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Übersicht -> Kitab-i-Iqan (Buch der Gewissheit)
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Beiträge: 329

Kitab-i-Iqan - Zweiter Teil (2)

+2:92 (193)

Es war seit jeher offenkundig, daß diese Unterschiede in der Redeweise den Unterschieden in der Stufe zuzuschreiben sind. Vom Standpunkt ihrer Einheit und erhabenen Loslösung aus betrachtet, waren seit je die Attribute Gottheit, Göttlichkeit, höchste Einzigkeit und innerstes Sein auf diese Inbegriffe des Seins anwendbar, da sie alle auf dem Throne göttlicher Offenbarung ruhen und den Sitz göttlicher Verborgenheit einnehmen. Mit ihnen tritt Gottes Offenbarung in die Erscheinung, durch ihr Antlitz wird die Schönheit Gottes enthüllt. So wird die Sprache Gottes selbst aus dem Munde dieser Manifestationen des göttlichen Seins vernommen.

+2:93 (194)

Im Lichte ihrer zweiten Stufe betrachtet, der Stufe der Auszeichnung, der Unterscheidung, der zeitlichen Begrenzungen, der Kennzeichen und Maßstäbe, legen sie unbedingte Dienstbarkeit, äußerste Armut und völlige Selbstauslöschung an den Tag. So hat Er gesprochen: »Ich bin der Diener Gottes, Ich bin nur ein Mensch wie ihr«.¹

¹ vgl. Qur'án 19:31 , 18:111 , 41:7


+2:94 (195)

Versuche nun anhand dieser unwiderlegbaren, ausführlichen Erklärungen den Sinn der von dir gestellten Fragen zu begreifen, damit du im Glauben Gottes standhaft wirst und dich nicht von den Abweichungen in den Reden Seiner Propheten und Auserwählten erschüttern läßt.

+2:95 (196)

Sollte eine der allumfassenden Manifestationen Gottes erklären: »Ich bin Gott!«, so spräche sie gewißlich die Wahrheit, und es gäbe daran keinen Zweifel. Denn wiederholt wurde dargetan, daß durch ihre Offenbarung, ihre Attribute und Namen die Offenbarung Gottes, Seine Namen und Seine Attribute in der Welt offenkundig gemacht sind. So hat Er enthüllt: »Jene Pfeile waren von Gott, nicht von Dir!«¹ Und ebenso spricht Er: »Wahrlich, die Dir Treue gelobten, gelobten sie in Wirklichkeit Gott«.² Würde einer von ihnen sagen: »Ich bin der Gesandte Gottes«, so spräche Er gleichfalls die Wahrheit, die unzweifelhafte Wahrheit. So spricht Er: »Muhammad ist nicht der Vater irgendeines Menschen, sondern Er ist der Gesandte Gottes«.³ In diesem Lichte gesehen, sind sie alle nur Gesandte dieses vollkommenen Königs, dieser unwandelbaren Wesenheit. Würden sie alle verkünden: »Ich bin das Siegel der Propheten« <4>, so sprächen sie gewiß nichts als die Wahrheit, erhaben über den leisesten Schatten eines Zweifels. Denn sie alle sind nur eine Person, eine Seele, ein Geist, ein Wesen, eine Offenbarung. Sie alle sind die Manifestationen des »Anfangs« und des »Endes«, des »Ersten« und des »Letzten«, des »Sichtbaren« und des »Verborgenen« <5> - all dies kommt Ihm zu, Ihm, dem innersten Geist der Geister und der ewigen Inbegriffe des Seins. Und würden sie sagen: »Wir sind Gottes Diener« <6>, so wäre auch dies eine offenkundige, unbestreitbare Wahrheit. Denn sie haben sich im äußersten Zustand des Dienens offenbart, eines Dienens, wie es kein Mensch je erreichen kann. Darum haben diese Inbegriffe des Seins in Augenblicken, da sie tief in die Meere altehrwürdiger, ewigwährender Heiligkeit eintauchten, oder wenn sie zu den erhabensten Höhen göttlicher Mysterien emporstiegen, den Anspruch erhoben, daß ihre Sprache die Stimme der Gottheit, der Ruf Gottes selbst sei. Wäre das Auge der Einsicht geöffnet, so würde es erkennen, daß sie sich in diesem Zustand als völlig ausgelöscht und nicht existent betrachten vor dem Antlitz Dessen, der der Alldurchdringende, der Unbestechliche ist. Mich dünkt, sie haben sich ganz als ein Nichts angesehen und ihre Erwähnung an jenem heiligen Hof als einen Akt der Gotteslästerung erachtet. Denn die leisesten Einflüsterungen des Selbstes sind an einem solchen Hof ein Beweis für Eigengeltung und unabhängiges Sein. In den Augen derer, die an diesen Hof gelangen, ist eine solche Regung schon ein schweres Vergehen. Wieviel schwerer wäre es, würde in dieser Gegenwart etwas anderes erwähnt, wären des Menschen Herz, Zunge, Gemüt oder Seele von etwas anderem eingenommen als von dem Vielgeliebten, betrachteten seine Augen ein anderes Antlitz als Seine Schönheit, neigte sich sein Ohr einer anderen Melodie als Seiner Stimme und gingen des Menschen Füße einen anderen Pfad als Seinen Pfad.

¹ Qur'án 8:17 ² Qur'án 48:11 ³ Qur'án 33:40

<4> Qur'án 33:10 <5> Qur'án 57:4 <6> vgl. Qur'án 3:182; 5:118; 19:30



+2:96 (197)

An diesem Tage weht Gottes Hauch, und Sein Geist hat alle Dinge durchdrungen. So mächtig ist die Ausgießung Seiner Gnade, daß die Feder ruht und die Zunge schweigt.

+2:97 (198)

Kraft dieser Stufe erheben sie etwa den Anspruch, die Stimme der Gottheit zu sein, während sie kraft ihrer Stufe der Gesandtschaft sich als die Boten Gottes erklären. In jedem Fall sprechen sie, wie es den Gegebenheiten des Augenblicks entspricht, und beziehen alle diese Aussagen auf sich selbst, Aussagen, die sich vom Reich göttlicher Offenbarung bis zum Reich der Schöpfung erstrecken und vom Bereich der Göttlichkeit bis zum Reich irdischen Seins. Damit ist, was immer sie sagen, ob es sich denn auf den Bereich der Gottheit, der Herrschaft des Herrn, des Prophetentums, des Hütertums, des Apostolats oder des Dienens bezieht, ohne den Schatten eines Zweifels wahr. So müssen diese Verse, die Wir für Unseren Beweis angeführt haben, aufmerksam bedacht werden, damit die voneinander abweichenden Aussagen der Manifestationen des Unsichtbaren und Morgenröten der Heiligkeit nicht länger die Seele erregen und den Geist verwirren.

+2:98 (199)

Die von den Leuchten der Wahrheit gesprochenen Worte müssen sorgfältig bedacht werden, und wenn man ihre Bedeutung nicht verstehen kann, sollte Aufklärung bei den Treuhändern der Schatzkammern des Wissens gesucht werden, so daß diese den Sinn der Worte erklären und ihr Geheimnis enträtseln. Denn niemand steht es an, das heilige Wort nach seinem unzulänglichen Verständnis auszulegen, oder es gar zu verwerfen und seine Wahrheit zurückzuweisen, sofern er findet, daß es seinen Neigungen und Wünschen zuwider ist. So verhalten sich heutzutage die Geistlichen und Gelehrten, die auf den Stühlen der Erkenntnis und Gelehrsamkeit sitzen und Unwissen Erkenntnis, Tyrannei Gerechtigkeit nennen. Befragten sie das Licht der Wahrheit über die Gebilde ihrer eitlen Phantasie, und fänden sie dann Seine Antwort unvereinbar mit ihren eigenen Vorstellungen und ihrem eigenen Verständnis des Buches, so verleumdeten sie sicherlich Ihn, die Schatzgrube und den Urquell allen Wissens, als die Verneinung des Wissens. So ist dies zu allen Zeiten geschehen.

+2:99 (200)

Als Muhammad, der Herrn des Seins, einst über die neuen Monde befragt wurde, gab Er auf Gottes Geheiß zur Antwort: »Das sind Zeiträume, die den Menschen bestimmt sind«.¹ Daraufhin brandmarkten Ihn Seine Zuhörer öffentlich als Ignoranten.

¹ Qur'án 2:189


+2:100 (201)

So sagt Er auch in dem Vers über den »Geist«: »Und sie werden Dich über den Geist befragen. Sprich: Der Geist geht aus Meines Herrn Befehl hervor«.¹ Kaum hatte Muhammad diese Antwort gegeben, so widersprachen sie lärmend: »Seht! Ein Tor, der nicht weiß, was der Geist ist, nennt sich selbst den Offenbarer göttlichen Wissens!« Nun sieh die Geistlichen unserer Tage: Weil sie durch Seinen Namen geehrt wurden und fanden, daß ihre Väter einst Seine Offenbarung anerkannt hatten, unterwerfen sie sich blindlings Seiner Wahrheit. Bedenke, erhielten sie heute solche Antworten auf ihre Fragen, so würden sie sie ohne Zaudern zurückweisen und öffentlich brandmarken - ja sie nähmen sogar wieder zu denselben Spitzfindigkeiten Zuflucht, wie dies tatsächlich geschehen ist - ungeachtet dessen, daß diese Inbegriffe des Seins über so seltsame Trugbilder unendlich erhaben sind und in ihrer unermeßlichen Herrlichkeit hoch über diesen leeren Formeln stehen, und selbst über dem Begreifen jedes einsichtsvollen Herzens. Ihre sogenannte Gelehrsamkeit ist, im Vergleich zu jener Erkenntnis, bloßer Irrtum und all ihre Einsicht nichts als krasse Unwissenheit. Nein, was immer aus den Minen göttlicher Weisheit, den Schatzkammern ewigen Wissens hervorgeht, ist Wahrheit und nichts als Wahrheit. Der Spruch: »Wissen ist ein Punkt, den die Toren vervielfacht haben«², ist die Bestätigung für unser Argument, und die Tradition: »Wissen ist ein Licht, das Gott ins Herz wirft, wem Er will«, erweist die Richtigkeit Unserer Darlegung.

