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Göttlicher Tadel, der scheinbar d. Offenbarern erteilt wurde

ERKLÄRUNG DES GÖTTLICHEN TADELS, DER SCHEINBAR DEN OFFENBARERN ERTEILT WURDE

Frage: In den heiligen Büchern sind an einigen Stellen tadelnde Worte zu finden, die als Vorwurf an die Propheten gerichtet sind. Wer ist der Angeredete, und auf wen bezieht sich dieser Vorwurf?

Antwort: Jedes tadelnde Wort Gottes bezieht sich, wenn es auch scheinbar den Propheten gilt, in Wirklichkeit auf die Menschen; es geschieht aus einer Weisheit, die reine Barmherzigkeit ist, damit die Menschen nicht entmutigt und verzagt werden. Darum scheint das Wort an die Propheten gerichtet; aber obwohl äußerlich für die Propheten, ist es in Wirklichkeit für die Menschen und nicht für die Propheten.

Mehr noch: Ein mächtiger, unabhängiger König ist der Vertreter seines Landes, sein Wort ist das Wort aller, und jeder Vertrag, den er schließt, gilt für alle; denn Wunsch und Wille seiner Untertanen sind in seinem Wunsch und Willen eingeschlossen. In gleicher Weise ist jeder Prophet der Ausdruck für die Gesamtheit der Menschen. Somit ist das an ihn gerichtete Versprechen und Wort Gottes an alle gerichtet. Im allgemeinen sind die tadelnden und vorwurfsvollen Worte zu streng für die Menschen und würden ihre Herzen niederdrücken. Deshalb benützt die vollkommene Weisheit jene Form der Anrede, was sich deutlich in der Bibel selbst zeigt, zum Beispiel als die Kinder Israel sich gegen Moses erhoben und sprachen: "Wir können nicht gegen die Amalekiter kämpfen, denn sie sind stark, mächtig und kühn." Gott wies dann Moses und Aaron zurecht, obwohl Moses äußerst gehorsam war und Sich nicht auflehnte. Sicherlich muß ein so großer Mensch, der der Vermittler der göttlichen Gnade und der Überbringer des göttlichen Gesetzes ist, dem Befehl Gottes gehorchen. Diese heiligen Seelen sind wie die Blätter eines Baumes, die durch das Wehen des Windes und nicht durch ihren eigenen Willen bewegt werden, denn sie sind durch den Odem der Liebe Gottes in Bann gezogen und haben ihren eigenen Willen völlig Ihm unterworfen. Ihr Wort ist Gottes Wort, ihr Gebot ist Gottes Gebot und ihr Verbot ist Gottes Verbot. Sie gleichen der Glaskugel, die von der Lampe Licht bekommt. Obgleich das Licht vom Glase zu kommen scheint, strahlt es in Wirklichkeit von der Lampe aus. So ist es auch mit den Propheten Gottes, den Mittelpunkten der Manifestation: Ihr Handeln oder Nichthandeln kommt aus göttlicher Eingebung, nicht aus menschlichem Verlangen. Wenn es nicht so wäre, wie könnte der Prophet vertrauenswürdig, wie könnte er der Bote Gottes sein, der Gottes Gebote und Verbote übermittelt? Alle Vergehen, die in Verbindung mit den Offenbarern in den heiligen Büchern erwähnt werden, beziehen sich auf Fragen dieser Art.

#167

Gelobt sei Gott, daß du hierher gekommen und den Dienern Gottes begegnet bist! Hast du in ihnen irgend etwas wahrgenommen außer dem Duft des göttlichen Wohlgefallens? Gewiß nicht. Mit deinen eigenen Augen hast du gesehen, wie sie Tag und Nacht Mühe und Arbeit auf sich nehmen und keine andere Absicht haben als die Verkündung des Wortes Gottes, die Erziehung der Menschen, die Verbesserung der Lage der breiten Masse, den geistigen Fortschritt, die Errichtung des Weltfriedens, Zuneigung zur ganzen Menschheit und Güte gegenüber allen Völkern. Sich selbst zum Besten der Menschheit opfernd, haben sie sich von irdischem Eigennutz losgelöst und mühen sich ab, der Menschheit Tugenden zu vermitteln.

