenschaft und der ärztlichen Kunst haben, nicht gestattet. Nein, bei Gott, alle sollten vielmehr gehorchen und tun, was der erfahrene Arzt sagt. Denn der geschickte Arzt "tut, was er will", und die Patienten haben an diesem Recht nicht teil. Der Geschicklichkeit des Arztes muß man sich zuerst vergewissern, aber wenn sie einmal festgestellt ist, "tut er, was er will".

Auch wenn ein Heerführer sich in der Kriegskunst ausgezeichnet hat, so "tut er, was er will" in allem, was er spricht und befiehlt. Wenn der Kapitän eines Schiffes die Navigationskunst beherrscht, so "tut er, was er will" in allem, was er sagt und anordnet; und weil der wahre Erzieher der vollkommene Mensch ist, so "tut Er, was Er will" in allem, was Er ausspricht und wünscht.

Kurz, die Bedeutung von "Er tut, was Er will" ist die, daß Gläubige, die nicht die Weisheit dessen verstehen, was der Offenbarer sagt, anordnet oder vollbringt, dies trotzdem auch nicht mit einem einzigen Gedanken bekämpfen sollten, indem sie zu erfahren trachten, warum Er dieses gesagt oder jenes getan habe. Die anderen Seelen, die unter dem Schutz des allumfassenden Offenbarers leben, unterwerfen sich den Geboten des göttlichen Gesetzes und dürfen nicht um Haaresbreite von ihnen abweichen; sie müssen ihre Taten und Worte nach dem Gesetz Gottes richten. Wenn sie von ihm abweichen, werden sie in Gottes Gegenwart zur Verantwortung und Rechenschaft gezogen. Es ist sicher, daß sie keinen Anteil an der Erlaubnis "Er tut, was Er will" haben, denn dieses Recht ist ausschließlich den allumfassenden Offenbarern vorbehalten.

#173

So war Christus - möge Mein Leben ein Opfer für Ihn sein! - der Aufgangspunkt für das Wort: "Er tut, was Er will." Die Jünger jedoch hatten keinen Teil an dieser Stufe, denn sie standen im Schatten Christi, und sie durften nicht gegen Seinen Willen und Befehl handeln.





#174
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Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden Verfasst am: 19.11.2007, 19:14
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