¹ Qur'án 17:85 ² Eine Tradition Muhammads


+2:101 (202)

Weil sie nicht verstehen, was Wissen bedeutet, und damit die Bilder bezeichnen, die ihnen ihre Phantasie vorgaukelt und deren Urheber die Verkörperungen der Unwissenheit sind, haben sie dem Urquell des Wissens das angetan, was du gehört und gesehen hast.

+2:102 (203)

So hat zum Beispiel ein Mann¹, der für seine Gelehrsamkeit berühmt war und sich selbst für einen der hervorragendsten Führer seines Volkes hielt, in seinem Buch alle Vertreter wahrer Gelehrsamkeit angeklagt und geschmäht, wie dies aus der Fülle seiner ausdrücklichen Behauptungen und aus seinen Anspielungen, die das ganze Buch durchziehen, hervorgeht. Da Wir öfters von ihm gehört hatten, entschlossen Wir Uns, einige seiner Werke zu lesen. Wir sind sonst nicht geneigt, anderer Menschen Schriften zu lesen, doch nun, da Uns einige über ihn befragten, fanden Wir es angezeigt, seine Bücher durchzusehen, um auf diese Fragen mit angemessenem Wissen und Verständnis zu antworten. Seine Werke in arabischer Sprache waren Uns jedoch nicht zugänglich, bis Uns eines Tages jemand mitteilte, daß eine seiner Schriften, `Irshádu'l-Avám`² betitelt, in dieser Stadt zu haben sei. Aus diesem Titel verspürten Wir den Geruch des Dünkels und der Eitelkeit; denn er hält sich selbst für einen Gelehrten und den Rest der Menschheit für »Unwissende«. Seinen tatsächlichen Wert läßt er gerade durch den Titel erkennen, den er für sein Buch gewählt hatte. Es wurde offenbar, daß der Verfasser dem Pfade des Selbstes und des Begehrens folgte und in der Wildnis des Unwissens und der Blindheit verlorengegangen war. Mich dünkt, er hatte die wohlbekannte Tradition vergessen, welche sagt: »Wissen umfaßt alles, was erkennbar ist; Macht und Gewalt sind Schöpfung.« Dennoch sandten Wir nach dem Buch und behielten es einige Tage. Wir nahmen es wohl zweimal zur Hand. Das zweite Mal stießen Wir zufällig auf die Geschichte des »Mi'ráj«³ Muhammads, über den gesagt worden ist: »Wenn nicht für Dich, hätte Ich die Sphären nicht erschaffen«.<4> Wir stellten fest, daß der Verfasser etwa zwanzig oder mehr Wissenschaften aufzählte, deren Kenntnis er als wesentlich betrachtete, um das Mysteriums des »Mi'ráj« zu verstehen. Seinen Ausführungen entnahmen Wir, daß wer nicht in diese Wissenschaften eingedrungen sei, niemals zum richtigen Verständnis dieses überragenden, erhabenen Gegenstandes gelangen könne. Unter den aufgeführten Wissenschaften waren Metaphysik, Alchemie und Naturmagie. Solche vergängliche, überholte Gelehrsamkeit hat dieser Mann als Vorbedingung für ein Verständnis der ewigen, geheiligten Mysterien göttlicher Erkenntnis angesehen!

¹ Hájí Mírzá Karím Khán, Schüler Siyyid Kázims, später der Antichrist der Bábí-Offenbarung
² `Führung für die Unwissenden` ³ Himmelfahrt

<4> Heilige Tradition Muammad zugeschrieben



+2:103 (204)

Gnädiger Gott! So weit reicht sein Verständnis! Sieh, welch ausgeklügelte Einwänden und Verleumdungen er gegen jene Verkörperungen des unendlichen göttlichen Wissens vorbrachte! Wie gut und treffend ist doch gesagt: »Schleuderst du deine Verleumdungen denen ins Gesicht, die der eine wahre Gott zu Treuhändern der Schatzkammern Seines siebenten Himmels gemacht hat?«¹ Kein verstehendes Herz und Gemüt, keiner der Weisen und Gelehrten beachtet diese absurden Behauptungen. Und wie klar und einleuchtend ist es doch für jedes einsichtige Herz, daß eine solche Gelehrsamkeit zu allen Zeiten von dem einen wahren Gott, zurückgewiesen wird. Wie könnte die Kenntnis von Wissenschaften, die in den Augen der wahrhaft Gelehrten nichts gelten, notwendig sein, um die Mysterien des »Mi'ráj« zu begreifen, während der Herr des »Mi'ráj« selbst niemals mit auch nur einem Buchstaben dieser beschränkten, obskuren Wissenschaften belastet war und Sein strahlendes Herz nie mit einem dieser wunderlichen Wahngebilde befleckte? Wie wahr hat Er gesprochen: »Alles menschliche Begreifen reitet auf einem lahmen Esel, während die Wahrheit wie ein Pfeil auf dem Winde dahinfliegt«.² Bei der Gerechtigkeit Gottes! Wer das Geheimnis des »Mi'ráj« zu ergründen und einen Tropfen aus der Erkenntnis dieses Meeres zu trinken begehrt, der muß den Spiegel seines Herzens, so er noch durch den Staub dieser Wissenschaften getrübt ist, wahrlich reinigen und läutern, ehe das Licht dieses Mysteriums darin widerstrahlen kann.

¹ Vers eines persischen Dichters ² Vers eines persischen Dichters


+2:104 (205)

An diesem Tag verbieten die, welche in das Meer urehrwürdiger Erkenntnis eingetaucht sind und in der Arche göttlicher Weisheit wohnen, dem Volke solche eitlen Studien. Ihre leuchtenden Herzen sind, Gott sei gepriesen, geheiligt von jeder Spur solcher Gelehrsamkeit und erhaben über so schlimme Schleier. Wir haben den dichtesten aller Schleier mit dem Liebesfeuer des Geliebten verbrannt - den Schleier, auf den sich der Spruch bezieht: »Der schlimmste aller Schleier ist der Schleier des Wissens.« Auf seiner Asche haben Wir den Schrein¹ göttlicher Erkenntnis errichtet. Wir haben, Preis sei Gott, die »Schleier der Herrlichkeit« mit dem Feuer der Schönheit des Heißgeliebten verbrannt. Wir haben aus dem menschlichen Herzen alles vertrieben außer Ihm, der Sehnsucht der Welt, und freuen Uns dessen. Wir hängen an keinem Wissen als an dem Wissen, das von Ihm kommt, und Wir richten unser Herz nur auf den Strahlenglanz Seines Lichtes.

¹ Surádiq; siehe Glossar


+2:105 (206)

So waren Wir sehr überrascht, als Wir erkannten, daß die einzige Absicht dieses Mannes war, die Menschen glauben zu machen, daß er sich auf alle diese Wissenschaften verstand. Und doch schwöre Ich bei Gott, daß nicht ein Hauch aus den Gefilden göttlichen Wissens jemals über seine Seele geweht, daß er nicht ein einziges Geheimnis alter Weisheit enträtselt hat. Fürwahr, würde ihm der Sinn des Wissens jemals erklärt, so erfüllte Bestürzung sein Herz und sein ganzes Wesen wäre von Grund auf erschüttert. Sieh, welche Gipfel der Überspanntheit seine Ansprüche trotz seiner haltlosen, unsinnigen Aussagen erreichen!

+2:106 (207)

Gnädiger Gott! Wie groß ist Unser Erstaunen darüber, daß sich um ihn die Leute scharen und seiner Person Gefolgschaft geloben! Mit vergänglichem Staube zufrieden, richten die Menschen ihren Blick nur auf ihn und kehren dem Herrn der Herren den Rücken. Zufrieden mit dem Gekrächze der Krähe und vernarrt in das Gesicht des Raben, verzichten sie auf der Nachtigall süßen Gesang und auf den Liebreiz der Rose. Welch unsagbare Trugschlüsse hat die Durchsicht dieses anmaßenden Buches zutage gebracht! Sie sind nicht wert, daß eine Feder sie beschriebe, und zu dürftig, daß man dabei einen Augenblick verweilte. Wäre indes ein Prüfstein gefunden, so schiede er augenblicklich Wahrheit von Falschheit, Licht von Finsternis und Sonne von Schatten.

+2:107 (208)

Eine der Wissenschaften, die dieser Scharlatan nennt, ist die Kunst der Alchemie. Wir hegen die Hoffnung, daß ein König oder ein Mann von überragender Macht ihn auffordere, diese Wissenschaft aus dem Reich der Einbildung in die Welt der Tatsachen und von der Ebene bloßer Behauptungen auf die der realen Wirklichkeit zu bringen. Daß doch dieser ungelehrte, demütige Diener, der weder auf solche Dinge Anspruch erhob noch sie jemals als Kriterium wahrer Erkenntnis betrachtete, diese Aufgabe übernehme, auf daß so die Wahrheit erkannt und vom Irrtum geschieden werde. Doch welchen Nutzen hätte dies! Alles, was dieses Geschlecht Uns anbieten konnte, waren die Wunden seiner Speere, und der einzige Kelch, den es Unseren Lippen reichte, war der Kelch seines Giftes. Auf Unserem Nacken tragen Wir noch die Narben von Ketten, und Unser Leib ist gezeichnet von den Wundmalen erbarmungsloser Grausamkeit.