Doch laßt uns auf unser Thema zurückkommen. Zum Beispiel steht im Alten Testament, im Buch Jesaja, Kapitel 48, Vers 12: "Höre mir zu, Jakob, und du, Israel, mein Berufener: Ich bin's, ich bin der Erste, dazu auch der Letzte." Es ist klar, daß damit nicht Jakob, der Israel war, sondern das Volk Israel gemeint war. Ebenfalls im Buch Jesaja, Kapitel 43, Vers 1, heißt es: "Und nun spricht der Herr, der dich geschaffen hat, Jakob, und dich gemacht hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn Ich habe dich erlöst; Ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist Mein!"

Weiter heißt es im 4. Buch Mose, Kapitel 20, Vers 23: "Und der Herr redete mit Mose und Aaron am Berge Hor, an den Grenzen des Landes der Edomiter, und sprach: Laß sich Aaron sammeln zu seinem Volk; denn er soll nicht in das Land kommen, das Ich den Kindern Israel gegeben habe, darum daß ihr Meinem Munde ungehorsam gewesen seid bei dem Haderwasser." Und in Vers 13: "Das ist das Haderwasser, darüber die Kinder Israel mit dem Herrn haderten und Er geheiligt ward an ihnen."

#168

Beachte: Die Kinder Israel lehnten sich auf, aber scheinbar war der Tadel an Moses und Aaron gerichtet. So ist im 5. Buch Mose, Kapitel 3, Vers 26, gesagt: "Aber der Herr war erzürnt auf Mich um euretwillen und erhörte Mich nicht, sondern sprach zu Mir: Laß es genug sein, rede Mir davon nicht mehr!"

Nun sind diese Worte und dieser Vorwurf in Wahrheit an das Volk Israel gerichtet, das wegen seiner Auflehnung gegen den Befehl Gottes eine lange Zeit in der trockenen Wüste am anderen Ufer des Jordan verbannt blieb, bis zur Zeit Josuas - Heil sei auf ihm! Diese Worte und dieser Vorwurf waren also scheinbar an Moses und Aaron gerichtet, in Wirklichkeit aber galten sie dem Volk Israel.

In gleicher Weise wird im Qur'án zu Muhammad gesagt: "Wahrlich, Wir haben dir einen sichtbaren Sieg verliehen, damit dir Gott verzeihe, was von deinen Vergehen vorangegangen war und was später kommt."¹ Obwohl diese Worte dem äußeren Anschein nach an Muhammad gerichtet waren, galten sie in Wahrheit dem ganzen Volk. Diese Art der Anrede wurde, wie schon gesagt, von der vollkommenen Weisheit Gottes gebraucht, damit die Herzen der Menschen nicht beunruhigt, geängstigt und gequält werden.

¹ Súrih 48:1

Wie oft bekennen die Propheten Gottes und Seine allumfassenden Offenbarer in ihren Gebeten ihre Sünden und Verfehlungen! Dies geschieht nur, um die anderen Menschen zu unterweisen, um sie zu ermutigen, zu Sanftmut und Demut anzuspornen und um sie zu bewegen, ihre Fehler und Sünden zu bekennen. Denn diese heiligen Seelen sind frei von jeder Sünde und geheiligt von jedem Vergehen. Im Evangelium wird berichtet, daß ein Mann zu Christus kam und Ihn "Guter Meister" nannte. Christus antwortete: "Was heißest du Mich gut? Niemand ist gut als Gott allein." Damit ist nicht gemeint, daß Christus - Gott behüte! - ein Sünder gewesen wäre, sondern die Absicht war, den Sprecher Ergebenheit, Demut, Sanftmut und Bescheidenheit zu lehren. Diese heiligen Wesen sind Lichter, und Licht vereinigt sich nicht mit Finsternis. Sie sind Leben, und Leben und Tod verbinden sich nicht; sie sind Rechtleitung, und Rechtleitung kann nicht mit Irreführung zusammen sein; sie sind wahrhafter Gehorsam, und Gehorsam kann nicht mit Auflehnung zusammenleben.

#169

Um abzuschließen: Obwohl tadelnde Worte in den heiligen Büchern scheinbar an die Propheten gerichtet sind, das heißt an die Manifestationen Gottes, sind sie in Wirklichkeit für die Menschen bestimmt. Dies wird dir klar und offenkundig, wenn du die heiligen Bücher sorgfältig geprüft hast.
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Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden Verfasst am: 19.11.2007, 20:16
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