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ERLÄUTERUNGEN
Die folgenden Erläuterungen sollen das Verständnis der Texte erleichtern. Es liegt jedoch im Wesen des göttlichen Wortes, daß Erläuterungen keinesfalls alle Aspekte und Bedeutungen behandeln können: »Wir sprechen ein Wort und meinen damit einundsiebzig Bedeutungen" ( Bahá'u'lláh, IQÁN S.168)
Abdu'l-Bahá: Sohn Bahá'u'lláhs, Mittelpunkt des Bündnisses, autorisierter Ausleger Seiner Schriften und vollkommenes Beispiel Seines Glaubens; lebte von 1844-1921 (Literatur: Hasan Balyuzi, 'Abdu'l-Bahá, Hofheim-Langenhain 1982)
Abjad: Bezeichnung des arabischen Alphabets, nach seinen Anfangsbuchstaben A, B, J, D... genannt. Die einzelnen Buchstaben haben, wie in vielen Kulturen des Altertums, Zahlenwerte, so daß Worte und Namen einen Zahlenwert ergeben können. Beispiel: Imám 'Alí prophezeite, daß der Verheißene im Jahre »Ghars« (arab. Pflanzung) erscheinen wird. Gh = 1000, a (das kurze a wird im Arabischen nicht geschrieben und zählt nicht), r = 200, s = 60. Die Summe der Zahlenwerte der Buchstaben dieses Wortes ergibt 1260, das Jahr nach der Hijra, in dem der Báb Sich erklärte (vgl. Nabil, S. 83 ).
'Ád: ein mächtiger und reicher Volksstamm, der kurze Zeit nach Noah in Arabien lebte und wie der Stamm Thamúd seiner Götzenanbetung wegen vernichtet wurde ( vgl. Qur'án 7:66, 7:74, 9:70, 11:50, 11:59-60, 14:9, 22:42, 26:123, 38:12, 40:31, 41:13, 41:15, 46:21, 50:13, 51:41, 54:18, 69:4, 69:6, 89:6, -> Húd)
Afná: arab. »Zweig«, bezeichnet einen Verwandten des Báb. Nicht zu verwechseln mit Ghusn (Mehrzahl Aghsán), das auch mit »Zweig« übersetzt wird und die Nachkommen Bahá'u'lláhs bezeichnet.
Aghsán : - Afnán
'Alí-Muhammad: der Báb
Aqdas: siehe Kitáb-i-Aqdas
Arche: siehe Rote Arche
'Akká: Stadt im Heiligen Land, am Nordende der Bucht von Haifa gelegen. Seit dem zweiten Jahrtausend v.Chr. bezeugt, vielfach in Schriften der Bibel erwähnt (etwa Hes. 43:1-2; Hos. 2:17), im Qur'án angedeutet und in islámischen Traditionen im Zusammenhang mit dem Erscheinen Bahá'u'lláhs genannt (vgl. Shoghi Effendi, Gott geht vorüber, S. 209 ff, Bahá'u'lláh, Brief an den Sohn des Wolfes, S. 151 ff), war in phönizischer und römischer Zeit Handelszentrum, im 13. Jh. Hauptstadt des Königreiches Jerusalem der Kreuzfahrer, im 18. Jh. zu einer türkischen Gefängniskolonie herabgesunken. Bahá'u'lláh, vom türkischen Sultán nach 'Akká verbannt und in der Zitadelle eingekerkert, traf dort am 31. August 1868 ein ( - Größtes Gefängnis).
Auferstehung: Die Bezeichnungen »Tag der Auferstehung« und »Tag des Gerichts« werden gleichbedeutend gebraucht; sie dürfen nicht materiell verstanden werden. Der Báb erklärt zu diesem Begriff: »... mit dem Tag der Auferstehung ist die Zeit gemeint von der Erscheinung Dessen, Der der Baum göttlicher Wirklichkeit ist - in welcher Epoche und unter welchem Namen es auch sei - bis zur Stunde Seines Scheidens« (Pers. Bayán 2:7 = Selections from the Writings of The Báb, S. 106 ff. Vgl. auch Jes. 26 :19; Dan. 12:13 ; Joh. 5:29; 11:25; Offb. 20:5-6; Qur'án 4:88; 20:102; 20:125; 39:68; 50:43; Pers. Bayán 2:1 (Sel. 109); 2:6 (Sel. 102); 2:9; 2:11; 2:12; 7:9 (Sel. 92); 8:1 (Sel. 97 ff); 8:3; 8:9 (Sel. 78 ff); 9:3 (Sel.110ff); 9:10 ); Sel. 99 ); Kitáb-i-Iqán, S. 59 ff, 82-85, 99-101, 124, 136; Ährenlese 14:10; 17:4; 28:1; 43:8; 113:24 (dazu Qur'án 20:56 und Shoghi Effendi, Bahá'í News April 1939, Nr. 124, S. 6 = Directives from the Guardian, Nr. 174; Shoghi Effendi, Dawn of a New Day, S. 79).