+2:108 (209)

Und was dieses Menschen Fähigkeiten anbelangt, seine Unwissenheit, sein Verständnis und seinen Glauben, so sieh, was das Buch, das alle Dinge enthält, offenbart hat: »Wahrlich, der Baum Zaqqúm¹ wird die Speise der Athím² sein«.³ Und dann lies einige Verse weiter bis dahin, wo Er spricht: »Koste nun davon, denn du bist fürwahr der mächtige Karím!« <4> Sieh, wie klar und deutlich er in Gottes unvergänglichem Buche beschrieben ist! Dieser Mann, der Demut heuchelt, hat zudem in seinem Buch auf sich selbst verwiesen als auf den »athím-Diener« <5>: »Athím« im Buche Gottes, mächtig inmitten der allgemeinen Herde - »Karím« dem Namen nach!

¹ az-Zaqqúm: ein Baum, der inmitten der Hölle wächst (vgl. Qur'án 37,62,64; 17:60; 44:43; 56:52)
² Sünder ³ Qur'án 44:43-44

<4> Ehrwürdig; Qur'án 44:49 <5> `Dieser sündige Diener`



+2:109 (210)

Denke über den gesegneten Vers nach: »Es ist nichts Grünes oder Dürres, das nicht im unfehlbaren Buche verzeichnet wäre«¹, damit sich die Bedeutung seiner Worte auf der Tafel deines Herzens einpräge. Dennoch schwört eine große Menge diesem Manne Gefolgschaft. Sie verwerfen den Mose des Wissens und der Gerechtigkeit und folgen dem Samiri² des Unwissens. Sie wenden ihren Blick von der Sonne der Wahrheit, die am göttlichen, ewig währenden Himmel leuchtet, und schenken ihrem Glanz keine Beachtung.

¹ Qur'án 6:59 ² ein Magier, Zeitgenosse Mose; vgl. Qur'án 20:85


+2:110 (211)

O mein Bruder! Nur aus einer göttlichen Gesteinsader können die Edelsteine göttlichen Wissens hervorgebracht werden, der Duft der mystischen Myrte¹ ist nur im wahren Garten zu atmen, und die Lilien altehrwürdiger Weisheit können nirgends erblühen außer in der Stadt eines unbefleckten Herzens. »Der guten Erde entsprießen die Pflanzen in Fülle durch die Erlaubnis seines Herrn, doch einem schlechten Boden entsprießen sie nur kärglich«.²

¹ siehe Glossar ² Qur'án 7:57


+2:111 (212)

Nun ist klar aufgezeigt, daß nur die, welche in die göttlichen Mysterien eingeweiht sind, die Gesänge des Himmelsvogels verstehen können. Darum ist es jedermanns Pflicht, angesichts der Kompliziertheit des Gottesglaubens und der dunklen Andeutungen in den Versen der Morgenröten der Heiligkeit, bei den im Herzen Erleuchteten und bei den Schatzkammern göttlicher Mysterien Erleuchtung zu suchen. Diese Mysterien werden nicht mit Hilfe erworbenen Wissens enträtselt, sondern einzig durch Gottes Beistand und die Ausgießungen Seiner Gnade. »Fraget daher bei denen, welche die Schriften hüten, wenn ihr es selbst nicht wißt«.¹

¹ Qur'án 16:43


+2:112 (213)

O mein Bruder! Wenn ein wahrer Sucher sich entschließt, mit forschendem Schritt den Pfad zu betreten, der zur Erkenntnis des Altehrwürdigen der Tage führt, muß er vor allem sein Herz, den Sitz der Offenbarung der inneren Mysterien Gottes, vom trübenden Staub allen erworbenen Wissens und von den Andeutungen der Verkörperungen satanischer Wahngebilde reinigen. Er muß seine Brust, das Heiligtum der immerwährenden Liebe des Geliebten, von jeder Befleckung läutern und seine Seele von allem heiligen, was dem Wasser und dem Lehm zugehört, von allen schattenhaften, flüchtigen Verhaftungen. Er muß sein Herz so läutern, daß kein Rest von Liebe oder Haß darin verbleibt, damit weder Liebe ihn blind zum Irrtum leite noch Haß ihn von der Wahrheit scheuche. Denn wie du an diesem Tage siehst, sind die meisten Menschen solcher Liebe und solchen Hasses wegen des unsterblichen Antlitzes beraubt, sind von den Verkörperungen der göttlichen Mysterien weit abgeirrt und streifen hirtenlos durch die Wildnis des Vergessens und des Irrtums. Der Sucher soll allezeit sein Vertrauen in Gott setzen und sich von den Erdenmenschen abkehren. Er soll sich von der Welt des Staubes lösen und Ihm, dem Herrn der Herren, anhangen. Nie darf er sich über einen anderen erheben wollen, jede Spur von Stolz und Dünkel soll er von der Tafel seines Herzens waschen. Er soll in Geduld und Ergebung harren, Schweigen üben und sich eitler Rede enthalten. Denn die Zunge ist ein schwelend Feuer, und zuviel der Rede ein tödlich Gift. Natürliches Feuer verbrennt den Körper, das Feuer der Zunge aber verzehrt Herz und Seele. Die Kraft des einen währt nur eine Weile, aber die Wirkung des anderen dauert ein Jahrhundert lang.

+2:113 (214)

Auch soll der Sucher üble Nachrede als schweres Vergehen betrachten und sich von ihrem Einfluß fernhalten, denn sie verlöscht das Licht des Herzens und erstickt das Leben der Seele. Er sollte sich mit wenigem begnügen und frei sein von allen zügellosen Wünschen. Er soll die Gesellschaft derer schätzen, die der Welt entsagt haben, und es als wertvollen Gewinn betrachten, prahlerische, weltlich gesinnte Menschen zu meiden. In der Morgenfrühe eines jeden Tages soll er sich Gott zuwenden und mit ganzer Seele bei der Suche nach seinem Geliebten verweilen. Er soll jeden eigenwilligen Gedanken mit der Flamme Seines liebevollen Gedenkens verbrennen und mit Blitzesschnelle an allem außer Ihm vorübereilen. Er soll dem Vertriebenen beistehen und dem Notleidenden niemals seine Gunst versagen. Er soll gütig sein zu den Tieren, wie viel mehr zu seinem Nächsten, der mit der Macht der Sprache begabt ist. Er soll nicht zögern, sein Leben für seinen Geliebten hinzugeben, und sich nicht durch das Urteil der Menschen von der Wahrheit abbringen lassen. Für andere soll er nicht wünschen, was er für sich selbst nicht wünscht, und nicht versprechen, was er nicht hält. Aus ganzem Herzen soll er die Gesellschaft der Frevler meiden und um Vergebung ihrer Sünden beten. Er soll dem Sünder verzeihen und niemals dessen niedrigen Zustand verachten, denn niemand weiß, wie sein eigenes Ende sein wird. Wie oft hat ein Sünder in der Todesstunde zum Wesenskern des Glaubens gefunden und, den unsterblichen Trank in Fülle trinkend, seinen Flug zur himmlischen Versammlung genommen! Und wie oft hat sich ein ergebener Gläubiger zur Stunde des Aufstiegs seiner Seele so gewandelt, daß er in das unterste Feuer fiel! Wir wollen mit der Offenbarung dieser überzeugenden, gewichtigen Worte, dem Sucher tief einprägen, daß er alles außer Gott als vergänglich ansehen und alles außer Ihm, dem Ziel aller Anbetung, als äußerstes Nichtsein erachten soll.

+2:114 (215)

Dies sind einige Eigenschaften der Hochstehenden und Kennzeichen der Geistiggesinnten. Sie wurden schon bei den Erfordernissen für die Wanderer erwähnt, die auf dem Pfade wirklicher Erkenntnis wandeln. Wenn der losgelöste Wanderer, der aufrichtige Sucher diese Grundbedingungen erfüllt, dann und nur dann kann er ein wahrer Sucher genannt werden. Wann immer er die Bedingungen erfüllt, die in dem Verse liegen: »Wer nach Uns strebt ...«¹, wird er sich der Segnungen erfreuen, die aus den Worten strömen: »... den werden Wir sicherlich auf Unseren Wegen geleiten«.²

¹ Qur'án 29:70 ² Qur'án 29:70


+2:115 (216)

Erst wenn die Lampe des Suchens, des ernsten Strebens, des sehnlichen Verlangens, der leidenschaftlichen Ergebung, der glühenden Liebe, der Verzückung und Ekstase im Herzen des Suchers entzündet ist und der Hauch der Gnade Gottes über seine Seele weht, wird das Dunkel des Irrtums vertrieben, werden die Nebel des Zweifels und der Ängste zerstreut, bis die Lichter der Erkenntnis und Gewißheit sein Wesen einhüllen. Zu dieser Stunde wird der mystische Herold mit der Freudenbotschaft des Geistes strahlend wie der Morgen aus der Stadt Gottes aufleuchten und mit dem Posaunenstoß der Erkenntnis Herz, Seele und Geist aus dem Schlummer der Achtlosigkeit erwecken. Dann werden die mannigfachen Gunstbeweise und die Gnadenströme des heiligen, ewigen Geistes dem Sucher solch neues Leben verleihen, daß er sich mit einem neuen Auge, einem neuen Ohr, einem neuen Herzen und einem neuen Geist beschenkt sieht. Er wird über die offenbaren Zeichen des Weltalls nachsinnen und die verborgenen Geheimnisse der Seele durchdringen. Er wird mit dem Auge Gottes schauen und in jedem Atom ein Tor erblicken, das ihn zu den Stufen völliger Gewißheit führt. In allen Dingen wird er die Mysterien göttlicher Offenbarung und die Beweise ewiger Verkündung entdecken.

+2:116 (217)

Ich schwöre bei Gott! Wer den Pfad der Führung beschreitet, die Höhen der Rechtschaffenheit zu erklimmen sucht und diese hehre, erhabene Stufe erreicht, wird tausend Meilen weit den Duft Gottes verspüren und erleben, wie sich der strahlende Tagesanbruch göttlicher Führung über dem Morgen aller Dinge erhebt. Jedes Ding, und sei es noch so klein, wird ihm eine Offenbarung, die ihn zu seinem Geliebten führt, dem Ziel seines Suchens. So scharf wird des Suchers Urteilskraft werden, daß er Wahres von Falschem zu unterscheiden vermag wie die Sonne vom Schatten. Wenn in den fernsten Winkeln des Ostens Gottes liebliche Düfte wehen, so wird er sie sicherlich erkennen und einatmen, weilte er auch am äußersten Ende des Westens. Desgleichen wird er alle Zeichen Gottes - Seine wundersamen Worte, Seine großen Werke und mächtigen Taten - so klar von den Werken, Worten und Wegen der Menschen unterscheiden, wie der Goldschmied den Edelstein vom Kiesel und jeder Mensch den Frühling vom Herbst, Hitze von Kälte unterscheidet. Wenn die menschliche Seele gleich einem Kanal von allen weltlichen, hemmenden Verhaftungen gereinigt ist, wird sie unfehlbar den Odem des Geliebten über unermeßliche Entfernungen hin verspüren und, von seinem Duft geführt, die Stadt der Gewißheit erreichen und betreten. Dort wird der Sucher Gottes Wunder altehrwürdiger Weisheit erfahren und alle verborgenen Lehren aus dem Blätterrauschen des Baumes vernehmen, der in dieser Stadt blüht. Mit seinem inneren und dem äußeren Ohr wird er aus deren Staub die Hymnen der Verherrlichung und des Lobpreises hören, die zum Herrn der Herren emporsteigen, und mit seinem inneren Auge wird er die Geheimnisse der »Wiederkunft« und der »Erweckung« entdecken. Wie unaussprechlich herrlich sind die Zeichen, die Beweise, die Offenbarungen und die Pracht, die Er, der König der Namen und Eigenschaften, für diese Stadt bestimmt hat. Der Eintritt in diese Stadt löscht den Durst ohne Wasser und entzündet die Gottesliebe ohne Feuer. In jedem Grashalm sind die Mysterien unergründlicher Weisheit verwahrt, und in jedem Rosenbusch singen Nachtigallen ohne Zahl in seligem Entzücken ihr Lied. Wundersame Tulpen enthüllen das Mysterium des unverlöschlichen Feuers im Brennenden Busch, und liebliche Wohlgerüche der Heiligkeit verströmen den Duft des messianischen Geistes. Diese Stadt schenkt Reichtum ohne Gold und verleiht Unsterblichkeit ohne Tod. In jedem Blatt sind unaussprechliche Wonnen verwahrt, und in jedem Gemach liegen unzählige Geheimnisse verborgen.

+2:117 (218)

Die sich tapfer auf der Suche nach Gott mühen, werden, sobald sie allem außer Ihm entsagt haben, so mit dieser Stadt verbunden und vermählt sein, daß sie sich nicht mehr vorstellen können, auch nur einen Augenblick von ihr getrennt zu leben. Sie werden auf unfehlbare Beweise von der Hyazinthe jener Gemeinschaft lauschen und die sichersten Zeugnisse von der Schönheit ihrer Rose und dem Lied ihrer Nachtigall empfangen. Etwa alle tausend Jahre einmal wird diese Stadt erneuert und aufs neue geschmückt.

+2:118 (219)

Darum, o mein Freund, sollten wir mit heißestem Bemühen danach streben, jene Stadt zu erreichen und durch Gottes Gnade und Güte die »Schleier der Herrlichkeit« zu zerreißen, so daß wir mit unbeugsamer Festigkeit unsere schmachtenden Seelen auf dem Pfade des neuen Geliebten opfern. Wir sollten mit Tränen in den Augen Ihn immer wieder inbrünstig anflehen, uns die Gunst dieser Gnade zu gewähren. Diese Stadt ist nichts anderes als das Wort Gottes, das in jedem Zeitalter und in jeder Sendung offenbart wird. In den Tagen Mose war sie der Pentateuch, in den Tagen Jesu das Evangelium, in den Tagen Muhammads, des Gesandten Gottes, der Qur'án, an diesem Tage ist sie der Bayán, und in der Sendung Dessen, den Gott offenbaren wird, wird sie Sein Buch sein - das Buch, auf das alle Bücher der vorangegangenen Sendungen notwendig bezogen werden müssen, das Buch, das überragend und erhaben in ihrer Mitte steht. In diesen Städten ist geistige Nahrung in Fülle bereitet, unvergängliche Wonnen sind darin bestimmt. Die Speise, die sie gewähren, ist das Brot des Himmels, und der Geist, den sie schenken, ist Gottes unvergänglicher Segen. Losgelösten Seelen verleihen sie die Gabe der Einheit; sie machen den Armen reich und bieten den Kelch der Erkenntnis denen, die in der Wildnis des Unwissens wandern. Alle Führung, aller Segen, alles Wissen, alles Erkennen, aller Glaube und alle Gewißheit, die allem im Himmel und auf Erden verliehen wurden, sind in diesen Städten verborgen und verwahrt.

+2:119 (220)

So war der Qur'án für das Volk Muhammads eine uneinnehmbare Feste. In Seinen Tagen war jeder, der sie betrat, vor teuflischen Anschlägen, drohenden Pfeilen, seelenverzehrenden Zweifeln und gotteslästerlichen Einflüsterungen des Feindes geschützt. Auch war ihm ein Anteil an den göttlichen, guten Früchten verliehen, den Früchten der Weisheit vom göttlichen Baum, und ihm ward ein Trank gereicht von den nie verderbenden Wassern aus dem Strom der Erkenntnis und ein Schluck vom Weine der Geheimnisse göttlicher Einheit.

+2:120 (221)

Alles, was die Menschen über Muhammads Offenbarung und Sein Gesetz wissen mußten, war in diesem Ridván strahlender Herrlichkeit enthüllt. Dieses Buch ist ein bleibendes Zeugnis für das Volk nach Muhammad, denn Seine Gesetze sind unanfechtbar und Seine Verheißungen unverbrüchlich. Allen war befohlen, den Vorschriften dieses Buches bis zum »Jahre sechzig«¹ zu folgen, dem Jahre des Erscheinens der wundersamen Manifestation Gottes. Dieses Buch ist das Buch, das den Sucher unfehlbar zum Ridván der göttlichen Gegenwart leitet, welches den, der sein Land verläßt und auf dem Pfade des Suchers wandelt, eintreten läßt in das heilige Zelt² ewiger Vereinigung. Seine Führung kann niemals irren, kein Zeugnis kann sein Zeugnis übertreffen. Alle Traditionen, alle anderen Bücher und Berichte entbehren einer solchen Auszeichnung, denn die Traditionen und deren Überlieferer erhalten einzig vom Wortlaut dieses Buches ihre Bestätigung. Zudem weisen die Traditionen schmerzliche Unterschiede und eine Fülle von Unklarheiten auf.

¹ das Jahr der Erklärung des Báb, 1260 d.H. ² Surádiq; siehe Glossar


+2:121 (222)

Als sich Muhammads Sendung ihrem Ende neigte, sprach Er folgende Worte: »Wahrlich, Ich hinterlasse euch Meine zwei wichtigsten Zeugnisse: Gottes Buch und Meine Familie.« Dieser Quell des Prophetentums, diese Goldader göttlicher Führung, hatte viele der überlieferten Aussprüche offenbart, und doch nannte Er nur dieses Buch, das Er so zum mächtigsten Werkzeug, zum sichersten Zeugnis für die Sucher gemacht hat, zu einem Führer für das Volk bis zum Tage der Auferstehung.

+2:122 (223)

Betrachte aufmerksam, mit unbeirrbarer Schau, mit reinem Herzen und geheiligtem Geist, was Gott Seinem Volk als Zeugnis der Führung bestimmt hat in Seinem Buch, das von hoch und niedrig als authentisch anerkannt wird. An dieses Zeugnis müssen wir beide uns ebenso halten wie die Völker der Welt, auf daß wir durch sein Licht zur Erkenntnis gelangen und Wahrheit von Falschheit, Führung von Irrtum unterscheiden. Da Muhammad Sein Zeugnis auf Sein Buch und Seine Familie beschränkt hat, die letztere aber dahingegangen ist, bleibt nur Sein Buch als Sein einziges Zeugnis unter Seinem Volk.

+2:123 (224)

Am Anfang Seines Buches spricht Er: »Alif, Lám, Mím. Kein Zweifel besteht über dieses Buch: Es ist eine Führung für die Gottesfürchtigen«.¹ In diesen zusammenhanglosen Buchstaben des Qur'án liegen die Mysterien des göttlichen Seins verschlossen, in ihren Muscheln ruhen die Perlen Seiner Einheit verwahrt. Aus Mangel an Raum wollen Wir jetzt nicht dabei verweilen. Äußerlich betrachtet bedeuten sie Muhammad selbst, den Gott mit den Worten anspricht: »O Muhammad, es gibt weder Zweifel noch Ungewißheit an diesem Buche, das vom Himmel göttlicher Einheit herabgesandt ist. In ihm ist Führung für die Gottesfürchtigen.« Bedenke, wie Er dieses Buch, den Qur'án, zur Führung für alle im Himmel und auf Erden bestimmt hat. Er selbst, das göttliche Sein und das unerkennbare Wesen, bezeugt, daß dieses Buch, das hoch erhaben über allen Zweifeln und aller Ungewißheit steht, der Führer der ganzen Menschheit sein soll bis zum Tage der Auferstehung. Nun fragen Wir: Ist es recht, daß das Volk mit Zweifel und Besorgnis auf dieses gewichtigste Zeugnis schaut, dessen göttlichen Ursprung Gott selbst verkündet und zur Verkörperung der Wahrheit erklärt hat? Ist es recht, daß es sich abwendet von dem, was Er zum höchsten Mittel der Führung auf die erhabensten Gipfel der Erkenntnis bestimmt hat, und nach anderem sucht als diesem Buch? Wie können die Menschen es zulassen, daß ihnen ungereimte, dumme Reden die Saaten des Mißtrauens ins Herz säen? Wie können sie sich noch länger töricht darauf berufen, jemand habe dieses oder jenes gesagt oder irgend etwas sei nicht eingetroffen? Wenn neben dem Buch Gottes ein tauglicheres Mittel und ein verläßlicherer Führer der Menschheit vorstellbar gewesen wäre, hätte Er dies nicht in jenem Vers enthüllt?