Báb: wörtlich: »das Tor«, Würdenamen des Stifters der Bábí-Religion, 'Alí-Muhammad aus Shiráz (20. Okt. 1819 - 9. Juli 1850 ). Der Báb, ein Siyyid (Nachkomme des Propheten), war der Vorläufer und Herold Bahá'u'lláhs, in dessen Religion die Bábí-Religion später aufging (vgl. Shoghi Effendi, Die Weltordnung Bahá'u'lláhs, S. 181-189; ders. Gott geht vorüber, S. XXI - 96 ; H.M. Balyuzi, The Báb).
Bahá arab. »Herrlichkeit«, »Ruhm«, »Glanz«, »Licht«, Titel Bahá'u'lláhs seit der Konferenz von Badasht (vgl. Nabil, Bd. 2, S. 323 ; Shoghi Effendi, Gott geht vorüber, p.35i. Der Báb nennt Bahá im Persischen Bayán »den besten Namen«; von Seiner Hand stammt eine Zusammenstellung von dreihundertsechzig Ableitungen des Wortes Bahá, die Er in Form eines Pentagramms angeordnet hat (Shoghi Effendi, Gott geht vorüber, S. 76 ).
Baum: - Sadrat
Bayán: arab. »Erklärung«, »Äußerung«. Der Báb hat zwei Werke mit dem Namen »Bayán« offenbart, den Persischen und den Arabischen Bayán. Das wichtigere Werk ist der Persische Bayán. Er enthält neben Gesetzen zahllose Hinweise auf das Kommen des Verheißenen (auszugsweise übersetzt in Selections from the Writings of the Báb ). Das Wort wurde vom Báb auch als Bezeichnung für Seine Sendung, vor allem Seine Bücher, benutzt.
Böse: »Die Anspielungen in den Bahá'í-Schriften auf `Satan` oder `den Bösen` sind symbolisch und bedeuten nicht, daß der Teufel als Person existiert; sie symbolisieren die niedere Natur des Menschen, wie etwa die selbstsüchtigen Einflüsterungen des Ich. Bisweilen werden sie auch als Symbol für die Machenschaften der Bündnisbrecher oder den Geist des Bündnisbruchs gebraucht... « (Aus einem Brief des Universalen Hauses der Gerechtigkeit vom 23. März 1975 an einen Gläubigen. Vgl. dazu auch Beantwortete Fragen, Kap. 74, p.255ff
Edirne : siehe Erläuterung im IQAN
Feder: arab. Qalam. Häufiger Begriff in den Schriften Bahá'u'lláhs, dem verheißen ist: »Wir werden Dich durch Dich selbst und Deine Feder siegreich machen« (Brief an den Sohn des Wolfes, S. 34). Bahá'u'lláh verwendete diesen Begriff unterschiedlich, Er identifizierte ihn beispielsweise mit Sich selbst (Áthár VII, 256), offenbart Verse in Form eines Zwiegesprächs mit ihm (Feuer-Tablet, Ridván-Tablet, Ährenlese Kap. 14) oder, seine proklamatorische Bedeutung hervorhebend, identifiziert Er ihn mit der - »Posaune« (Kalimát-i-Firdawsiyyih). Er offenbarte auch eine »Sure des Qalam«. Der Begriff »Qalam« ist ein alter Fachausdruck der heiligen und sonstigen religiösen Literatur. Die 68. Sure des Qur'án heißt »Sure des Qalam«; Qur'án 96:4 sagt, daß Gott mit der »Feder« lehrt. Im Islám verstand man darunter das erste Geschöpf Gottes, u.a. auch das Wesen des Gottesoffenbarers.
Frieden: Bahá'u'lláh unterscheidet zwischen dem Geringeren und dem Größten Frieden (Sendschreiben an Königin Viktoria, Ährenlese 11 9 :3 ). Den Geringeren Frieden kennzeichnen die Überwindung des Krieges als Mittel der Politik und die politische Vereinigung der Welt. Der Größte Friede ist die Frucht, das Resultat der uneingeschränkten Geltung des göttlichen Gesetzes auf Erden (vgl. Shoghi Effendi, Weltordnung, S. 231 f, 225 f; ders. Der verheißene Tag, S. 186 f; Botschaften des Universalen Hauses der Gerechtigkeit, S. 79 ).