¹ Qur'án 2:1


+2:124 (225)

So dürfen wir nicht abweichen von Gottes unwiderstehlichem Befehl und Seinem festgelegten Ratschluß, wie sie in dem genannten Vers enthüllt sind. Wir sollten die wundersamen heiligen Schriften anerkennen, sonst werden wir auch die Wahrheit dieses gesegneten Verses nicht anerkennen. Denn es leuchtet ein, daß wer die Wahrheit des Qur'án leugnet, in Wirklichkeit auch die Wahrheit der vorangegangenen heiligen Schriften leugnet. Dies ist offensichtlich der tiefere Sinn dieses Verses. Wollten Wir seine innere Bedeutung darlegen und seine verborgenen Mysterien enthüllen, so reichte die Ewigkeit nicht aus, ihre Tragweite zu erschöpfen, und das Weltall wäre außerstande, sie zu ertragen. Gott wahrlich ist Zeuge, daß Wir die Wahrheit sprechen!

+2:125 (226)

Ebenso sagt Er an anderer Stelle: »Und wenn ihr in Zweifel seid über das, was Wir auf Unsere Diener herabgesandt haben, dann bringt doch eine Sure wie diese hervor und ruft eure Zeugen außer Gott zusammen, wenn es euch um die Wahrheit geht«.¹ Sieh, wie erhaben ist doch die Stufe dieser Verse, wie groß ihre Wirkkraft, wenn Er sie als Sein sicherstes Zeugnis bezeichnet, als Seinen untrüglichen Beweis, als Ausdruck Seiner alles unterwerfenden Macht und als Offenbarung der gestaltenden Macht Seines Willens. Er, der göttliche König, verkündet die unbestreitbare Überlegenheit der Verse Seines Buches über alle Dinge, die Seine Wahrheit bezeugen. Denn, verglichen mit allen anderen Beweisen und Zeichen, leuchten die göttlich offenbarten Verse wie die Sonne, alles andere aber nur wie Sterne. Den Völkern der Welt sind sie ein bleibendes Zeugnis, ein unanfechtbarer Beweis, das strahlende Licht des wahren Königs. Ihr Vorrang und ihre Wirkkraft werden von nichts übertroffen. Sie sind die Schatzkammer göttlicher Perlen, der Verwahrungsort göttlicher Mysterien. Sie bilden das unlösliche Band, das feste Seil, den Urwatu'l-Wuthqá², das unauslöschliche Licht. Sie durchflutet der Strom göttlicher Erkenntnis, sie durchglüht das Feuer Seiner altehrwürdigen, vollendeten Weisheit. Dies ist das Feuer, das im selben Augenblick die Flamme der Liebe in den Herzen der Gläubigen entzündet und den Frost der Achtlosigkeit in die Herzen der Feinde legt.

¹ Qur'án 2:23 ; Bahá'u'lláh übersetzt diesen arabischen Vers anschließend ins Persische, was hier im Deutschen nicht wiederholt wird.
² `der Sichere Griff`, vgl. Qur'án 2:257; 31:22



+2:126 (227)

O mein Freund! Wir dürfen Gottes Befehl nicht unbeachtet lassen; wir müssen uns fügen und dem unterwerfen, was Er als Sein göttliches Zeugnis geboten hat. Dieser Vers ist für diese betrübte Seele zu gewichtig und bedeutungsvoll, als daß er hier erklärt werden könnte. Gott spricht die Wahrheit und führt den Weg. Er, wahrlich, ist hoch erhaben über all Sein Volk. Er ist der Mächtige, der Wohltäter.

+2:127 (228)

Ebenso spricht Er: »Dies sind Gottes Verse; die Wir in voller Wahrheit sprechen. Doch an welche Offenbarung wollen sie denn glauben, wenn sie Gott und Seine Verse verwerfen?«¹ Wenn du den tieferen Sinn dieses Verses erfassest, so wirst du auch die Wahrheit erkennen, daß niemals eine größere Offenbarung enthüllt wurde als durch die Propheten Gottes und daß kein mächtigeres Zeugnis jemals auf Erden erschienen ist als ihre offenbarten Verse. Nein fürwahr, dieses Zeugnis wird durch kein anderes je übertroffen außer durch das, was der Herr, dein Gott, will.

¹ Qur'án 45:6 ; Bahá'u'lláh übersetzt diesen arabischen Vers anschließend ins Persische, was hier im Deutschen nicht wiederholt wird.


+2:128 (229)

An einer anderen Stelle spricht Er: »Wehe jedem lügenhaften Sünder, der die Verse Gottes hört, die ihm vorgetragen werden, und alsdann in Hoffart verharrt, als ob er sie nicht hörte. Verkünde ihm eine schmerzliche Strafe«.¹ Was in diesem Vers liegt, genügt allen im Himmel und auf Erden - o würden die Menschen doch nachsinnen über die Verse ihres Herrn! Denn du hörst, wie an diesem Tage das Volk die göttlich offenbarten Verse schmählich mißachtet, als wären sie die geringsten aller Dinge. Und doch ist nie etwas Größeres als diese Verse erschienen, und nie wird in der Welt Größeres offenbar werden. Sprich zu ihnen: »O achtloses Volk! Ihr bringt aufs neue all das vor, was schon eure Väter in vergangenen Zeiten gesagt haben. Alle Früchte, die sie vom Baume ihres Unglaubens gesammelt, werdet ihr wiederum sammeln. Binnen kurzem werdet ihr zu euren Vätern abberufen und mit ihnen im Höllenfeuer wohnen. Ein schlimmer Ort - der Wohnort des Volkes der Tyrannei!«

¹ Qur'án 45:7-8


+2:129 (230)

Wieder an anderer Stelle spricht Er: »Und wenn er mit einem Unserer Verse bekannt wird, dann treibt er seinen Spott mit ihm. Eine schmachvolle Strafe harrt ihrer!«¹ Das Volk spottete: »Schaffe uns ein anderes Wunder und bringe uns einen anderen Beweis!« Einer sagte sogar: »Laß jetzt einen Teil des Himmels auf uns niederfallen«.² Und ein anderer: »Wenn dies Deine ganze Wahrheit ist, dann mögen Steine vom Himmel auf uns regnen«.³ So wie das Volk Israel zu Mose Zeiten das Brot des Himmels für ein gemeines Zwiebel- und Knoblauchgericht verschacherte, so suchten auch diese Menschen die göttlich offenbarten Verse gegen ihre unredlichen, verderbten Wünsche einzutauschen. Das Gleiche siehst du auch heutzutage. Wiewohl aus den Wolken Seiner Güte geistige Speise vom Himmel göttlicher Barmherzigkeit herabregnet und die Meere des Lebens auf Geheiß des Schöpfers allen Seins im Ridván des Herzens wogen, hat sich dieses Volk gierig wie Hunde um ein Aas gerottet und sich mit dem schalen Wasser eines Salztümpels begnügt. Gnädiger Gott! Wie seltsam ist der Weg dieser Menschen! Sie schreien nach Führung, obwohl die Banner Dessen, der alle Dinge führt, schon gehißt sind. Sie widmen sich obskuren, verzwickten Fragen der Erkenntnis, während Er, das Ziel aller Erkenntnis, wie die Sonne strahlt. Sie sehen die Sonne mit eigenen Augen, und doch stellen sie diesem leuchtenden Gestirn die Frage, ob es auch sein Licht beweisen könne. Sie sehen Frühlingsschauer auf sich niederregnen und doch suchen sie nach einem Beweis für diese freigebige Güte. Der Beweis der Sonne ist ihr Licht, das leuchtet und alle Dinge umfängt, der Beweis des Regens seine milde Gabe, welche die Welt erneuert und mit dem Mantel des Lebens bekleidet. Fürwahr, die Blinden können nichts von der Sonne verspüren außer ihrer Wärme, und der dürre Boden hat keinen Anteil an den Regenschauern der Barmherzigkeit. »Wundere dich nicht, wenn der Ungläubige im Qur'án nichts wahrnimmt als eine Reihe toter Buchstaben; erlebt doch der Blinde die Sonne nur als Hitze«.<4>

¹ Qur'án 45:8 ² Qur'án 26:187 ³ Qur'án 8:32 <4> Persischer Dichtervers



+2:130 (231)

An anderer Stelle spricht Er: »Und wenn ihnen Unsere klaren Verse vorgetragen werden, dann haben sie nichts anderes einzuwenden, als daß sie sagen: `Bringe unsere Väter wieder, wenn du die Wahrheit redest!`«¹ Sieh, welch törichte Zeichen sie forderten von den Verkörperungen einer allumfassenden Barmherzigkeit! Sie spotteten der Verse, in denen ein Buchstabe, der die Toten im Tale des Selbstes und der Begierde mit dem Geiste des Glaubens belebt, größer ist als die Schöpfung der Himmel und der Erde, und schrien: »Mache, daß unsere Väter aus ihren Gräbern eilen«.² So groß waren die Verderbtheit und Hoffart dieses Volkes. Ein jeder dieser Verse ist den Völkern der Welt ein untrügliches Zeugnis, ein herrlicher Beweis Seiner Wahrheit. Ein jeder von ihnen genügt fürwahr der ganzen Menschheit - o würdest du doch über die Verse Gottes meditieren. In dem vorerwähnten Vers allein liegen Perlen von Mysterien verborgen. Was immer das Leiden sein mag, das Heilmittel, das er bietet, kann nie versagen.

¹ Qur'án 45:24 ; Bahá'u'lláh übersetzt diesen arabischen Vers anschließend ins Persische, was hier im Deutschen nicht wiederholt wird.
² Qur'án 45:25


+2:131 (232)

Achte nicht der eitlen Behauptung derer, die vorbringen, das Buch und seine Verse seien niemals ein Zeugnis für das gewöhnliche Volk, da dieses weder ihren Sinn erfassen noch ihren Wert schätzen könne, denn das einzige untrügliche Zeugnis Gottes für den Osten wie den Westen ist der Qur'án. Ginge er über die Fassungskraft der Menschen, wie hätte er dann als allumfassendes Zeugnis allen Menschen verkündet werden können? Wäre ihre Behauptung wahr, so bedürfte man seiner nicht; das Volk brauchte Gott nicht zu erkennen, weil die Erkenntnis des göttlichen Seins die Erkenntnis Seines Buches übersteigt und das gewöhnliche Volk nicht die Fähigkeit hätte, es zu begreifen.

+2:132 (233)

Solcher Streit ist irreführend und unzulässig, er entspringt nur der Anmaßung und dem Hochmut. Sein Beweggrund ist, die Menschen vom Ridván göttlichen Wohlgefallens abzulenken und dafür die Zügel der Macht über das Volk umso fester zu halten. Doch in den Augen Gottes ist das einfache Volk unendlich höher und erhabener als seine Geistlichen, die von dem einen wahren Gott abgeirrt sind. Um Sein Wort zu verstehen, um die Verse der Himmelstauben zu begreifen, bedarf es keiner Gelehrsamkeit, sondern nur der Reinheit des Herzens, der Keuschheit der Seele und der Freiheit des Geistes. Dies beweisen jene, die heutzutage ohne einen einzigen Buchstaben der anerkannten Kriterien der Gelehrsamkeit auf den erhabensten Sitzen der Erkenntnis weilen, deren Herzensgarten durch die Regenschauer göttlicher Gnade mit den Rosen der Weisheit und den Tulpen der Einsicht geziert ist. Wohl den aufrichtigen Herzen, denn sie haben teil am Licht eines mächtigen Tages!

+2:133 (234)

Und ebenso spricht Er: »Was jene betrifft, die nicht an Gottes Verse glauben, noch daran, daß sie Ihm jemals begegnen, so werden sie an Meiner Barmherzigkeit verzweifeln. Ihrer harrt eine schmerzliche Strafe«.¹ Des weiteren: »Und sie sagen: `Sollen wir denn unsere Götter verlassen um eines närrischen Dichters willen?`«² Der tiefere Sinn dieses Verses ist offensichtlich. Siehe, was sie sagten, als die Verse offenbart wurden. Sie nannten Ihn einen Dichter, spotteten über die Verse Gottes und riefen aus: »Diese Worte sind nur Fabeln der Alten!«³ Damit wollten sie sagen, daß Muhammad solche Worte, die einstmals in der Menschen Mund waren, zusammengestellt und als Worte Gottes ausgegeben habe.

¹ Qur'án 29:23 ³ Qur'án 25:5
² Qur'án 37:36 ; Bahá'u'lláh übersetzt diesen arabischen Vers anschließend ins Persische, was hier im Deutschen nicht wiederholt wird.



+2:134 (235)

So auch an diesem Tage: Du hast gehört, wie das Volk gegen diese Offenbarung Ähnliches vorbringt, indem sie sagen: »Er hat diese Worte aus den Worten der Alten zusammengestellt«, oder: »Diese Worte sind unecht.« Eitel und hoffärtig ist ihre Rede, niedrig ihr Zustand und ihre Stufe.

+2:135 (236)

Nachdem sie Ihn, wie schon dargetan, abgelehnt und öffentlich verdammt hatten, protestierten sie: »Nach unserer Schrift soll nach Mose und Jesus kein unabhängiger Prophet mehr erstehen, der das Gesetz der göttlichen Offenbarung aufhebt. Er, der sich offenbaren wird, muß vielmehr das Gesetz erfüllen.« Daraufhin wurde dieser Vers offenbart, der auf alle göttlichen Themen hinweist und die Wahrheit bezeugt, daß des Allbarmherzigen Gnadenstrom nimmer aufhören wird: »Und Josef kam vordem zu euch mit klaren Zeichen. Ihr aber verharrtet im Zweifel an der Botschaft, mit der Er zu euch kam, bis ihr dann, als Er starb, sprachet: `Gott wird nach Ihm nimmermehr einen Boten erstehen lassen.` So läßt Gott den Frevler, den Zweifler in die Irre gehen«.¹ Erkenne also aus diesem Vers und wisse mit Gewißheit, daß die Menschen zu allen Zeiten solche eitlen, absurden Reden geführt haben, indem sie, sich an einen Vers des Buches klammernd, behaupteten, daß sich in Zukunft kein Prophet mehr der Welt offenbaren werde. So auch die christlichen Geistlichen, die durch den schon erwähnten Vers des Evangeliums zu beweisen versuchten, daß das Gesetz des Evangeliums niemals aufgehoben und niemals mehr ein unabhängiger Prophet gesandt werde, Er bestätigte denn das Gesetz des Evangeliums. Von dieser geistigen Krankheit sind die meisten Menschen befallen.

¹ Qur'án 40:34 ; Bahá'u'lláh übersetzt diesen arabischen Vers anschließend ins Persische, was hier im Deutschen nicht wiederholt wird.


+2:136 (237)

Ebenso bist du Zeuge, wie das Volk des Qur'án, den Völkern alter Zeiten gleich, sich durch das Wort »Siegel der Propheten« die Augen verschleiern ließ. Und doch erkennen sie selbst diesen Vers an: »Niemand kennt seine Bedeutung als Gott und diejenigen, welche im Wissen fest gegründet sind«.¹ Wenn Er, der wohlbegründet ist in allem Wissen, Er, die Mutter, die Seele, das Geheimnis und das Wesen des Wissens, etwas offenbart, was ihren Wünschen auch nur im geringsten zuwider ist, dann feinden sie Ihn bitterlich an und verleugnen Ihn schamlos. Dies hast du schon gehört und bezeugt. Zu solchen Taten und Worten haben nur Geistliche angestiftet, die keinen Gott anbeten als ihre Begierde, die nichts huldigen als dem Gold, die in die dichtesten Schleiern der Gelehrsamkeit verstrickt und von deren Verworrenheit umnebelt, sich in der Wildnis des Irrtums verloren haben. So hat der Herr des Seins ausdrücklich erklärt: »Was meinst du wohl? Wer seine Leidenschaften zu seinem Götzen gemacht, wen Gott durch sein Wissen in die Irre gehen ließ, wessen Ohren und Herz Er versiegelt, wessen Blick Er mit einem Schleier bedeckt hat - wer könnte einen solchen, den Gott so verlassen hat, noch führen? Wollt ihr euch also nicht warnen lassen?«²

¹ Qur'án 3:7

² Qur'án 45:22 ; Bahá'u'lláh übersetzt diesen arabischen Vers anschließend ins Persische, was hier im Deutschen nicht wiederholt wird.


+2:137 (238)

Obwohl der äußere Sinn des Wortes: »Wen Gott durch sein Wissen in die Irre gehen ließ« schon enthüllt ist, so bedeutet es doch für Uns diejenigen Geistlichen der heutigen Zeit, die sich an ihre Gelehrsamkeit halten, das Erzeugnis ihrer Phantasie und ihrer Wünsche, und die sich von Gottes Schönheit abgewandt und Seine Botschaft und Offenbarung öffentlich verdammt haben. »Sprich: Es ist eine gewichtige Botschaft, von der ihr euch abwendet«.¹ Ebenso sagt Er: »Und wenn Unsere klaren Verse ihnen vorgetragen werden, so sagen sie: `Dies ist nur ein Mensch, der euch gerne von eurer Väter Glauben abspenstig machen will.` Und sie sagen: `Dies ist nichts als ein ausgeheckter Schwindel.`«¹

¹ Qur'án 38:67
² Qur'án 34:43 ; Bahá'u'lláh übersetzt diesen arabischen Vers anschließend ins Persische, was hier im Deutschen nicht wiederholt wird.



+2:138 (239)

Schenke dein Ohr Gottes heiliger Stimme und achte wohl auf Seine süße, unsterbliche Melodie. Sieh, wie feierlich Er die warnt, welche Gottes Verse verschmähen, und wie Er die verwirft, die Sein heiliges Wort verleugnen. Sieh, wie weit das Volk vom Kawthar göttlicher Gegenwart abgeirrt ist! Wie schmerzlich sind der Unglaube und die Anmaßung derer, die bar des Geistes sind, vor dem Antlitz dieser geheiligten Schönheit. Dieses reinste Wesen der Güte und Großmut hat die vergänglichen Geschöpfe in das Reich der Unsterblichkeit eintreten lassen und die hilflosen Seelen an den heiligen Strom des Reichtums geführt. Und dennoch haben Ihn einige als »Verleumder Gottes, des Herrn aller Geschöpfe«, angeprangert, andere Ihn bezichtigt, einer zu sein, »der das Volk vom Pfade der Gläubigkeit und des wahren Glaubens abhält«, während wieder andere Ihn für »geistesgestört« erklärten und dergleichen mehr.