Größtes Gefängnis: die Zitadelle von 'Akká (vgl. Shoghi Effendi, Gott geht vorüber, S. 210). Bahá'u'lláh war etwas über zwei Jahre dort eingekerkert. 'Akká bzw. das Größte Gefängnis werden in den Schriften Bahá'u'lláhs mit verschiedenen Namen bezeichnet. Vgl. hierzu folgende Texte: »... an diesem Ort, der `der Höchste Horizont` im Buche der Namen, `das Letzte Ziel` auf der grünen Insel, `der Himmel dieses Himmels` von Meiner Herrlichsten Feder und `das Größte Gefängnis` im Reiche der Schöpfung genannt wurde.« »Dies ist ein Ort, der mit den schönsten Namen im Buche Gottes, dem Schöpfer des Himmels, erwähnt wurde. Einmal wurde er `das Größte Gefängnis`, ein andermal `der Höchste Ort`, `das Höchste Paradies` und an einer anderen Stelle `Himmel dieses Himmels` genannt.« »Diese Erde, die `der Rote Ort` unter dem Volk der Namen und `Himmel dieses Himmels` von Meiner Höchsten Feder genannt wurde« (Má'ideh, VIII, 149-155).
Größter Name: - Bahá (arab. Herrlichkeit) ist der Größte Name (arab. : Al-ismu'l-a'zam ) Gottes, der bis zu seiner Offenbarung der verborgene, aufbewahrte und von Mystikern und Heiligen früherer Religionen gesuchte Name Gottes. Er ist der Name Bahá'u'lláhs, bezeichnet auch die Grußformel Allah-u-Abhá ( Gott ist der Allherrlichste ), die in der Zeit des Exils in Adrianopel die alte Grußformel Allah-u-Akbar (Gott ist der Große) ablöste (Shoghi Effendi, Gott geht vorüber, S. 200). Eine andere Form des Größten Namens ist die Anrufung Ya Bahá'u'l-Abhá (O Du Herrlichkeit des Allherrlichsten).
Größte Verkündigung: Ein Begriff der eschatologischen Verheißungen des Qur'án (78:1-2). Bahá'u'lláh identifiziert ihn mit Sich selbst (z.B. Lawh-i-Sahab in Áthár I, 151-152; Áthár VII, 115). Auch der Báb wird so genannt (vgl. Shoghi Effendi, Gott geht vorüber, p.64)
Grüne Insel: Der Garten Na'mayn, die schmale Insel inmitten eines Flusses im Osten von 'Akká, der von Bahá'u'lláh mit dem Namen »Garten Ridván«, »das Neue Jerusalem« und »Unsere Grüne Insel« bezeichnet wurde (vgl. Gott geht vorüber, p.219; Brief an den Sohn des Wolfes, S. 121). Nach dem Glauben des schi'itischen Islam ist die »Grüne Insel« der Aufenthaltsort des verborgenen, am Ende der Zeit sich offenbarenden Imám.
Hände der Sache Gottes: arabisch Ayádl-Amru'lláh, auf Bahá'u'lláh zurückgehende Institution für Schutz und Verbreitung Seiner Sache, die ihre rechtliche Grundlegung in »Wille und Testament« 'Abdu'l-Bahás fand. Nach dem Tode Shoghi Effendis (1957) leiteten die »Hände« die Geschicke des Glaubens bis zur Wahl des Universalen Hauses der Gerechtigkeit im Jahre 1963 (vgl. H. Grossmann, Bündnis, S. 81 f; The Bahá'í World, Bd. 16, S. 406-414).
Haus der Gerechtigkeit: Baytu'l-'Adl, von den Gläubigen gewähltes Führungsgremium auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene, dort Baytu'l-'Adl-i-A'zam »Universales Haus der Gerechtigkeit«, auf den beiden unteren Ebenen noch »Geistiger Rat« genannt (vgl. Shoghi Effendi, Bahá'í Administration, S. 39; ders. Gott geht vorüber, S. 377). Diese Institution wurde von Bahá'u'lláh durch die Bestimmungen im Kitáb-i-Aqdas geschaffen (Synopsis, S. 35, 57) und von 'Abdu'l-Bahá in Seinem Testament näher bestimmt (S. 28, 33; vgl. auch Shoghi Effendi, Weltordnung, S. 19-22, 224-226; Geistige Räte - Häuser der Gerechtigkeit).
Heiligstes Buch: - Kitáb-i-Aqdas
Himmel: Zur Bedeutung dieses Begriffs siehe Kitáb-i-Iqán S. 52. Im selben Buch erklärt Bahá'u'lláh zu dem Qur'án-Vers »Wenn der Himmel gespalten wird« (82:2): »Mit ,`Himmel` ist der Himmel der göttlichen Offenbarung gemeint, welcher mit jeder Manifestation aufgerichtet und mit jeder folgenden wieder gespalten wird. Mit `gespalten` ist gemeint, daß die vorangegangene Sendung nunmehr ungültig und aufgehoben ist« (S. 38. Vgl. auch Jes. 65:17; 66:22; Offb. 21:1; 'Abdu'l-Bahá, Beantwortete Fragen, Kap. 13, S. 74).
Himmelssaum: - Horizont
Horizont: arab. Ufuq. Religionsgeschichtlich vgl. Qur'án 53:7; 81:23; 41:53. Die letzte Stelle lautet: »Wir werden ihnen Unsere Zeichen in sich selbst und in den Horizonten zeigen.« Seitdem ist »Horizont« ein Terminus technicus der mystischen und religionsphilosophischen Literatur und kommt sehr oft in den Bahá'í-Schriften vor. Zu diesem Metapher-Kreis gehören auch: »Aufgangsort«, »Aufgangspunkt«, »Dämmerort«, »Sonne der Wahrheit«, »Himmel«, »Erde«, »Tagesgestirn« etc. Der Horizont ist die Trennungs- aber auch Berührungslinie zwischen Himmel und Erde, zwischen »Oben« und »Unten«, zwischen dem Materiellen und Geistigen. Auch ist der irdische Ort, an dem der Offenbarer erscheint, ein Horizont, an dem die Sonne der Wahrheit aufgeht, von dem aus sie ihre lebenspendenden Strahlen schenkt; so nennt Bahá'u'lláh das Größte Gefängnis, 'Akká, »den Höchsten Horizont« (Má'idih VIII, 154).
Húd: ein Prophet, der nach Noah zu dem Stamme - 'Ád gesandt wurde. Húd ermahnte das Volk zur Anbetung des einen Gottes, wurde aber verworfen (Qur'án 7:63-70; 11 ; 26:124).
Huqúqu'lláh: »die Rechte Gottes«, von Bahá'u'lláh im Kitáb-i-Aqdas festgelegte Steuer (Synopsis, S. 60, Ziffer 24), über deren Verwendung 'Abdu'l-Bahá in Seinem Testament ( S. 28 f) bestimmt (vgl. auch Brief des Universalen Hauses der Gerechtigkeit vom 27. 5. 1966, in: Botschaften, Bd. I, S. 57).
Imam: arab. »Meister«, »Führer«, die von Gott erwählten Nachfolger aus der Nachkommenschaft des Propheten Muhammad. Der hier verwandte Begriff »Imám« ist nicht zu verwechseln mit dem des ebenso genannten Vorbeters im sunnitischen Islám. Bahá'u'lláh nennt die Imáme »die Offenbarungen der Macht Gottes, die Quellen Seiner Befehlsgewalt, die Schatzkammern Seines Wissens und die Aufgangsorte Seiner Gebote« (Brief an den Sohn des Wolfes, S. 86). Shoghi Effendi nennt das Imamat eine »göttlich verordnete Einrichtung«, den »Verwahrungsort eines der beiden kostbarsten Vermächtnisse des Islám« (Weltordnung, p.155). Die Zeit göttlicher Führung des Imamats gibt Shoghi Effendi mit 260 Jahren an (Weltordnung, p.155). Der erste Imám war 'Alí, der Vetter und Schwiegersohn des Propheten und vierte Kalif. Im Jahre 260 islámischer Zeitrechnung ist der elfte Imám, Hassan al-'Askari, gestorben. Auf das Erscheinen des zwölften Imám, der danach durch vier Personen, »Tore« genannt, wirkte »kleine Verborgenheit«, an die sich die »große Verborgenheit« anschloß, warten die Anhänger des Shi'ah-Islám noch heute. Als der Báb im Jahr 1260 d.H. den Titel »das Tor« annahm, glaubten viele, Er beanspruche, das fünfte Tor zu dem verborgenen Imám zu sein, während Er Sich selbst als das »Tor« zu Bahá'u'lláh verstand. Er erklärte, daß er der Qá'im sei und daß die Verheißungen über den erwarteten zwölften Imám in Seiner Sendung ihre Erfüllung finden (vgl. Shoghi Effendi, Gott geht vorüber, S. 64). Zugleich erhob Er den Anspruch, der Stifter einer neuen, unabhängigen Religion und darüber hinaus der Herold Dessen zu sein, »den Gott offenbaren wird«.