+2:139 (240)

Und ebenso bemerkst du an diesem Tag, mit welch gemeinen Vorwürfen sie diesen Edelstein der Unsterblichkeit bedacht und mit welch unaussprechlichen Schandtaten sie Ihm, dem Quell der Reinheit, begegnet sind. Gott hat sie in Seinem Buch und auf Seiner heiligen, unsterblichen Tafel davor gewarnt, die offenbarten Verse zu leugnen; Er hat die Gnadenbotschaft denen verkündet, die sie annehmen - doch höre die zahllosen Schmähungen, die sie gegen die vom neuen Himmel göttlicher, ewiger Heiligkeit herabgesandten Verse ausstoßen! Hat doch nie ein erschaffenes Auge eine so große Ausgießung der Großmut geschaut, nie ein Ohr eine solche Offenbarung der Güte vernommen. Eine solche Großmut, eine solche Offenbarung tritt in Erscheinung, damit die enthüllten Verse als Frühlingsregen aus den Wolken der Barmherzigkeit des Allgütigen erscheinen. Die Propheten, die »mit Beständigkeit versehen« sind, deren Erhabenheit und Herrlichkeit klar wie die Sonne leuchten, wurden alle mit einem Buch ausgezeichnet, das alle gesehen haben und dessen Verse gesichert sind. Die Verse aber, die aus dieser Wolke göttlicher Gnade geströmt sind, waren so überreich, daß noch niemand imstande war, ihre Zahl zu schätzen. Wohl zwanzig Bände sind jetzt zur Hand. Doch wie viele bleiben uns noch unerreichbar! Wie viele sind geraubt worden und in die Hände des Feindes gefallen, und niemand kennt ihr Schicksal.

+2:140 (241)

O mein Bruder, wir sollten unsere Augen öffnen, über Sein Wort meditieren und im Schatten der Manifestation Gottes Zuflucht suchen, auf daß wir, durch die untrüglichen Ratschläge des Buches gewarnt, die Ermahnungen, die auf den heiligen Tafeln verzeichnet sind, sorgfältig beachten und den Offenbarer der Verse nicht bekritteln, daß wir uns selbst völlig Seiner Sache weihen und uns mit ganzem Herzen Seinem Gesetz unterstellen. So werden wir vielleicht in den Hof Seiner Barmherzigkeit eintreten und an der Küste Seiner Gnade Wohnung finden. Er, wahrlich, ist der Barmherzige und der Vergebende gegenüber Seinen Dienern.

+2:141 (242)

Ebenso sagt Er: »Sprich, o Volk des Buches! Verwerft ihr Uns nur darum, weil Wir an Gott glauben und an das, was Er Uns herabgesandt hat, und an das, was Er vor alter Zeit herabgesandt hat, und weil die meisten von euch Frevler sind?«¹ Wie klar enthüllt dieser Vers Unser Vorhaben, wie deutlich beweist er die Wahrheit der Verse Gottes! Dieser Vers wurde offenbart zu einer Zeit, da die Ungläubigen den Islám angriffen und seine Jüngerschaft des Irrglaubens beschuldigten, zu einer Zeit, da sie die Gefährten Muhammads als Gottesleugner und als Gefolgsleute eines Lügners und Zauberers brandmarkten. In den frühen Tagen, als der Islám dem äußeren Anschein nach noch ohne Autorität und Macht war, wurden die Freunde des Propheten, die ihr Angesicht Gott zugewandt hatten, wohin sie auch gingen, gequält, verfolgt, gesteinigt und geschmäht. Zu dieser Zeit ward der gesegnete Vers vom Himmel göttlicher Offenbarung herabgesandt. Er enthüllte ein unwiderlegliches Zeugnis und brachte das Licht untrüglicher Führung. Er lehrte die Gefährten Muhammads, den Ungläubigen und Götzendienern folgendes zu erwidern: »Ihr unterdrückt und verfolgt uns, doch was haben wir anderes getan, als daß wir an Gott glauben und an die Verse, die uns durch die Zunge Muhammads herabgesandt wurden, und an jene, die auf die Propheten alter Zeiten herabkamen?« Das heißt, daß ihre einzige Schuld war, erkannt zu haben, daß die neuen, wundersamen Verse Gottes, welche auf Muhammad herabgekommen waren, allesamt von Gott waren, ebenso wie jene, die die Propheten vordem offenbart hatten, daß sie deren Wahrheit erkannt und angenommen hatten. Dies ist das Zeugnis, welches der göttliche König Seine Diener lehrt.

¹ Qur'án 5:62


+2:142 (243)

Ist es, so betrachtet, gerecht, wenn dieses Volk die neu offenbarten Verse, welche den Osten und den Westen umfangen, zurückzuweist und sich selbst als die Stützen des wahren Glaubens betrachtet? Sollten sie nicht vielmehr an Den glauben, der diese Verse offenbart hat? Und wenn man das Zeugnis bedenkt, das Er selbst abgelegt hat - warum sollte Er nicht in denen treue Gläubige sehen, die die Wahrheit dieses Zeugnisses bekennen? Fern sei es Ihm, daß Er von den Toren Seiner Barmherzigkeit den vertriebe, der sich Ihm zuwendet und die Wahrheit der göttlichen Verse annimmt, oder daß Er denen drohe, die sich an Sein sicheres Zeugnis halten! Wahrlich, Er begründet die Wahrheit durch Seine Verse, und Er bekräftigt Seine Offenbarung durch Seine Worte. Wahrlich, Er ist der Machtvolle, der Helfer in Gefahr, der Allmächtige!

+2:143 (244)

Auch spricht Er: »Und hätten Wir dir ein Buch, auf Pergament geschrieben, herabgesandt und hätten die Ungläubigen es mit eigener Hand berührt, so hätten sie doch sicherlich gesagt: `Dies ist nichts als offenkundige Zauberei.`«¹ Die meisten Verse des Qur'án weisen auf dieses Thema hin, doch haben Wir um der Kürze willen nur diese Verse angeführt. Bedenke: Ist im ganzen Buch außer den Versen sonst noch ein Maßstab gegeben, anhand dessen die Manifestationen Seiner Schönheit erkannt werden könnten, so daß das Volk sich daran halten und die Manifestationen Gottes verwerfen könnte? Nein, bei jeder Gelegenheit hat Er, wie schon gezeigt, mit Feuer bedroht, wer diese Verse verschmäht und verspottet.

¹ Qur'án 6:7


+2:144 (245)

So darum jemand aufstünde und Myriaden von Versen, Reden, Sendschreiben und Gebeten hervorbrächte, von denen keines der Gelehrsamkeit entspringt - welche Entschuldigung könnte jene rechtfertigen, die diese Verse verwerfen und sich damit der Kraft ihrer Gnade berauben? Welche Antwort können sie geben, wenn ihre Seele dereinst emporgestiegen ist aus ihrem düsteren Tempel? Könnten sie sich damit rechtfertigen, daß sie sagen: »Wir haben uns an eine bestimmte Tradition gehalten, und weil wir sie nicht buchstäblich erfüllt sahen, fanden wir an den Verkörperungen göttlicher Offenbarung soviel auszusetzen und hielten uns von den Gesetzen Gottes fern«? Hast du nicht gehört, daß einer der Gründe, warum gewisse Propheten als »mit Beständigkeit versehen« bezeichnet wurden, der ist, daß sie mit der Offenbarung eines Buches betraut waren? Und was rechtfertigte dieses Volk, das den Offenbarer und Urheber so vieler Bände von Versen verwarf und den Reden dessen folgte, der töricht die Saaten des Zweifels den Menschen in die Herzen säte und sich, Satan gleich, erhob, das Volk auf den Pfad des Verderbens und des Irrtums zu führen? Wie konnten sie zulassen, daß solches Geschehen sie des Sonnenlichtes göttlicher Freigebigkeit beraubt? Abgesehen davon: Wenn diese Menschen eine so göttliche Seele, einen so heiligen Odem meiden und verwerfen, an wen, so fragen wir, könnten sie sich dann halten, zu wessen Antlitz sich wenden, wenn nicht zu Seinem? Fürwahr, »alle haben einen Bereich der Himmel, dem sie sich zuwenden«.¹ Wir haben dir diese beiden Wege gezeigt, gehe nun den Weg, den du dir erwählst. Dies wahrlich, ist die Wahrheit, und außer der Wahrheit bleibt nichts als Irrtum.

¹ Qur'án 2:148


+2:145 (246)

Einer der Beweise für die Wahrheit dieser Offenbarung ist, daß in allen Zeitaltern und allen Sendungen, wann immer sich das unsichtbare Wesen in der Gestalt Seiner Manifestation offenbarte, einige unbekannte, von allen weltlichen Bindungen losgelöste Seelen bei der Sonne des Prophetentums und dem Monde göttlicher Führung Erleuchtung suchen und zur göttlichen Gegenwart gelangen. Darum pflegen die Geistlichen und die Reichen dieser Zeit solche Menschen zu schmähen und zu verspotten. So hat Er über diese Irrenden offenbart: »Da sprachen die Oberen Seines Volkes, die nicht glaubten: `Wir sehen in Dir nur einen Menschen gleich uns, und wir sehen Dir nur die Niedrigsten folgen mit voreiligem Urteil; wir sehen in euch auch keinen Vorzug über uns. Nein, wir halten euch für Lügner.`«¹ Sie schmähten die heiligen Manifestationen und redeten wider sie: »Keiner ist euch gefolgt außer dem Gesindel, das keiner Beachtung wert ist.« Damit wollten sie hervorheben, daß keiner von den Gelehrten, den Reichen und Angesehenen an sie glaubte. So und mit ähnlichen Gründen versuchten sie, die Falschheit Dessen zu beweisen, der nur die Wahrheit spricht.

¹ Qur'án 11:28


+2:146 (247)

In dieser strahlendsten Sendung jedoch, unter dieser mächtigsten Souveränität sind eine Reihe erleuchteter Geistlicher, Männer von vollendeter Bildung, Doktoren von reifer Weisheit, an Seinen Hof gelangt. Sie haben aus dem Kelch Seiner göttlichen Gegenwart getrunken und die Ehre Seiner alles überragenden Gunst empfangen. Um des Geliebten willen haben sie der Welt und allem darinnen entsagt. Wir wollen die Namen einiger von ihnen erwähnen, auf daß dies die Kleingläubigen stärke und die Verzagten ermutige.