Jamálu'd-Dín-i-Afgháni: eigentlich Jamálu'd-Dín-i-Asadábádí, Panislamist (vgl. Balyuzi, Bahá'u'lláh, S. 451-453 )
Kamelstute: Als Zeichen Gottes wurden dem Propheten Sálih eine Kamelstute gesandt, die von den Gottlosen zunächst gelähmt, dann getötet wurde (vgl. Qur'án 7:74; 26: 155 u.a.). 'Abdu'l-Bahá erklärte, daß mit der Kamelstute der Prophet Sálih selbst gemeint ist (Má'idih II, 99).
Karmel: Berg bei Haifa, schon seit altersher auch außerhalb des Heiligen Landes als heiliger Berg angesehen, vielfach erwähnt in der Bibel; bedeutet wörtlich »der Weinberg Gottes«. Der Lawh-i-Karmil (S. 17 ff) wurde von Bahá'u'lláh dort offenbart. Bahá'u'lláh besuchte den Berg 1890 und bestimmte den Platz für das Grabmal des Báb, das inmitten ausgedehnter Parkanlagen den Mittelpunkt des Bahá'í-Weltzentrums bildet.
Kitáb-i-Aqdas: das »Heiligste Buch«, ein Hauptwerk Bahá'u'lláhs, das Seine Gesetze und die Charta Seiner neuen Weltordnung enthält; es wurde 1873 in 'Akká offenbart, bisher in Auszügen übersetzt (vgl. Synopsis. Eine knappe Zusammenfassung des Inhalts gibt Shoghi Effendi, Gott geht vorüber, S. 242-247; Textauszüge finden sich in folgenden Kapiteln der Ährenlese: 37, 56, 70, 71, 72, 98, 105, 155, 159, 165).
Kitáb-i-Iqán: das »Buch der Gewißheit«, das wichtigste religiöse Werk Bahá'u'lláhs, 1862 in Bagbdád offenbart. Es ist auch die vom Báb verheißene Ergänzung zu Seinem Persischen Bayán (vgl. Shoghi Effendi, Gott geht vorüber, p.157ff
Lawh: »Tafel«, »Schreibtafel«, »Sendschreiben«, »Sendbrief«, »Tablet«. Bezeichnung der Bahá'í für eine heilige Schrift, die eine Offenbarung enthält; in Anlehnung an die Gesetzestafeln von Moses werden damit vor allem die offenbarten Werke Bahá'u'lláhs gekennzeichnet.
Lotesbaum: siehe Sadratu'l-Muntahá.
Mírzá Yahyá: genannt Subh-i-Azal (Morgen der Ewigkeit), der ungetreue Halbbruder Bahá'u'lláhs. Über seine Rolle vgl. Shoghi Effendi, Gott geht vorüber, S. 127, 129, 141, 177, 185-193, 204, 207, 266). Bahá'u'lláh bezieht den Vers Amos 4:13 »Er macht die Finsternis am Morgen« auf ihn (Brief an den Sohn des Wolfes, p.128)
Mond: Bahá'u'lláh stellt im Kitáb-i-iqán fest, daß die Begriffe »Sonne«, »Sterne« und »Mond« in den heiligen Schriften nicht wörtlich zu verstehen sind, sondern für eine Vielzahl geistiger Bedeutungen stehen. So kann sich »Mond« etwa auf die Propheten Gottes, auf die Geistlichen der früheren Sendungen oder auf die zeitabhängigen göttlichen Gesetze und Lehren beziehen (a.a.O., S. 31-36 ). In einem anderen Zusammenhang werden »Sonne« und »Mond« als Symbole für Fasten und Beten verwandt (S. 35 ).
Muhammad: der Prophet und Gesandte Gottes, Stifter des Islám, 570 - 632 n. Chr. Er offenbarte das Heilige Buch, den Qur'án.
Muhammad: Personenname verschiedener Adressaten von Tablets Bahá'u'lláhs (z.B. Lawh-i-Hikmat)
Mutterbuch: arab. Ummu'l-Kitáb, das Buch göttlichen Wissens, die Quelle der Offenbarung für alle heiligen Schriften. Von dem »Mutterbuch« ist in Qur'án 43:3 die Rede. Rodwell übersetzt mit »das urbildliche Buch« und kommentiert: »Die Mutter des Buches, d.h. das Original des Koran, verwahrt bei Gott« (vgl. auch Qur'án 13:40; 3:4; 85:22). Sále nennt es »die verwahrte Tafel, die das Original sämtlicher heiliger Schriften ist«. Für die Bahá'í bedeutet das »Mutterbuch« die »verwahrte Tafel« oder die »behütete Tafel« das Wort Gottes, die Manifestation Gottes in jedem Zeitalter oder Sein Buch. Das Mutterbuch der Sendung des Báb ist der Persische Bayán das der Bahá'í-Religion der Kitáb-i-Aqdas.
Posaune: Ein Zeichen, das die Aussagen der heiligen Schriften verbinden mit dem Kommen des »Tags des Herrn«, dem Erscheinen einer neuen Offenbarung, gleichermaßen Signal des Gottesgerichts und Sammelruf für die »Auserwählten«. (Vgl. Jes, 18:3; 27:13; Zeph, 1:16; Sach. 9:14; Matth. 24:31; Offb. 10:7, Qur'án 6:74; 18:100; 20:103; 23:102; 27:88; 36:52; 39:69; 50:21; 50:43; 69:14; 74:9; 78:19; 80:34). In den Schriften Bahá'u'lláhs wird an mehreren Stellen Seine Feder mit der Posaune gleichgesetzt (vgl. Ährenlese 11:2; 14:10; siehe auch 17:1; 18:2; Kitáb-i-Iqán, p.26, p.82ff
Punkt: arab. Nuqtah, kann die Stufe der Manifestation (Pers. Bayán 1:16; 3:12 ) oder deren Personifikation (4:1) bezeichnen, zumeist Titel des Báb. Er ist »der Erste Punkt, von dem alle erschaffenen Dinge ihren Ausgang haben« (Gott geht vorüber, S. 4). Bahá'u'lláh bezeichnet Ihn als den Punkt, »um den die Wirklichkeiten der Propheten und Boten kreisen«, »aus dem Gott die Erkenntnis von allem hervorgehen ließ, was da war und sein wird« (a.a.O., S. 63 ).
Qur'án: das Heilige Buch des Islám, das von Muhammad offenbart wurde; Bahá'u'lláh nennt es das »nicht irrende Buch« (Ährenlese 113:4 ). Zur heiligen Literatur des Islám gehören neben dem Qur'án, in dem Gott selbst und direkt spricht, noch die Traditionen Muhammads, das Corpus Seiner Überlieferungen und gesammelten Sprüche, Reden und Äußerungen (Hadith)
Qayyúmu'l-Asmá': arab. »Ewigkeit der Namen«, Kommentar des Báb zur Sure Yussuf (Qur'án 12 ), dessen erstes Kapitel während der Erklärung des Báb in der Nacht zum 23. Mai 1844 in Gegenwart des Mullá Husayn offenbart wurde. Shoghi Effendi nennt das Buch das »erste, bedeutendste und machtvollste aller Bücher des Bábí-Schrifttums« (Gott geht vorüber, S. 7). In diesem Buch ist vorausgesagt, was Bahá'u'lláh von Seinem treulosen Bruder Mirzá Yahyá) widerfahren würde (Auszüge aus diesem Buch befinden sich in Selections from the Writings of the Báb, S. 41-74; Báb, Kleine Auswahl aus Seinen Schriften, Nr. 3-12).
Rote Arche: Jede der vorausgegangenen Offenbarungen wird als »Arche« bezeichnet. »Rote Arche« bezieht sich auf die Sendung Bahá'u'lláhs. Allerdings ist mit der Arche im Sendschreiben vom Karmel die Arche der Gesetze, das administrative Weltzentrum, gemeint, deren »Insassen« die Mitglieder des Universalen Hauses der Gerechtigkeit sind (Shoghi Effendi, Messages, S. 64; Bahá'í Holy Places, p.58, p.80ff
Sache Gottes: arab. Amr: Befehl, Sache. Amru'lláh: Sache Gottes, von Shoghi Effendi mit Cause of God übersetzt. Nach dem Drei-Welten-Modell der Bahá'í-Lehre (1. 'Álamu'l-Haqq = Welt Gottes, 2.'Álamu'l-Amr = Welt des Befehls, 3. 'Álamu'l-Khalq = Welt der [übrigen] Schöpfung) bezeichnet Amr die Welt der Offenbarung. Die Welt des Befehls ist die Welt der Manifestation (vgl. 'Abdu'l-Bahá, in: Makátib II, S. 141; Beantwortete Fragen, Kap. 45; ferner Qur'án 7:54; 10:3; 13:2; 32:5; siehe auch A.Q. Faizi, Das Sinnbild des Größten Namens, in: Bahá'í-Briefe Heft 45, S. 1309 ff
Sadrat: arab. »Baum«, bezeichnet als der »Heilige Baum« oder als der »Baum der Wahrheit« die Manifestation Gottes (vgl. Persischer Bayán 2:8 [Selections, p.112ff, 2:7 ,106] ; siehe auch die Anmerkung zu 9:2 des vorliegenden Buches
Sadratu'l-Muntahá: Name eines Baumes, den die Araber vor alters an das Ende der Wege als Markierung pflanzten, symbolisch der »göttliche Lotosbaum«, der »Baum, über den hinaus keiner gehen kann«. Auf ihn wird mittelbar in Qur'án 53:9 und direkt in Qur'án 53:14 Bezug genommen; die beiden Visionen, die dort beschrieben sind, werden nach der Überlieferung zu Muhammads Vision von der Himmelfahrt oder Mi'ráj (vgl. Sure 17:1) in Beziehung gesetzt. In den Bahá'í-Schriften symbolisiert dieser Baum stets die Manifestation Gottes, d.h. in diesem Zeitalter Bahá'u'lláh.