+2:147 (248)

Unter ihnen war Mullá Husayn, welcher zum Empfänger der Strahlenglorie der Sonne göttlicher Offenbarung werden durfte. Nur für ihn hat Gott den Sitz Seiner Barmherzigkeit errichtet und sich auf den Thron ewiger Herrlichkeit gesetzt. Unter ihnen war auch Siyyid Yahyá, jene einzigartige, unerreichte Gestalt seiner Zeit. Ferner Mullá Muhammad 'Alíy-i-Zanjání, Mullá 'Alíy-i-Bastámí, Mullá Sa'íd-i-Bárfurúshí, Mullá Ni'matu'lláh-i-Mázindarání, Mullá Yúsuf-i-Ardibílí, Mullá Mihdíy-i-Khu'í, Siyyid Husayn-i-Turshízí, Mullá Mihdíy-i-Kandí, Mullá Báqir, Mullá 'Abdu'l-Kháliq-i-Yazdí, Mullá 'Alíy-i-Baraqání und andere, annähernd vierhundert, deren Namen auf Gottes »Verwahrter Tafel« verzeichnet sind.

+2:148 (249)

Sie alle wurden vom Lichte der Sonne göttlicher Offenbarung geführt, sie haben Seine Wahrheit bekannt und anerkannt. So stark war ihr Glaube, daß die meisten um des Allherrlichen Wohlgefallens willen Heim und Habe aufgaben. Sie weihten ihr Leben dem Vielgeliebten und gaben alles hin auf Seinem Pfade. Ihre Brust ward den Pfeilen des Feindes zur Zielscheibe, ihre Häupter schmückten die Speere der Ungläubigen. Kein Land, das nicht das Blut dieser Verkörperungen der Loslösung getrunken, kein Schwert, das nicht ihren Nacken geschlagen hätte. Allein ihre Taten beweisen die Wahrheit ihrer Worte. Genügt dem Volke dieses Tages das Zeugnis dieser heiligen Seelen nicht, die sich erhoben, das Leben für ihren Geliebten zu opfern, so ruhmvoll, daß alle Welt darob ins Staunen geriet? Ist dies kein genügendes Zeugnis für die Treulosigkeit derer, die ihren Glauben um ein Linsengericht verraten, die Unsterblichkeit um Vergängliches verschachert, den Kawthar göttlicher Gegenwart für Salzquellen aufgegeben haben und deren einziges Lebensziel es ist, sich des Eigentums anderer zu bemächtigen? Du hast ja selbst gesehen, wie sie sich alle mit den Eitelkeiten der Welt abgegeben haben und wie weit von Ihm, dem Herrn, dem Höchsten, abgeirrt sind.

+2:149 (250)

Sei gerecht: Kann man auf das Zeugnis derer bauen, deren Taten und Worte übereinstimmen und deren äußeres Verhalten ihrem inneren Leben entspricht? Der Geist ist bestürzt über das, was sie vollbrachten, die Seele ergriffen von ihrer Tapferkeit und dem Schmerz, den sie ertrugen. Oder soll man dem Zeugnis jener ungläubigen Seelen folgen, die nichts als den Hauch ihrer selbstsüchtigen Wünsche atmen und im Käfig ihres eitlen Wahns gefangen sind? Wie die Fledermäuse der Finsternis heben sie ihr Haupt vom Lager nur, um den flüchtigen Dingen der Welt nachzujagen, und finden keine Ruhe bei Nacht, es sei denn im Trachten nach ihren schmutzigen Lebenszielen. In ihre selbstsüchtigen Pläne versunken, vergessen sie den göttlichen Befehl. Bei Tag streben sie mit ganzer Seele nach weltlichem Gewinn, und bei Nacht widmen sie sich nur der Befriedigung ihrer Sinneslust. Welches Gesetz, welche Norm könnte die Menschen rechtfertigen, wenn sie, der Ablehnung dieser kleingeistigen Seelen folgend, den Glauben derer verwerfen, die um Gottes Wohlgefallen auf Leib und Gut, Ruhm und Namen, Ansehen und Ehre verzichtet haben?

+2:150 (251)

Wurde nicht, was sich im Leben des »Fürsten der Märtyrer«¹ ereignete, als das größte Geschehen angesehen, als erhabenster Beweis seiner Wahrheit? Hat nicht das Volk von ehedem dieses Geschehen als beispiellos bezeichnet? Haben sie nicht gesagt, keine Demonstration der Wahrheit habe je solche Beständigkeit, eine so sichtbare Glorie an den Tag gelegt? Und doch war diese Episode seines Lebens, die am Morgen begann, schon am Mittag desselben Tages beendet, indes diese heiligen Leuchten achtzehn Jahre lang heldenhaft den Trübsalen standhielten, die von allen Seiten auf sie herabhagelten. Mit welcher Liebe, welcher Ergebenheit, welchem Jubel und heiligem Entzücken haben sie ihr Leben auf dem Pfade des Allherrlichen geopfert! Diese Wahrheit bezeugen alle. Wie kann man diese Offenbarung dennoch herabsetzen? War je ein Zeitalter Zeuge eines Geschehens von so großer Tragweite? Wenn diese Gefährten nicht wahre Gottsucher waren, wer sollte dann so genannt werden? Haben sie Macht oder Ruhm gesucht? Haben sie je nach Reichtum getrachtet? Haben sie jemals einen Wunsch gehegt außer dem, Gott zu gefallen? Wenn diese Gefährten mit all ihren erstaunlichen Zeugnissen und wunderbaren Werken Lügner waren, wer wäre dann würdig, einen Wahrheitsanspruch zu erheben? Ich schwöre bei Gott! Allein schon ihre Taten sind ein ausreichendes Zeugnis, ein unwiderlegbarer Beweis für alle Völker der Erde, würden die Menschen doch im Herzen über die Mysterien göttlicher Offenbarung nachdenken! »Und die Frevler werden bald erkennen, welches Los ihrer harrt!«²

¹ Imám Husayn ² Qur'án 26:228


+2:151 (252)

Des weiteren ist im Buche das Kriterium für Wahrheit und Irrtum aufgestellt. Mit diesem göttlichen Prüfstein müssen die Ansprüche aller Menschen bewertet werden, so daß der Wahrhaftige erkannt und vom Betrüger unterschieden wird. Dieser Prüfstein ist kein anderer als folgender Vers: »Wünscht euch den Tod, wenn ihr Menschen der Wahrheit seid«.¹ Denke nach über diese Märtyrer von unzweifelhafter Aufrichtigkeit, deren Wahrhaftigkeit der klare Text des Buches bezeugt. Sie haben, wie du erlebt hast, alles geopfert, ihr Leben, ihr Vermögen, ihre Frauen und ihre Kinder, und sind zu den erhabensten Gemächern des Paradieses aufgestiegen. Ist es gerecht, das Zeugnis dieser losgelösten, erhabenen Wesen für die Wahrheit dieser alles überragenden, herrlichen Offenbarung zu verwerfen und dem Verdammungsurteil zu folgen, das dieses strahlende Licht von jenem treulosen Volk erfahren hat, das des Goldes wegen seinen Glauben aufgegeben und im Streben nach Führerschaft Ihn, den ersten Führer der ganzen Menschheit, verworfen hat? Ihr wahrer Charakter ist jetzt vor allen offenbar: Sie wurden als Menschen erkannt, die für Gottes heiligen Glauben nicht einmal auf ein Jota, auf einen Deut ihrer irdischen Herrschaft verzichten, geschweige denn auf ihr Leben, Vermögen und dergleichen.

¹ Qur'án 2:94


+2:152 (253)

Sieh, wie der göttliche Prüfstein nach dem ausdrücklichen Wortlaut des Buches die Wahren von den Falschen geschieden hat! Doch sind sie sich dieser Wahrheit noch immer nicht bewußt. Im Schlafe der Achtlosigkeit trachten sie nach den Eitelkeiten dieser Welt, besessen von Gedanken an nutzlose, irdische Führerschaft.

+2:153 (254)

»O Sohn des Menschen! Viele deiner Tage sind dahingegangen, und es galt dir nur das eigene Verlangen voll Wunsch und Wahn. Wie lange noch willst du auf deinem Lager schlafen? - Wache auf! Denn hoch am Mittag steht die Sonne und will auch dir mit dem Licht ihrer Schönheit scheinen«.¹

¹ VW ar.62


+2:154 (255)

Sei dir dessen bewußt, daß keiner der Doktoren und Geistlichen, die Wir angeführt haben, mit dem Rang und der Würde weltlicher Führerschaft bekleidet war. Denn wohlbekannte, einflußreiche Geistliche, die auf den Stühlen der Autorität sitzen und leitende Funktionen innehaben, können dem Offenbarer der Wahrheit keine Treue geloben - außer denen, die dein Herr will. Doch ist dies, bis auf wenige Fälle, nie geschehen. »Und nur wenige Meiner Diener sind dankbar.«¹ So hat auch in dieser Sendung nicht einer der berühmten Geistlichen, in deren Amtsgewalt die Zügel des Volkes lagen, den Glauben angenommen. Nein fürwahr, sie haben ihn mit solcher Feindseligkeit und Entschiedenheit bekämpft, wie es noch kein Ohr gehört und kein Auge gesehen hat.

¹ Qur'án 34:13


+2:155 (256)

Der Báb, der Herr, der Erhabenste - möge das Leben aller ein Opfer für Ihn sein - hat ein besonderes Sendschreiben an die Geistlichen in allen Städten offenbart, worin Er das Wesen ihrer Verleugnung und Ablehnung ausführlich darstellt. »Darum habt acht, ihr Menschen von Einsicht!«¹ So auf ihren Widerstand hinweisend, wollte Er den Einwänden, die das Volk des Bayán am Tage der Offenbarung des Mustagháth², dem Tage der späteren Auferstehung, machen könnte, begegnen, indem Er betonte, daß in dieser spät
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Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden Verfasst am: 20.11.2007, 19:03
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