Sálíh: ein arabischer Prophet nach der Zeit Húds, der wie dieser sein Volk Thamúd zum Glauben an einen Gott anhielt und verstoßen wurde (vgl. Qur'án 7:11; 26:142; 27:45 )
Shi'ah: Die der Zahl nach kleinere der beiden großen Konfessionen des Islám, welche - im Gegensatz zur sunnitischen Mehrheit - die weltliche und geistige Führung der Gemeinde nur durch Erbfolge und Designation innerhalb der Nachkommenschaft Muhammads, die sogenannten Imáme aus dem Hause Muhammads, für legitim erachtet. Seit dem Hinscheiden des elften Imáms im Jahre 260 d.H. erwarten sie die Erscheinung des letzten Imáms, Qá'im genannt.
Shoghi Effendi: (1896 - 1957), Enkel 'Abdu'l-Bahás, von diesem testamentarisch zum »Hüter des Glaubens« und autoritativen Ausleger der Offenbarungsschriften ernannt, leitete die Geschicke der Bahá'í-Gemeinde von 1921 bis 1957 und legte in zahlreichen Schriften die Grundzüge des Bahá'í-Glaubens dar (Literatur: Ugo Giachery, Shoghi Effendi, Oxford 1973 ; Rúhiyyih Rabbáni, Die unschätzbare Perle, Hofheim-Langenhain 1982).
Sicherer Griff: Damit wird in diesem Buch das arabische »'Urwatu'l-wuthqá« (persisch: »'Urveh-muhkameh«) übersetzt. Dieser Begriff kennzeichnet das Bündnis Gottes in den jeweiligen Sendungen: »Wisse, daß der seit Anbeginn der Welt in den heiligen Büchern, Tafeln und Schriften von altersher erwähnte `Sichere Griff` nichts anderes ist als das Bündnis und Testament.« ('Abdu'l-Bahá, zitiert in: Shoghi Effendi, Gott geht vorüber, S. 269; vgl. auch Kitáb-i-Iqán, S. 29; religionsgeschichtlich vgl. Qur'án 2:257; 31:22).
Sinai: Berg, auf dem Moses von Gott das Gesetz gegeben wurde, hat im Qur'án und in den Bahá'í-Schriften mystische Signifikanz (vgl. Qur'án 2:63; 2:93; 4:154; 23:20; 52; 95:2).
Sirát: arab. »Pfad«, »Weg«, (As-siráju'l-mustaqím = der Gerade Pfad). Religionsgeschichtlich vgl. z.B. Qur'án 1:6. Im Islám verstand man im allgemeinen die Religion schlechthin darunter, da sie der »gerade« und somit kürzeste und sicherste »Weg« zum Paradies ist. Im besonderen ist Sirát nach den Traditionen ein endzeitlicher Begriff am Tage der Auferstehung und des Endgerichtes: Die Menschen werden auf dem gefährlich schmalen Sirát, der gleich einer Brücke über der Hölle gespannt ist, wandeln. Nur wer »unterwegs nicht fällt«, gelangt zum Paradies jenseits der Hölle. Der Begriff findet sich in allen Religionen, in den indischen wie in den biblischen, und auch in der mystischen Literatur des Morgen- und Abendlandes. Bahá'u'lláh lehrt, daß Sirát primär Ihn selbst bedeute und in anderer Hinsicht Seine Gesetze und Verordnungen (Áthár VI, 270 ).
Sterne: Bahá'u'lláh nennt im Kitáb-i-Iqán drei Bedeutungen des Begriffs »Sterne«: die Gläubigen (S. 33 ), die Geistlichen (S. 34) und die religiösen Gesetze und Lehren (S. 34). Der Vers Matth. 24:29: »...werden Sonne und Mond den Schein verlieren, und die Sterne werden vom Himmel fallen« bezieht sich auf die Aufhebung der früher gültigen religiösen Gesetze und auf die ablehnende Haltung der Geistlichen beim Kommen einer neuen Manifestation (S. 31, 36. Vgl. auch Jes. 13:10; Jer. 31:35; Hes. 32:7; Mark. 13:25; Luk. 21:25; Offb. 6:13 ; Qur'án 81:3 ; Pers. Bayán 8 :1 [Selections from the Writings of the Báb, S. 97) ; 'Abdu'l-Bahá, Beantwortete Fragen, Kap. 26 ).
Stunde: Ein eschatologischer Begriff in allen Religionen, der die Erscheinungszeit des Verheißenen bezeichnet (zu diesen Verheißungen siehe Shoghi Effendi, Gott geht vorüber, S. 103-111). Religionsgeschichtlich vgl. Matth. 24:36-44; 25:13; Offb. 3:3; Qur'án 6:31; 7:187; 12;107; 18:21; 20:15; 22:7; 25:11; 54:1; 54:46; 79:42 und viele Stellen mehr.
Tablet, Tafel: siehe Lawh
Talisman: Zwei Eigenschaften, die einem Talisman zugeschrieben werden, besitzt und bewirkt der Mensch, wenn er - durch Erziehung des vollkommenen Erziehers, der göttlichen Manifestation - seiner Bestimmung entspricht: Segen bringen und Böses abwenden. Er zieht Gutes an und bewirkt Gutes, er wendet Böses ab sowohl für sich als auch für die Menschheit. So erzogen, ist der Mensch wahrlich die »Krone der Schöpfung« und entspricht dem Bibelvers: »Lasset uns Menschen schaffen nach Unserem Bild und Gleichnis! « (1. Mos. 1:26). Die heiligen Metaphern wie Talisman sind durchaus nicht nur exakten und konkreten Wissenschaften entnommen, sie entstammen manchmal auch der Mythologie (z.B. auch der Vogel Phönix).
Thamúd: ein arabischer Volksstamm von Götzendienern, die in Höhlen hausten ( Sálih. vgl. Qur'án 7:73; 9:70; 11:61. 11:68; 11i:95; 14:9; 17:59; 22:42; 25:38; 26:141; 27:45; 29:38; 38:13; 40:31; 41:13; 41:17; 50:12; 51:43; 53:51; 54:21; 69:4-5; 85:18; 89:9/91:11 )
Unterdrückte, dieser: Bahá'u'lláh nennt sich »dieser Unterdrückte« (mazlúm), weil Er während des größten Teils Seines Lebens unterdrückt war, nach Seinem eigenen Zeugnis so, wie kein anderer je unterdrückt wurde. Shoghi Effendi übersetzt mazlúm im Lawh-i-Dunyá und im Besuchstablet (Gebete und Meditationen Nr. 180) mit »the Wronged One«; wörtliche Bedeutung von mazlúm: »der ungerecht Behandelte«, »der, dem Unrecht getan wurde«.
Verwahrtes Tablet: Religionsgeschichtlich vgl. Qur'án 85:22. Bahá'u'lláh personifiziert diesen Begriff für Seine Sendung: »Bei Gott! Das verwahrte Tablet ist erschienen, es wandelt unter Seinen Dienern und ruft aus: `Dies ist der Tag, der euch früher in den Büchern verheißen ward...`« (Áthár II, 18). Eine zweite Bedeutung lehrt 'Abdu'l-Bahá: Das verwahrte Tablet ist das Buch des Bündnisses Bahá'u'lláhs, das verwahrt und verborgen war, nun offenbart und erschienen ist (Rahíq II, 349).
Waage: Die Waage als Symbol der Beurteilung menschlichen Handelns nach dem Maße Gottes findet sich häufig in den heiligen Schriften. In der islamischen Eschatologie spielt sie eine große Rolle. Der Prophet Muhammad hat verheißen, daß am Tage des Gerichts eine Waage aufgestellt werde, auf der alle Taten der Menschen gewogen werden. Nach der Lehre Bahá'u'lláhs ist die rechte Waage das Buch, das Gesetz und der Offenbarer der jeweils gültigen Sendung (vgl. 1. Sam. 2:3; Spr. 16:11; Dan. 5:27; Offb. 6:5 ; Qur'án 7:9-10; 18;106; 21:48; 23:103; 42:18-19; 55:8; 57:26; 101:7-9; Pers. Bayán 2:14; Ährenlese 70:3; 114:12; 118:5; 129:5; 135:4; siehe besonders Kitáb-i-Aqdas (Synopsis Nr. 14 = Ährenlese 98:1 = Brief an den Sohn des Wolfes, S. 115, 118). Bahá'u'lláh erklärt, daß Sein »höchstes Wort« das Schwert Gottes, die Waage Gottes, der Pfad (Sirát) Gottes, die Lampe Gottes, die Größte Posaune, die Prächtige Trompete ist (Áthár VII, 115). |
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